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Ostsee bald kein Klo mehr

26. November 2008

WWF begrüßt Vorstoß gegen Schiffsabwässer. Beitrag gegen Todeszonen.

 

Der WWF begrüßt eine neue Initiative der Ostseestaaten für eine saubere Schifffahrt. Die Länder wollen 2009 bei der zuständigen UN-Schifffahrtsorganisation (IMO) strengere Regeln für die Reinigung von Abwässern aus Kreuzfahrt- und Fährschiffen in der Ostsee durchsetzen. Der WWF hatte durch massiven öffentlichen Druck bereits eine freiwillige Vereinbarung mit einigen Passagierschiff-Betreibern erreicht, um die Verschmutzung der Ostsee zu verringern.

 

Nach Angaben der Umweltstiftung waren in der Vergangenheit jedes Jahr bis zu 100 Millionen Klospülungen sowie große Mengen Schmutzwasser von Kreuzfahrt- und Fährschiffen in die Ostsee gelangt. Durch Nährstoffeinträge bilden sich Algen und sauerstoffarme Todeszonen am Meeresboden.

 

In Zukunft sollen Abwässer nur noch geklärt ins Meer eingeleitet werden. Ungeklärtes Schmutzwasser muss dann im Hafen entsorgt werden.

 

„Bald darf hoffentlich keine unappetitliche Dreckbrühe mehr in die Ostsee gelangen. Das ist gut so. Jeder Fortschritt im Kampf gegen die Todeszonen ist wichtig“, freut sich der Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund, Jochen Lamp. Nach Angaben des schwedischen Meteorologischen Instituts hat die Ausbreitung sauerstoffarmer Gebiete in der Ostsee ein Rekordniveau erreicht. 70.0000 Quadratkilometer Meeresboden sind dauerhaft betroffen.

 

Zudem soll die Ostsee in das IMO-Programm für emissionsarme Meeresregionen aufgenommen werden. Das Programm schreibt ab 2016 Dieselfilter bei Schiffsneubauten vor, die die Stickstoffemissionen um 80 Prozent verringern. Einen entsprechenden Antrag wollen die Ostseeländer 2010 bei der IMO einreichen. Langfristig könnten so die Stickstoff-Einträge in die Ostsee um zwölf Prozent gesenkt werden, rechnet der WWF vor. Die Ostsee wäre die erste IMO-Region, in der die neuen Abgasregeln gelten.

 

Die massiven Nährstoffeinträge sind das größte Umweltproblem der Ostsee. Das Ostseewasser enthält heute acht Mal mehr Phosphor und vier Mal mehr Stickstoff als um 1900. Jährlich kommen etwa 35.000 Tonnen Phosphor und über eine Millionen Tonnen Stickstoff hinzu. Etwa 90 Prozent des Phosphors stammen aus der Landwirtschaft. Bei Stickstoff sind es über 50 Prozent. „Trotz der erfreulichen Initiativen sind die Staaten noch weit davon entfernt, ihr selbst gestecktes Ziel einer sauberen Ostsee bis 2020 zu erreichen“, mahnt WWF-Experte Lamp. Die jüngsten Initiativen für eine saubere Ostsee hatten die Staaten im Rahmen des HELCOM-Abkommens in der vergangenen Woche in St. Petersburg vereinbart  und in dieser Woche veröffentlicht. Der WWF will die Anträge aktiv unterstützen.

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