Unbekannte Amazonas-Wildnis
Wissenschaftler auf Expedition im Juruena Nationalpark 12.11.07 bis 1.12.07
Das satte Grün des Regenwaldes sieht so gar nicht nach einem weißen Fleck auf der Landkarte aus. Doch die Regenwälder im Juruena Nationalpark sind für Wissenschaftler unbekanntes Neuland. Bislang gab es nur vereinzelte Informationen aus diesem Teil des Amazonas Regenwaldes, der 2006 zum viertgrößten Nationalpark Brasiliens erklärt wurde. Jetzt wollen Wissenschaftler auf einer Expedition mehr als zwei Wochen im südlichen Teil Informationen sammeln, um die weißen Flecken mit Farbtupfern für Pflanzen, Bäume und Tiere versehen zu können.
„Die Erwartungen an die Expedition sind sehr hoch, da wir sehr wahrscheinlich bislang unbekannte Arten zu Gesicht bekommen“, berichtet Marcos Pinheiro, WWF-Projektleiter in der Juruena Region. Seit der Ausweisung des Nationalparks unterstützt der WWF die Parkverwaltung u.a. bei der Entwicklung eines Management-Plans für den Nationalpark. Dazu müssen Wissenschaftler erstmals eine „Bestandsaufnahme“ der Pflanzen und Tiere in dem Nationalpark durchführen:
Eine Expedition ins Unbekannte
Am 12. November 2007 startete die Expedition, die vom WWF, dem Instituto Centro de Vida (ICV) und dem Chico Mendes Institute for Biodiversity Preservation (ICMBio) zusammen gestellt wurde. Nach einem letzten Aufröhren der Transporter verschwindet die Expeditionsgemeinschaft im dichten Regenwald. Die Trucks mussten sich erst noch 407 Kilometer über eine Matschpiste kämpfen, bevor die Teilnehmer auf den Booten den Rio Juruena hinauf fahren konnten.
Das Team aus 16 Wissenschaftler balancierte auf zwei Motorbooten eine ganze Karawane über die Stromschnellen: 22 Zelte, Moskitonetze, Mikroskope, mobile Labore und etliche Computer. Die Experten für Fische, Vögel, Pflanzen, Amphibien und Reptilien haben 14 Tage lang meist im tiefsten Dschungel nach Neuheiten der Tier- und Pflanzenwelt gesucht. In der Nähe der fantastischen Salto Augusto Wasserfälle bauten sie ihr Basiscamp auf. Von dort brachen die Wissenschaftler auf zu ihren Entdeckungsreisen in den Urwald.
Die Expedition war äußerst mühsam und in der tropischen Hitze sehr schweißtreibend. Die Wissenschaftler arbeiteten fieberhaft, um möglichst viele Informationen in der kurzen Zeit sammeln zu können. Sie sammelten Blätter und Blüten und fotografierten jedes Tiere, das sich vor die Kamera traute. Vorerst wurden Proben von Pflanzen mit Abbildungen in Büchern verglichen oder nach übereinstimmenden Merkmalen kategorisiert, bevor sie später in den heimischen Labors exakt bestimmt werden können. Doch vor Ort ging es in erster Linie darum, möglichst viele Informationen zu sammeln.
Von der Expedition zurückgekehrt berichtet der Leiter der Expedition Gustavo Irgang zufrieden:„Wir konnten Hunderte Pflanzen- und Tierarten bestimmen, einige von ihnen sind sehr selten und haben eine enorme ökologische Bedeutung. Außerdem haben die Wissenschaftler Arten entdeckt, die sehr wahrscheinlich noch unbekannt sind“. Mit Sicherheit lassen sich die Entdeckungen der Wissenschaftler jedoch erst bestätigen, wenn ihre Aufzeichnungen von Spezialisten in internationalen Labors verglichen und bestätigt werden.


