Dem Tiger auf der Spur

- Vermessen einer Tigerspur. © Martin Harvey / WWF-Canon
Etwa 450 bis 500 Amur-Tiger sollen noch in Russlands fernem Osten leben. Aber woher wissen wir das? Einen Tiger zu finden, ist mindestens genauso schwer wie einen Wilderer aufzuspüren. "Tiger zählst du nicht wie Schafe auf der Weide," sagt Pavel Fomenko vom WWF, der alle paar Jahre auch "seine" Tiger zählen muss. "Sie verstecken sich, schlagen immer neue Pfade ein und wissen genau, wo es ihnen gefährlich werden könnte. Die Amur-Tiger zu zählen, ist reinste Detektivarbeit: Suchgebiet festlegen, suchen und dann – das Wichtigste – richtig kombinieren!"
Und vorsichtig sein. Denn die Tiger können Menschen ganz schön gefährlich werden, wenn sie sich belästigt fühlen. Ein ausgewachsenes Amur-Tiger-Männchen ist bis zu 300 Kilogramm schwer. Und, wenn es sich mal auf die Hintertatzen stellt, auch noch über drei Meter groß.
Alle zehn Jahre werden im russischen fernen Osten Tigerzählungen von den russischen Behörden unter Beteiligung verschiedener Naturschutzorganisationen – darunter dem WWF – durchgeführt. Bei der letzten Zählung im Winter 2004/2005 wurden mit 655 Helfern fast 700 Zählgebiete durchsucht. Die Gebiete waren zwischen 20.000 und 60.000 Hektar groß – je nach Art des Waldes, den Schneeverhältnissen, der Besiedlung und dem geschätzten Tigerbestand.
Tiger oder Tigerin?
Es wurden Tiger im gesamten Verbreitungsgebiet gezählt. Alle Tigerzähler bekamen ein Wald-Tagebuch und eine Landkarte. Sie registrierten genau, wo und welche Spuren die Amur-Tiger hinterließen. Abdrücke im Schnee, erlegte Wildtiere: Alles erzählt den Tiger-Detektiven etwas.
Sind zum Beispiel die Prankenabdrücke 8,5 bis 10 Zentimeter breit, dann ist wahrscheinlich ein Tigerweibchen unterwegs gewesen. Kleine Tatzenabdrücke daneben: die Jungen. Ist der Abdruck breiter als 10,5 Zentimeter, stammt sie von einem ausgewachsenes Tigermännchen.
Alle diese Daten werden gesammelt und mit den Zählungen der letzten zehn Jahre verglichen. Dann heißt es richtig kombinieren. Und so kamen Forscher zuletzt auf rund 450 bis 500 Tiere. Es kann sein, dass es sogar weniger sind, wenn einige Tiere doppelt gezählt wurden. Denn ein "Amurtigerprankenabdruckregister" gibt es leider noch nicht.

Tiger im Arten A-Z 
