© Frank Mörschel / WWF
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Naturschutzgebiete in der Amur-Region

Vernetzung ist das weitere Ziel

Die Zerstörung der artenreichen Wildnis durch menschliche Einflüsse – wie die zunehmende Entwaldung der Region oder die Verschmutzung und Verbauung des Amur und seiner Nebenflüsse – gefährdet zusehends das Überleben vieler heimischer und zum Teil nur hier vorkommender Arten (Endemiten). Um die Artenvielfalt langfristig für nachkommende Generationen erhalten zu können, müssen Teile der Region dringend als Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Seit 1993 konnten auf Initiative des WWF bereits rund 4,5 Millionen Hektar der Amur-Region im russischen Teil unter Schutz gestellt werden. Damit erhöhte sich die Schutzgebietsfläche im russischen fernen Osten auf rund 12,02 Millionen Hektar, einer Fläche so groß wie Österreich und Tschechien zusammen. Weitere 0,5 Millionen Hektar stehen kurz vor der Ausweisung und rund fünf Millionen Hektar sollen bis 2012 dazukommen.

Funktionen

Nicht nur für den Amur-Tiger, den Amur-Leoparden und viele andere Tier- und Pflanzenarten sind Schutzgebiete in ihrem stark geschrumpften ursprünglichen Verbreitungsgebiet wichtige Refugien. In der Amur-Region befinden sich noch einmalige, vom Menschen unberührte Naturlandschaften. Dieses Naturerbe soll durch die Schutzgebietsausweisungen langfristig für zukünftige Generationen erhalten werden.

Schutzgebiete wie beispielsweise Nationalparks leisten einen wichtigen Beitrag zur Umweltaufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung und der vielen Besucher aus dem In- und Ausland. Zu diesem Zweck wurden mit Hilfe des WWF Informationszentren, Naturlehrpfade und Wanderwege eingerichtet sowie Parkpersonal für die Umweltbildung aus- und weitergebildet. Durch neue Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten, die durch den sanften Tourismus entstehen, profitieren auch die strukturschwachen Regionen.

Naturvölker, wie beispielsweise die ethnische Minderheit der Udegen im Norden der russischen Provinz Primorje, besiedeln und bewirtschaften die Wälder und Flüsse nach traditionellen Methoden wie der Rentierzucht, Jagd und dem Fischfang.

Die zunehmende Verschmutzung der Flüsse und die Vergabe von Forstkonzessionen an private Konzerne tragen erheblich zur Zerstörung der Natur bei und gefährden die Lebensgrundlage dieser ethnischen Minderheiten. Nur der Schutz dieser sensiblen Gebiete, beispielsweise durch die Ausweisung  spezieller Nutzungszonen für die Ureinwohner, kann den Raubbau verhindern und den Menschen auch zukünftig ihr Einkommen sichern helfen.

Die Fischerei ist aufgrund des außerordentlichen Fischreichtums der Amurregion mit über 120 Süßwasserarten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Störe, Lachse sowie deren Kaviar werden nicht nur auf den lokalen Märkten verkauft, sondern finden Absatz in Europa, Nordamerika und asiatischen Staaten.

Leider werden auch die Fischbestände des Amur zusehend überfischt, so dass bereits einige Arten in Teilen des Amur verschwunden sind. In Kombination mit der Festlegung verbindlicher Fangquoten und der Verbesserung der Wasserqualität können die Fischbestände auch durch den gezielten Schutz ihrer Laich- und Aufzugsplätze langfristig im Amur überleben.

Vernetzung

Durch die wachsende Bevölkerung vor allem in den chinesischen Provinzen der Amur-Region wird der Naturraum zunehmend durch Siedlungen, Straßen und die Ausweitung landwirtschaftlicher Produktionsflächen zerschnitten. Der Effekt wird durch Begleiterscheinungen der Besiedlung und der Erschließungen wie etwa häufiger auftretende Brände noch verstärkt. Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten schrumpfen somit zu voneinander isolierten „Inseln“.

Um diesen Trend entgegenzuwirken, versucht der WWF Biokorridore einzurichten. Diese sollen die Schutzgebiete zu einem zusammenhängendem Netz verbinden, um so den Artenaustausch zwischen den Refugien zu erhalten. Dieser Prozess kann in den grenznahen Gebieten nur über eine gut funktionierende länderübergreifende Zusammenarbeit erreicht werden.

Drei russische Schutzgebiete im äußersten Südwesten der Provinz Primorje, die von drei unterschiedlichen Behörden verwaltet werden, sollen zu einem national verwalteten Schutzgebiet verschmelzen. Auf Initiative des WWF soll schon bald das Ministerium für natürliche Ressourcen die Verantwortung für die Schutzgebiete im Grenzgebiet zu China und Nordkorea übernehmen. Nach einem Treffen des Geschäftsführers von WWF Russland, Dr. Igor Chestin, mit dem russischen Vize-Premierminister Sergei Ivanov und Vertretern des Ministeriums für natürliche Ressourcen wurde endlich der Weg frei gemacht für ein einheitliches Leopardenschutzgebiet. Darüber hinaus soll dieses langfristig mit dem chinesischen Huchun-Reservat zu einem großen länderübergreifenden Biosphärenreservat zusammenwachsen. 

Karte

Schutzgebiete in der Amur-Region
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