15.12.2005, Artenschutz

Wale in den Tank

WWF kritisiert Shell-freundliche Entscheidung der Europäischen Entwicklungsbank

Westpazifischer Grauwal

Frankfurt a. M., 15.12.2005: Der WWF kritisiert, dass die Europäische Entwicklungsbank (EBWE) das umstrittene Shell-Ölprojekt Sachalin II gestern als nahezu umsetzungsreif anerkannt hat. Damit geht die Bank weiter in Richtung Kreditvergabe, obwohl aktuelle Studien belegen, dass der Ölkonzern bei der Erschließung von Öl- und Gasvorkommen vor der russischen Insel Sachalin gegen internationale Sozial- und Umweltstandards verstößt. 'Der Bau einer zweiten Plattform vor dem Naturparadies Sachalin bedroht die letzten hundert Westpazifischen Grauwale', sagt WWF-Experte Volker Homes. 'Schon die erste Plattform hat den Druck auf die Tiere enorm verstärkt.' Sachalin II ist mit 20 Milliarden US-Dollar Investitionsvolumen das teuerste Öl- und Gasprojekt der Welt.

 

Zwar muss Shell in den kommenden 120 Tagen nachweisen, dass es alle Umwelt- und Sozialstandards der Bank erfüllt. '120 Tage sind aber eine viel zu kurze Zeit, um nach Projektalternativen für die vom Aussterben bedrohten Grauwale zu suchen', sagt Homes. 'Wird Sachalin II verwirklicht, packen sich die Autofahrer künftig nicht den Tiger, sondern Wale in den Tank.'

 

Shell schafft vor Ort Tatsachen. Der Lärm beim Bau des Sockels der zweiten Bohrplattform im Sommer 2005 vertreibt die Wale aus ihren einzigen Nahrungsgründen. Dies belegt eine gestern von WWF und Internationalem Tierschutzfond (IFAW) veröffentlichte und der Entwicklungsbank vorab bekannte Studie. 'Das lässt für das Überleben der Wale nichts Gutes verheißen', sagt Homes. Der WWF sieht in Sachalin II einen Prüfstein für die freiwillige Verpflichtung internationaler Banken, an Großkredite soziale und ökologische Forderungen zu knüpfen. 'Jede Bank sollte sehr genau überlegen, bevor sie in Shells Sachalin-Projekt einsteigt', sagt Homes.

 

Seit 1998 werden die Öl- und Gasvorkommen vor Sachalin ausgebeutet. Vor allem die Lärmbelastung durch Bautätigkeiten und Ölbohrungen sowie auslaufendes Öl gefährden Tiere und Pflanzen. Der WWF fordert, dass Shell seine Arbeiten auf Sachalin unterbricht und eine unabhängige Umweltverträglichkeitsüberprüfung durchführen lässt. Außerdem soll Shell die Verantwortung für die bereits entstandenen Schäden übernehmen und einen Notfallplan für auslaufendes Öl präsentieren, der internationalen Standards entspricht. Zudem setzt sich der WWF für die Einrichtung eines Wal-Schutzgebiets im Norden Sachalins ein.



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Kontakt

Volker Homes
WWF Artenschutz
Tel.: 069/7 91 44-214 homes@wwf.de

Astrid Deilmann
Pressestelle WWF
Tel.: 069/7 91 44-214
deilmann@wwf.de