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Piraten-Sushi und Müll-Scholle

27. September 2006

WWF-Studie deckt die ökologischen Kosten beliebter Fischgerichte auf

 

Hamburg, 27. September 2006: Dem schmackhaften Fisch auf dem Teller sieht man die oftmals katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen nicht an, die sein Fang hinterlässt. Eine neue WWF-Studie serviert schonungslos den unappetitlichen Hintergrund beliebter europäischer Fischgerichte. WWF-Meeresexpertin Heike Vesper folgert aus dem Report: „Wer ohne Reue genießen will, muss nachhaltig gefangenen Fisch essen.“ Das blaue Ökosiegel des MSC („Marine Stewardship Council“) garantiere dem Verbraucher eine schonende Fischerei. Zugleich fordert der WWF die Europäische Union auf, die Plünderung der Meere zu stoppen.  

 

Der WWF listet in seiner Studie sechs Beispiele auf. So schätzen Verbraucher das weiße, schmackhafte Fleisch von Scholle und Seezunge. Doch sie entstammen größtenteils der schädlichsten europäischen Fischerei. Über 80 Prozent der Fänge werden wie Müll behandelt und einfach wieder ins Meer geworfen, weil die Tiere zu klein oder wertlos sind. Gegrillt oder gekocht – Gourmets genießen Schwertfisch-Steaks. Die Kehrseite: Allein bei der illegalen Treibnetzfischerei an den Küsten Marokkos sterben zwei Haie für jeden Schwertfisch, der auf dem europäischen Markt landet. Jahr für Jahr gehen so laut WWF 100.000 Haie zugrunde. Wer voll Vorfreude Scampi zerlegt, sollte bedenken, dass diese Tiere mit den berüchtigten Grundschleppnetzen gefangen werden. Diese Netze pflügen den Meeresboden um und zerstören den Lebensraum samt seiner Bewohner, zu denen Seesterne und Krebse zählen.  

 

Kabeljau ist in Deutschland ein traditioneller Speisefisch. Europaweit wird er als Grundlage des Fast-Food-Gerichts „Fish&Chips“ geschätzt. Dabei sind die Fangmengen im Nordostatlantik seit 1970 um über 80 Prozent gefallen. Der WWF fordert seit Jahren einen sofortigen Fangstopp und einen Wiederaufbauplan – zum Wohle der Bestände, der Fischer und der Konsumenten. „Geht es so weiter, wird die Kabeljau-Fischerei in weniger als 15 Jahren zusammenbrechen“, so der WWF. Das würde auch die deutsche Fischerei hart treffen. Mit 13.500 Tonnen pro Jahr ist Kabeljau der viertwichtigste Fangfisch in Deutschland. Beim Genuss von Tunfisch-Sushi und Sashmi, muss man damit rechnen, dass der Fisch aus illegalen Quellen kommt. So entstammt beispielsweise ein Drittel des teuren Roten Tunfisches der Piratenfischerei. Nach einer WWF-Studie spielt die EU-Flotte die unrühmliche Hauptrolle bei dieser Fischerei, die sich über Gesetze, Quoten und Kontrollen hinwegsetzt. Garnelen, Tintenfische und viele weitere Fischarten, die aus Westafrika nach Europa importiert werden, stammen hingegen aus ganz legalem Raubbau. Aber mit jedem dieser Fische vergrößert Europa die Not der verarmenden afrikanischen Fischer.    

 

„Hätten beliebte Fischgerichte Namen, die die unappetitlichen Hintergründe aufdecken, so müssten wir von Müll-Scholle, Todes-Schwertfisch, Bulldozer-Scampi, Piraten-Sushi, dem Good-Bye-Kabeljau und der gemischten Armuts-Platte reden“, so WWF-Expertin Vesper. Um die Ausbeutung der Meere zu stoppen, müsse die EU die Subventionen für ihre überdimensionierte Fangflotte streichen, realistische Fangquoten festlegen und die Fischbestände nachhaltig bewirtschaften.

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