Die Vernichtungsmaschine

Die Kettenreaktion der Regenwaldzerstörung

Regenwald wird abgebrannt, um Platz für Rinderweiden zu schaffen. © Mauri Rautkari / WWF-Canon
Regenwald wird abgebrannt, um Platz für Rinderweiden zu schaffen. © Mauri Rautkari / WWF-Canon

Die Zerstörung der Amazonas-Regenwälder hat eine erschreckende Effizienz erreicht: Um einen lebendigen Regenwald in der Größe eines Fußballfeldes in eine tote Wüste zu verwandeln, braucht eine perfektionierte Maschinerie nur wenige Sekunden. Denn pro Minute gehen mindestens 4,5 Fußballfelder Regenwald verloren. In der Zeit, in der Sie diesen Text gelesen haben, ist es wieder mindestens ein Feld weniger.

Diese Zerstörungsmaschinerie wälzt sich in einer breiten Front von Süden und Südosten aus über Amazonien. Wie Speerspitzen schlagen zunächst Straßen, Pipelines und Staudämme tiefe Wunden in den Regenwald. Damit ist der Weg frei für die Holzfäller. Rechts und links der Straße dringen sie in den Regenwald ein und fällen die wertvollsten Baumarten. Die kreischenden Motorsägen schneiden Löcher in die dicht vernetzte Vegetation des Waldes. Durch das Loch im Blätterdach trocknen Sonnenstrahlen anschließend das Unterholz aus, so dass es einem Feuer idealen Nährboden bietet. Bietet der Wald keine gewinnbringenden Bäume mehr, kommen die Flammen. Von einem Feuerzeug springen sie auf das benzingetränkte Unterholz und fressen sich durch den noch verbliebenen Wald.

Kaum sind die Feuer erloschen, werden die Flächen schon von den riesigen Rinderherden gestürmt. Denn ihre alten Weiden sind abgegrast. Diese wiederum werden von der Agrarindustrie mit ihren Hauptprodukten Soja, Mais und Zuckerrohr belegt, da sie immer mehr Fläche dafür brauchen.

Vor allem in Brasilien heizen Landrechtsprobleme diese verheerende Vernichtungsdynamik noch an. Da keine genauen Vermessungsdaten vorliegen, gibt es kein Grundbuch, das den Besitz der Regenwaldflächen regelt. Was legal oder illegal ist, bleibt oft der Interpretation der Behörden überlassen.