Wer die Amazonasregenwälder rettet, schützt das Klima!

Der tropische Regenwald Amazoniens, der größte der Welt, ist ein wichtiger Motor im großen Getriebe des Weltklimas – neben zum Beispiel den großen Meeresströmungen, den polaren Eismassen, dem El Nino Phänomen und dem Ozonloch. Viele Wissenschaftler glauben, dass sein Rückgang das Weltklima erheblich beeinflussen könnte.

Der Amazonas-Regenwald erfüllt im Bezug auf das Weltklima zwei wichtige Funktionen: Erstens ist er ein mächtiger Speicher für organischen Kohlenstoff, der in der riesigen Pflanzenmasse des tropischen Regenwaldes gebunden ist. Das Gesamtgewicht der Pflanzen auf einem Hektar (100 mal 100 Meter) kann über 1.000 Tonnen betragen. Bei Zerstörung der Pflanzenmasse durch Abholzung, Waldbrände und Dürre entweicht Kohlenstoff und verbindet sich in der Luft mit Sauerstoff zu dem Treibhausgas CO2.
Zweitens funktioniert er wie eine riesige Klimaanlage. Die Hälfte der Sonnenergie, die auf den Wald einstrahlt, wird durch Verdunstung in riesige Mengen Wasserdampf umgewandelt. Die dadurch entstehenden Wolken versorgen den Wasserkreislauf des Regenwaldes und haben gleichzeitig einen kühlenden Effekt auf das Weltklima. Verschwindet der Wald, gehen auch die Niederschläge zurück.  

Zwei starke Stressfaktoren wirken zurzeit auf das Gleichgewicht des Amazonas-Regenwaldes ein: Zum einen der weltweite Temperaturanstieg, der in Amazonien zu ungewöhnlich langen Dürreperioden führt, zum anderen die massiven Eingriffe des Menschen in Form von Abholzung und Brandrodung. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem sich Austrocknung, vermehrte Waldbrände und verminderte Niederschläge gegenseitig bedingen. Ein großflächig vertrockneter, „verbuschter“ Regenwald würde kaum noch Wolken bilden und könnte die Niederschlagsmenge in weit entfernten Regionen negativ beeinflussen und damit die globalen Klimastörungen beschleunigen. Wenn – wie in der WWF Studie vorausgesagt – bis zum Jahr 2030 in Amazonien 55 Prozent des Regenwaldes vernichtet oder stark geschädigt wären, würden bis dahin zusätzliche 15 bis 26 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben – das entspräche der Menge, die derzeit innerhalb von 1,5 bis 2,6 Jahren weltweit durch den Menschen in die Atmosphäre gelangt.  

Die Veränderungen im regionalen und globalen Klimakreislauf könnten am Amazonas zu etwa 20 Prozent weniger Regen führen. Damit wäre der enorme Abfluss in den Atlantik aus den Flüssen Amazoniens gefährdet, was wiederum Meeresströmungen verändern könnte– mit unberechenbaren Auswirkungen auf das globale Klima. Eine Veränderung der Niederschlagsmenge wird nicht nur in Amazonien, sondern in Regionen der ganzen Welt zu spüren sein. Einige wissenschaftliche Prognosen lassen darauf schließen, dass die Niederschlagsmenge in Mittelamerika sowie während der Vegetationszeit in den Korngürteln Brasiliens und der USA zurückgehen würde.  

Die Amazonaswälder müssen daher auch erhalten werden, um das Weltklima zu stabilisieren! Wenn alle an einem Strang ziehen, gibt es noch Hoffnung. Der WWF kämpft dafür, dass nicht nur die Emissionen aus der Industrie reduziert werden, sondern auch die Emissionen aus Entwaldungen in die internationale Klimadiskussion einbezogen werden. Der Schutz der tropischen Wälder durch die Ausweisung von Naturschutzgebieten, nachhaltige Waldwirtschaft oder Wiederaufforstung bedeutet auch einen direkten Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen und damit zum Klimaschutz.