13.10.2004, Meere & Küsten
Korallen der Azoren vorerst gerettet
Umweltschutzorganisation, begrüßt EU-Entscheidung

Bremen, 13.10.2004: Wie erst heute bekannt wurde, hat der Europäische Rat bereits am Montag beschlossen, die Kaltwasserkorallen rund um die Azoren, die Kanaren und Madeira unter einstweiligen Schutz zu stellen, bis, voraussichtlich Ende 2004, langfristige Schutzbestimmungen in Kraft treten können. Die Entscheidung beinhaltet, dass ab sofort keinerlei zerstörerische Bodenschleppnetze für den Fischfang in den sensiblen und ökologisch wertvollen Korallenriffgebieten eingesetzt werden dürfen.
'WWF hat sich in intensiver Lobbyarbeit für diese EU-Entscheidung eingesetzt. Wir sind nun natürlich stolz und erleichtert, dass diese prächtige Unterwasserwelt mit ihrem Fischreichtum erhalten bleibt. Das ist die EU nicht nur sich selbst und den nachfolgenden Generationen schuldig, sondern auch den
azorianischen Fischern, die seit jeher mit kleinen Booten und selbstverständlich ohne Bodenschleppnetze schonend und rücksichtsvoll gearbeitet haben, sagt Stephan Lutter, WWF-Experte für Internationalen Meeresschutz.
Die Kaltwasserkorallenriffe rund um die Azoren, die Kanaren und Madeira waren seit dem 1.8.2004 in Gefahr geraten, binnen weniger Monate komplett überfischt und durch schwere Bodenschleppnetze dem Meeresboden gleich gemacht zu werden. Ursache hierfür war die Entscheidung der EU- Kommission gewesen, der EU-Fischereiflotte den Zugang in das Areal zwischen 100 und 200 Seemeilen rund um das jeweilige Hoheitsgebiet zu gestatten.
In 3000 Metern Tiefe rund um die Azoren befinden sich neben Kaltwasserkorallenriffen auch Seeberge und Schwarze Raucher. Diese Formationen sind für das Weltnaturerbe nominiert, weil sie in europäischen Gewässern selten vorkommen. Sie beherbergen vielfältige Organismen und sind durch intensive Fischereipraktiken wie Bodenschleppnetzfischerei besonders gefährdet. Die kommerziell nutzbaren Tiefseefischarten dieser Region sind langlebig und vermehren sich daher erst in fortgeschrittenem Alter. Dies macht sie besonders anfällig für Überfischung.
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