30.07.2002, Meere & Küsten

Der Tod wartet im Watt

WWF: Seehundstaupe erfasst auch das deutsche Wattenmeer

Bremen, 30.7.02: Mehr als 2.300 Seehunde sind der seit Anfang Mai grassierenden Seehundstaupe PDV (Phocine Distemper Virus) in Nord- und Ostsee bereits zum Opfer gefallen-und es werden immer mehr. Nun hat die Krankheit auch das deutsche Wattenmeer erreicht. Die Bezirksregierung Weser-Ems bestätigte, dass die ersten fünf Tiere mit eindeutigen Symptomen der Seehundstaupe im Niedersächsischen Wattenmeer gefunden wurden. Ein endgültiger Nachweis von PDV durch die Ergebnisse virologischer Untersuchungen steht noch aus und wird für Mitte dieser Woche erwartet. In den Proben eines vor einer Woche verendeten Seehundes wurde PDV bereits nachgewiesen. Begonnen hatte das Robbensterben im Mai im dänischen-schwedischen Kattegatt. Auch im niederländischen Wattenmeer sind infizierte Seehunde gefunden worden.Annette Bauermann, Wattenmeer-Expertin des WWF, ist besorgt: "Muttertiere können dem Staupevirus erliegen, und der gerade geborene Nachwuchs wird völlig schutzlos zurückbleiben.' Eine Ursache dafür, dass das Virus so viele Opfer gefunden hat, könnte eine Immunschwäche der Tiere durch Schadstoffbelastung sein: Schwermetalle und organische Schadstoffe wie PCBs, TBT und bromierte Flammschutzmittel, die über die Nahrungskette hinweg auch in die Meeressäuger gelangen, können zur Schwächung der Immunabwehr und zu Hormonstörungen führen. Eine Impfung der Tiere sei zwar theoretisch möglich, jedoch in der Praxis nicht durchführbar. Da das Serum mit einer Spritze injiziert wird, müsste man die Tiere zunächst einfangen. 'Es ist unmöglich, die ganze Population zu immunisieren, da nur wenige Tiere gefangen werden können, bevor die übrigen wieder sehr scheu werden und sich nicht mehr einfangen lassen ', so Bauermann. Um die Tiere wenigstens vor anderen Gefahren zu schützen, bittet Annette Bauermann gerade jetzt um größtmögliche Rücksichtnahme. Das bedeutet vor allem, die Tiere nicht durch Lärm zu erschrecken. 1988 verendeten im Wattenmeer mehr als 8.600 Tiere durch die bis dahin unbekannte Seehundstaupe-das waren etwa 60 Prozent des damaligen Bestands. Auch damals begann die Seuche im dänisch-schwedischen Kattegatt und Skagerrak und griff innerhalb von wenigen Wochen auf das Wattenmeer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, den Niederlanden sowie auf die britischen Inseln über. In Nord- und Ostsee zusammen forderte die Seuche 18.000 Opfer. Heute leben im hier wieder über 20.000 Seehunde.



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Kontakt

Annette Bauermann
WWF Deutschland
Tel.: 0421/65846-21 oder 0151/14742447

Gabriele Kranz
WWF Deutschland
Tel.: 0421-65846-18