26.04.2004, Meere & Küsten
Den Muscheln geht es mies
WWF fordert nachhaltige Miesmuschelfischerei im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Muschelbänke sind eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage für Millionen von Vögeln
Bremen, 26.04.2004: Wie das niederländische Landwirtschaftsministerium in einer aktuellen Studie herausfand, werden 'jährlich im Durchschnitt drei Millionen Kilogramm Jungmuscheln für die niederländische Miesmuschelkultur aus Deutschland importiert'. Diese Information ist nach Einschätzung des WWF Deutschland besonders brisant, da derzeit an der niedersächsischen Wattenmeerküste hart um einen neuen Bewirtschaftungsplan für Miesmuscheln gerungen wird. 'Die Miesmuschelbänke im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sind deutlich zurückgegangen und weiter bedroht', sagt Uwe Johannsen, Wattenmeerexperte des WWF. Die Umweltschützer erwarten in Kürze die Veröffentlichung eines neuen Monitoringberichts der Nationalparkverwaltung über die Bestandsentwicklung der Miesmuscheln.
Der Entwurf des Monitoringberichts, der dem WWF bereits vorliegt, zeigt, dass der Miesmuschelbestand auf geschützten Muschelbänken deutlich weniger stark zurückgeht als in anderen Gebieten. Uwe Johannsen: 'Der Bericht belegt, dass die Muschelbänke im Nationalpark durch die Fischerei geschädigt werden. Die Miesmuschelbestände werden dort zu stark genutzt, deshalb können wir den Export von Jungmuscheln keinesfalls zulassen.' Johannsen vermutet, dass trotz jahrelanger Warnungen von Umweltschützern immer noch mehr gefischt wird, als die einheimischen Muschelfischer auf ihren Kulturen ausbringen können. Angesichts der aktuellen niederländischen Studie verlangt der WWF deshalb vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium umgehend Informationen darüber, ob und in welchem Ausmaß Jungmuscheln aus dem niedersächsischen Wattenmeer exportiert werden. Aus den amtlichen Fischereistatistiken sei dies nicht ersichtlich. Auch die Nationalparkverwaltung habe auf Anfrage des WWF keine Auskunft darüber geben können.
Wohin eine zu intensive Miesmuschelfischerei führt, könne man nach Ansicht des WWF sehr gut aus dem niederländischen Bericht ablesen: Im niederländischen Wattenmeer waren die trocken fallenden Muschelbänke Anfang der 90er Jahre durch die Überfischung nahezu verschwunden. Erst seit der Sperrung für die Fischerei erholen sich die Bestände langsam wieder. Miesmuscheln haben eine wichtige Funktion für das ökologische Gleichgewicht im Wattenmeer: Sie nehmen ihre Nahrung aus den Trübstoffen des Wassers auf, das sie dadurch zugleich reinigen. Muschelbänke bieten zahlreichen anderen Organismen einen geschützten Lebensraum und sind eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage für Millionen von Vögeln, die im Wattenmeer leben oder hier Station machen. Für den neuen Bewirtschaftungsplan im Niedersächsischen Wattenmeer fordert der WWF eine weitere Beschränkung der Fischerei, damit die stabilen Muschelbänke nicht weiter zerstört werden. In der Ruhezone des Nationalparks müsse die Miesmuschelfischerei komplett eingestellt werden. 'Wir müssen den Muschelbänken im Wattenmeer die Möglichkeit geben, sich möglichst natürlich zu entwickeln. Nur so können wir die Bestände erhalten, was auch im Interesse einer vorausschauenden Fischereipolitik liegen sollte', sagt Johannsen.
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