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Ostsee: "80.000.000 ungeklärte Geschäfte"

19. April 2007

WWF fordert Reedereien auf, die Einleitung von Fäkalien und Abwässern zu stoppen

 

Stralsund/Hamburg - Der WWF fordert vor Beginn der Urlaubszeit alle Kreuzfahrt- und Fährreedereien an der Ostsee auf, die Einleitung von Fäkalien und Abwässern von den Schiffen ins Meer umgehend zu stoppen. Jährlich werden 80 Millionen Menschen über die Ostsee befördert, davon 11 Millionen von und nach Deutschland. Durch die ungeklärten Abwässer gelangen bis zu 460 Tonnen Stickstoff und 150 Tonnen Phosphate sowie Bakterien, Krankheitskeime, Essensreste und Schwermetalle in die Ostsee.  

 

Weil diese Praxis in internationalen Gewässern noch immer legal ist, setzt der WWF auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Schiffsbetreiber. „Jetzt sind die Reeder gefragt, ihren Beitrag zum Schutz der Ostsee zu leisten. Die Einleitung von Nährstoffen führt zu Algenblüten und Sauerstoffmangel“, so der Leiter des WWF Ostseebüros in Stralsund, Jochen Lamp. „Während kleine Sportboote ihre Abwässer in den Häfen entsorgen müssen, dürfen die großen Schiffe ihre Fäkalien einfach ins Meer pumpen. Das ist ein Skandal.“  

 

Der WWF fordert in einem Brief an die Kreuzfahrt- und Fährbetreiber, alle Abwässer in den Häfen oder durch Kläranlagen an Bord zu entsorgen. Die bestehenden Entsorgungseinrichtungen würden nicht genutzt. So wurden im Sassnitzer Hafen Mukran bei 761.000 Passagieren keine Abwässer abgepumpt. Für den schwedischen Hafen Helsingborg steht 10 Millionen Passagieren gerade einmal ein Kubikmeter Abwasser gegenüber. Dies geht aus einer Studie des finnischen Umweltministeriums hervor.  

 

Die Überdüngung mit Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff ist laut WWF das größte Umweltproblem der Ostsee. Die Folgen: Immer häufiger treten giftige Blaualgen auf. Algenteppiche ersticken die natürlichen Lebensgemeinschaften. Im trüben Wasser sterben Pflanzen aus Lichtmangel ab. Algen verstopfen auch Fischernetze, die oft  nur noch Schleim statt Dorsch oder Hering enthalten.  

 

„Die meisten Schiffsabwässer gelangen während der Ferienzeit im Sommer in die See“, so der WWF-Sprecher. Die Einleitungen verschärfen das Algenproblem in der Nähe der internationalen Schifffahrtslinien erheblich. Wind und Strömungen treiben die Algenteppiche an Strände und wertvolle Küstengebiete. Sobald die Algen zu Boden sinken, verursachen sie einen vermehrten Sauerstoffabbau im Bodenwasser, es entstehen „tote Zonen“. Wenn die Reedereien nicht einlenken, wird sich das Problem laut WWF weiter verschärfen. Denn der Schiffsverkehr in der Ostsee soll bis 2020 um mehr als 50 Prozent zunehmen.  

 

Um die Überdüngung dauerhaft zu bekämpfen, müssen allerdings nicht nur die Schiffsbetreiber, sondern auch Landwirte, Wirtschaftsbetriebe und Kommunen ihre Nährstoffeinträge drastisch reduzieren.

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