17.12.2003, Meere & Küsten, Klimaschutz
WWF lehnt Entscheidung für Offshore-Windpark Nordergründe ab
WWF: Windanlagen am Nationalpark beeinträchtigen Vögel massiv

Bremen, 17.12.2003: Heute wurde von der Bezirksregierung Lüneburg die landesplanerische Feststellung für den Offshore-Windpark Nordergründe erteilt. Damit sind 25 Anlagen in der Außenweser quasi genehmigt. 'Aus Sicht des Naturschutzes ist dieser Standort untragbar', so Siecke Martin vom WWF. Das Projektgebiet hat eine extrem hohe Bedeutung für rastende und ziehende Vögel. Der Windpark Nordergründe würde eine massive Barriere für den internationalen Vogelzug darstellen. Voruntersuchungen haben ergeben, dass innerhalb einen Jahres fast eine Million Vögel allein in der Höhe der Rotoren hier entlangziehen. Die Vögel können bei schlechter Sicht und widrigen Windverhältnissen mit den Anlagen kollidieren und sterben.
Der Windpark liegt in einem Gebiet, das als Nahrungs-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Stern- und Prachttaucher von internationaler Bedeutung ist. Auch Eider- und Trauerenten kommen in großer Anzahl vor. Das Gebiet ist daher als IBA, important bird area, identifiziert worden. Drehen sich hier Rotoren, wird das Gebiet inklusive einer Pufferzone von weit mehr als einem Kilometer von diesen Arten gemieden.
Aber auch der regionale Vogelzug ist nicht zu unterschätzen, der Windpark zerschneidet die ökologische Verbindung zwischen Nahrungsräumen, Brutplätzen und Rastgebieten. Die Brandseeschwalbe beispielsweise brütet in der Nähe des Windparks auf Wangerooge. Sachverständige gehen von einer hohen Störempfindlichkeit dieser gefährdeten Art aus, die weite Areale zur Nahrungssuche beansprucht.
Der WWF befürwortet grundsätzlich einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie. Nordergründe gehört aber aus ökologischer Sicht zu den denkbar schlechtesten Standorten. Mit dieser Entscheidung hat sich die Bezirksregierung über alle ökologischen Bedenken -auch der landeseigenen Fachbehörde, des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie (NLÖ) -hinweggesetzt. Hiermit wird ein katastrophales Signal für die weitere Entwicklung der Offshore-Windenergie gesetzt. Die Chance, Windenergie naturverträglich zu entwickeln, wurde hier vertan.
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