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Ostsee: Ölvogel-Drama weitet sich aus

08. Februar 2006

 

An der Küste Estlands werden nach Angaben des WWF immer mehr verölte Vögel angeschwemmt. Sie sind Opfer eines bislang ungeklärten Vorfalls, bei dem letzte Woche Dienstag 20 Tonnen Öl in die Ostsee eingeleitet wurden. Dadurch wurde ein Küstenstrich von 35 Kilometer Länge verschmutzt. Vogelexperten rechnen mit bis zu 35.000 gefiederten Opfern der Ölpest. Freiwillige Helfer haben bislang 3.000 tote Seevögel geborgen Das extrem frostige Wetter erschwert die Aufräumarbeiten.

 

Nur sehr wenige der lebend geborgenen Möwen, Schwäne und Schellenten haben nach Aussage des WWF eine Überlebenschance. Auch Seeadler sind in Gefahr, wenn sie verölte Vögel fressen. Helfer haben saubere Fische als alternatives Nahrungsangebot ausgelegt.

 

 

 

WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp kritisiert: 'Die Behörden haben den Vorfall zu lange unterschätzt. Die Säuberungsarbeiten wurden zu spät begonnen. Es fehlt an geeigneter Ausrüstung, um die Katastrophe einzudämmen. Der Unfall zeigt erneut, dass die Folgen einer Ölverschmutzung gerade im Winter dramatisch sein können. Wir brauchen schärfste Vorsorgemaßnahmen für die Schifffahrt, um solche Dramen zu vermeiden.'

 

 

 

Dem bisher größten Ölunfall in der Ostsee, der Havarie der Baltic Carrier, waren 2001 schätzungsweise 20.000 Vögel zum Opfer gefallen. Damals gelangten 1.700 Tonnen Öl in die Ostsee. Der WWF erneuerte seine Forderung nach einem länderübergreifenden Aktionsplan zur Vorbeugung und Bekämpfung von Ölverseuchungen. Weitere Vorsorgemaßnahmen seien vor allem für die viel befahrenen Wasserstraßen-zu der auch die Kadetrinne vor der deutschen Küste zählt-erforderlich.

 

Die Regierung Estlands sieht nur geringe Chancen, den Verursacher der Ölpest zu fassen. Zum fraglichen Zeitpunkt passierten etwa 100 Schiffe den Finnischen Meerbusen.

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