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"Rasterfahndung" für Holz steht

24. April 2007

WWF und DBU: Holz-Herkunft aus den Ländern des illegalen Holzeinschlags ist nachweisbar.

 

Zum Tag des Baumes am 25. April:

 

Frankfurt - Zusammen mit der Firma Agroisolab und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat die Umweltstiftung WWF eine Datenbank verschiedener Holzproben erstellt, die erstmals Rückschlüsse darauf ermöglicht, aus welchem Herkunftsland das Holz stammt. Die ersten Erfolge der neuen Methode teilen WWF und DBU heute zum Tag des Baumes am 25. April mit. Die Analysemethode soll dazu beitragen, den Handel mit illegalem Holz aufzudecken und damit langfristig zu verhindern. Zurzeit sind mehrere hundert Probenstandorte erfasst. Die Forscher können anhand der Isotopenzusammensetzung wie bei einer Art Rasterfahndung zum Beispiel darauf schließen, ob ein Stück Holz aus Deutschland, aus Schweden oder aus Russland stammt. Da vor allem in Russland riesige Waldflächen dem illegalen Holzeinschlag zum Opfer fallen, ist ein entsprechender Nachweis ein wichtiges Indiz, wenn man die Machenschaften der russischen Holzmafia aufdecken möchte.  

 

Johannes Zahnen, WWF-Waldexperte: „Bislang wird bei der Deklaration des Holzes kräftig geschummelt, sodass auch in unseren Baumärkten und Geschäften Holz aus dubiosen Quellen landet. Wenn wir beweisen können, woher das Holz kommt, sind die Importeure endlich zu sauberen Nachweisen gezwungen und lassen deshalb hoffentlich die Finger von der Hehlerware.“  

 

Die Umweltschützer sind auf die neue Methode angewiesen, die voraussichtlich ab Anfang 2008 in ersten Regionen einsatzbereit sein wird, da gesetzlichen Vorgaben in Deutschland bislang versäumt wurden. Ein geplantes Urwaldschutzgesetz, das den Handel mit illegalen Hölzern in Deutschland unter Strafe stellen sollte, wurde beispielsweise erst  im Herbst 2006 auf Druck von Lobbygruppen gekippt.  

 

Bereits heute sind nach Angaben des WWF 80 Prozent der einstigen Waldfläche der Erde für immer verloren. Eine der Ursachen ist der illegale, sprich: gesetzlich verbotene, Handel mit Holz aus Amazonien, Zentralafrika, Südostasien und Russland. Der WWF schätzt, dass weit mehr als die Hälfte des in Deutschland erhältlichen Tropenholzes aus illegalen Quellen stammt. Laut WWF gelangt jedes Jahr allein aus Indonesien illegales Holz im Wert von 150 Millionen Euro nach Deutschland. Die illegalen Machenschaften umfassen Ernte, Transport, Einkauf und Verkauf von Holz, wenn dabei gegen nationale oder internationale Gesetze verstoßen wird – zum Beispiel indem geschützte Baumarten gefällt, Landrechte verletzt, die Nutzungsrechte am Wald durch korruptes Vorgehen erschlichen oder Zolldokumente gefälscht werden, die Ernte unerlaubt in Schutzgebieten stattfindet und mehr Holz geerntet wird als offiziell erlaubt ist.

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