Großes Pandas.  © WWF / Astrid Deilmann
Große Pandas. © WWF / Astrid Deilmann

Der Große Panda: Symboltier für den Artenschutz

Ab durch die Mitte, Teil 2

Tag 3: Beijing – Chengdu

Von Peking reisen wir südwestlich nach Chengdu, die Hauptstadt der Provinz Sichuan. Von hier aus arbeitet der WWF seit Jahren für die Zukunft der Minshan-Region, in der Chinas prominentestes Tier und das Symbol des weltweiten Artenschutzes lebt: der Große Panda.

Die Arbeit für eine internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) ist in China nicht immer einfach. Die Partei beäugt alle außerstaatlichen Aktivitäten kritisch, zivilgesellschaftliches Engagement gilt immer noch als suspekt.

Als erste internationale NGO eröffnete der WWF 1980 in Peking ein Büro. Seither hat er sich als Partner für den Naturschutz etabliert. Seit 2007 ist der WWF die erste ausländische NGO, die nach chinesischem Recht registriert ist, auch wenn er nicht um Mitglieder werben darf. Mittlerweile gibt es neun WWF-Büros in China mit rund hundert Mitarbeitern.

Wie offen kann der WWF Kritik üben? „Wir können auf der Arbeitsebene etwas verändern, dort können wir auch offen sprechen“, antwortet WWF China-Chef Dermot O'Gorman, der einzige Ausländer beim WWF China. „Mit der westlichen Methode der Konfrontation erreicht man hierzulande nichts oder das Gegenteil. Wir versuchen, über unsere Projekte langsam etwas zu verändern.“ Auch deshalb spielt die Beteiligung der lokalen Bevölkerung immer eine sehr große Rolle: Sie lernen Mitbestimmung kennen, Demokratie im Kleinen. 

Tag 4: Chengdu – Pingwu. Auf dem Weg zum Großen Panda

Als wir morgens im Hotel den Nachrichtensender CNN anschalten, wird der Bildschirm plötzlich schwarz. Den Bericht über die Proteste von Exiltibetern beim Fackellauf in Paris und London bekommen wir nicht zu sehen. Sämtliche Sendungen werden mit 40 Sekunden Verzögerung gezeigt, um den Zensoren Zeit zu geben, hat man uns erzählt. Deshalb boomt das Internet in China: Vor allem Blogs bieten alternative Informationsquellen, die, anders als beim Fernsehen, erst zensiert werden können, wenn sie bereits erschienen sind.

Wir fahren in die Panda-Aufzuchtstation am Rande von Chengdu, Heimat für 71 Große Pandas. Seit 1987 werden hier die großen Bambusbären erforscht, aufgezogen und medizinisch versorgt. Ein weiteres großes Ziel der Station ist die Umweltbildung. Auf unserem Weg zum „Panda-Kindergarten“ begegnen uns dutzende Schulklassen. Wir dürfen kurz fürs Fotoalbum mit Xing Ya, einem achtmonatigen Pandakind, posieren. Damit wir es nicht mit Krankheiten anstecken, tragen wir Schutzhandschuhe. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass der kleine Fratz eines Tages ausgewildert werden kann, ist gering. Pandas in Gefangenschaft sind zu sehr an Menschen gewöhnt, sie kennen die Verhaltensregeln der Wildnis nicht. Verhaltensforscher arbeiten intensiv an Trainingskonzepten, damit Pandas in Zoos nicht ausschließlich für Zoos gezeugt werden. Doch der Weg ist noch weit.

Insgesamt 240 Pandas leben in Gefangenschaft, rund 1.600 in der Wildnis. Der Genpool macht den Pandaforschern am meisten Sorgen: Er ist zu wenig durchmischt. Deshalb reisen Spezialisten für die künstliche Befruchtung wie die Biologin Hou Rong in alle Welt, um Weibchen in Madrid oder Atlanta mit Spermien aus Chengdu zu besamen. Ist die Befruchtung in den zwei bis drei Tagen, die ein Pandaweibchen pro Jahr fruchtbar ist, geglückt, erblicken in 54 Prozent aller Fälle Zwillinge das Licht der Welt – nach 93 bis 167 Tagen Tragzeit. Warum die Schwangerschaften so unterschiedlich lang dauern, weiß bislang kein Mensch.

Allerdings kommt in der freien Wildbahn nur eines der Zwillinge durch, erzählt uns Kati Loeffler, die österreichische Leiterin der Tierklinik: Pandas haben keinen Beutel, um ihre Babys zu transportieren, und tragen sie deshalb in der Hand. Weil die Pandamutter die andere aber zum Bambusfressen und Fortbewegen braucht, lässt sie eines der beiden Kleinen zurück. In der Pandastation kümmern sich die Angestellten darum, dass beide Babys abwechselnd von der Mutter versorgt werden.  

Wir fahren in die Kreisstadt Pingwu, die auf halber Strecke auf dem Weg ins Naturschutzgebiet Wanglang in den Minshan-Bergen liegt. Hier wird einer der wichtigsten Teile verbliebener Heimat des Großen Panda verwaltet. Wir treffen uns mit Vertretern der Forstbehörde SFA, die stolz berichten, dass die Kommune Pingwu die größte Panda-Population zu verzeichnen hat: 200 Tiere. Seit der WWF mit der SFA zusammenarbeitet, müssen deren Angestellte weniger Angst vor der Bevölkerung haben, wird uns später der Chef einer kleinen lokalen NGO sagen. Früher seien die SFA-Vertreter drohend in die Dörfer gekommen, um die Bewohner zur Einhaltung der Gesetze im Naturschutzgebiet zu zwingen. „Der WWF hat ihnen gezeigt, wie man die Bedürfnisse verstehen und die Menschen einbeziehen kann, sonst schützen sie keinen Baum und keinen Strauch.“

Beim Abendessen mit den Forstmännern fließt reichlich Schnaps, wir Frauen halten uns vornehm zurück. Im „heißen Topf“ in der Mitte des Tisches kocht über einer Elektroplatte ein ganzes Huhn, Schnabel inklusive.

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In den Minshan-Bergen

Susanne Honnef und Astrid Deilmann
Susanne Honnef und Astrid Deilmann