Nach dem Erdbeben

Am 12. Mai 2008 wurde auch das WWF-Büro zerstört

Vom Erdbeben zerstörtes Gemeinschaftshaus. © WWF China
Vom Erdbeben zerstörtes Gemeinschaftshaus. © WWF China

Über zwei Monate nach dem Erdbeben mit der Stärke 8,0 sind die überlebenden Menschen in der Provinz Sichuan noch immer vor allem mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Was sie bewältigen müssen, mutet wie ein Albtraum an: Mehr als 69.000 Menschen verloren ihr Leben. Auf mehr als 140 Milliarden US-Dollar schätzen Fachleute den wirtschaftlichen Schaden. Und die ökologischen Folgen sind weiterhin nicht abschätzbar. Dazu gehören laut
Chinesischer Akademie der Wissenschaften vor allem große Erdrutsche in den Bergen, die zu Bodenerosion, Vernichtung von Ackerland, Stau von Flüssen und zerschnittenen Lebensräumen von Wildtieren geführt haben.

Das schwere Erdbeben am 12. Mai 2008 hat auch rund 80 Prozent der vom Großen Panda bewohnten Lebensräume getroffen, das sind insgesamt 1,9 Millionen Hektar. Ein Zehntel davon wurde komplett zerstört.

Die Lageeinschätzung für die seltenen Tiere fällt besonders schwer, weil abgelegenere Rückzugsgebiete der Bambusbären nach wie vor nicht zugänglich sind. Sicher ist bislang nur, dass im Wolong-Naturreservat ein Tier ums Leben kam und ein weiteres vermisst wird. Bislang lebten dort 64 Große Pandas. Insgesamt gibt es in China noch 1.600 Tiere in freier Wildbahn.

In der stark betroffenen Bergregion Minshan sind viele Straßen unpassierbar, Gebirgshänge abgerutscht, Dammbrüche drohen, Wasserstellen sind vergiftet. Das WWF-Büro in der Provinzhauptstadt Chengdu wurde zerstört, ebenso viele Schutzstationen in den Panda-Reservaten.

Noch keine Nachricht gibt es aus entlegenen Panda-Gebieten wie Wanglang: Wie es den dortigen Wildhütern, dem WWF-Biogasprojektdorf Kazi und vielen anderen WWF-Partnern in der Region geht, ist unklar. Insgesamt hat das Beben mehr als 20 Panda-Reservate getroffen.

Die WWF-Kollegen vor Ort helfen weiterhin mit, die Bevölkerung mit dem Nötigsten wie Decken, Reis und Zelten sowie mit Satellitentelefonen und Faxgeräten zu unterstützen, damit Kommunikation möglich ist.

Und sie versuchen, den Wiederaufbau in den Schutzgebieten und Gemeinden so mitzugestalten, dass er nach möglichst ökologischen Kriterien erfolgt. Der WWF hat dazu mittlerweile einen Plan erstellt: In fünf bis acht ausgewählten Naturreservaten sollen beispielhaft nachhaltige Aufbauarbeiten forciert werden.