15.12.2003, Artenschutz
Mehr Elfenbein als Elefanten
WWF: In Westafrika blüht der illegale Handel mit Elfenbein

Frankfurt, 15.12.2003: TRAFFIC, das gemeinsame Artenschutzprogramm von WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN, warnt mit einem heute veröffentlichten Bericht vor dem weiterhin blühenden Elfenbeinhandel in Westafrika. Bei Inspektionen auf öffentlichen Märkten in Nigeria, in der Elfenbeinküste und im Senegal, fanden Artenschützer insgesamt mehr als 4.000 Kilogramm Elfenbein-eine Menge, die etwa 760 Elefanten entspricht. 'Auf den Märkten fand man mehr Elfenbein als es in den drei Ländern Elefanten gibt', schildert Roland Melisch, Artenschutzexperte des WWF, die Dimensionen des Elfenbeinhandels. In den drei untersuchten Ländern zusammen leben nach neuesten Schätzungen der IUCN nur noch 543 Elefanten. Die Stichprobe zeige, dass der illegale Handel mit dem 'weißen Gold' in den drei Staaten Blüten treibt und die Länder ihre Verantwortung zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Elefanten in West- und Zentralafrika nicht ernst nehmen.
'Dieser Elfenbeinfund zeigt uns nur die Spitze des Eisbergs. Wenn außer den Märkten auch noch Elfenbeinschnitzereien, Geschäfte und Privaträume untersucht worden wären, hätten wir wahrscheinlich weitere riesige Mengen Elfenbein gefunden', befürchtet Roland Melisch. Senegal, Nigeria und die Elfenbeinküste gehören zu den größten illegalen Händlern von Elfenbein auf der ganzen Welt. Laut WWF zählen die dortigen Schwarzmärkte für Elfenbein zu den Hauptverursachern der Elefanten-Wilderei in den zentralafrikanischen Staaten Kamerun, Demokratische Republik Kongo, Gabun und Zentralafrikanische Republik. Die Schwarzmarktpreise sind unterschiedlich: In der Elfenbeinküste wird ein Kilogramm Elfenbein für rund 115 US-Dollar gehandelt, im Senegal für etwa 139 US-Dollar, in Nigeria erhält man die gleiche Menge bereits für 30 US-Dollar. Zu den Hauptkäufern gehören Touristen und Geschäftsleute aus Italien, Frankreich, den USA, China und Korea.
Die Wilderei für Fleisch und der illegale Elfenbeinhandel sind neben dem Verlust des Lebensraums durch die Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen die größten Bedrohungen für die Elefanten West- und Zentralafrikas. In den 1970er und 80er Jahren gingen die Bestände auf dem ganzen afrikanischen Kontinent von etwa 1,3 Millionen auf weniger als 400.000 Tiere zurück. Mittlerweile leben dank umfangreicher Schutzprogramme in Afrika wieder etwa 660.000 Elefanten, knapp die Hälfte davon im Süden. In Westafrika sind die Elefanten am stärksten gefährdet-dort gibt es nach Angaben von TRAFFIC nur noch höchstens 13.200 Tiere. 1989 wurde der internationale Elfenbeinhandel komplett verboten. Streng kontrollierte Ausnahmen gibt es lediglich für Elfenbein aus legalen Quellen der starken Elefantenbestände des südlichen Afrikas- zum Beispiel von Tieren, die nicht gewildert wurden, sondern eines natürlichen Todes starben. Die Erlöse fließen in Naturschutzprojekte in den betreffenden Ländern. Seit Jahrtausenden ist Elfenbein als Rohstoff für kunstvolle Schnitzereien, Skulpturen, Einlegearbeiten und luxuriöse Gebrauchsgegenstände begehrt. Stoßzähne von afrikanischen Elefantenbullen können zwei bis drei Meter lang werden. Sie bestehen zum größten Teil aus Dentin, das auch Hauptbestandteil des menschlichen Zahns ist.
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