Fühlt sich in den Auen wohl: der Elbebiber. © WWF / Peter Ibe

Die Elbe

Kein anderer großer Fluss in Deutschland weist so schutzwürdige und ausgedehnte Überflutungsräume auf wie die Elbe. Sie kann – im Gegensatz zu anderen großen Strömen – auf weiten Strecken auch heute noch frei fließen.  

Als Teil des Eisernen Vorhanges zwischen Ost und West blieb die Elbe bis 1989 einer der letzten Flüsse in Mitteleuropa, der inmitten einer großräumigen Auenlandschaft auf weiten Strecken noch frei fließen konnte. Abgehobelt und breitgewalzt von den Gletschern und Geröllmassen der letzten Eiszeiten bildeten sich in der Flusslandschaft von Ton- bis Kieselschichten ein Mosaik verschiedenartiger Böden, die, bei ständig wechselnden Wasserständen und Strömungen, wiederum ganz verschiedenen Pflanzenarten als Standort dienen – wovon wiederum zahlreiche seltene Tierarten profitieren. Auf diese Weise entstand eine Artenvielfalt, die in Mitteleuropa ihresgleichen sucht.

Während sich die Elbe im Frühjahr in eine Seenplatte verwandelt, liegen im Sommer weite Teile ihrer Auen trocken. Weide und Schwarzpappel kommen mit diesen Extremen bestens zurecht. Sie sind das Rückrat der Auenwälder, die der WWF gemeinsam mit Experten des Biosphärenreservates Mittlere Elbe seit 2001 gezielt schützt und renaturiert. Denn nur wenn ein Auenwald groß genug ist, bauen dort auch Kranich und Schwarzstorch ihre Nester.  

Der größte Auenwald Mitteleuropas

Die Elbe ist mit einer Gesamtlänge von 1.091 Kilometern der zwölftlängste Fluss Europas. Sie entspringt im tschechischen Riesengebirge und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee.

Entlang der Elbe findet sich eine Vielzahl von Lebensräumen: Flache Strände, steile Böschungen sowie Kies- und Sandbänke ebenso wie Dünen und Stromtalwiesen. Ein sehr geringes Gefälle begünstigt die Bildung von Flussschlingen (Mäandern) und dicht bewachsenen Altwasser-Armen. Darüber hinaus gibt es hier noch den größten zusammenhängenden Auenwald Mitteleuropas.  

Etwa 380.000 Hektar dieser abwechslungsreichen Naturlandschaft sind seit 1997 von der Unesco als Biosphärenreservat „Flusslandschaft Mittlere Elbe“ anerkannt. Sie ist mit ihren Auen außerdem auf einer Länge von etwa 400 Kilometern Teil des europäischen Schutzgebiets-Netzwerkes Natura 2000.  

In dieser Landschaft, die zudem von einem Wechsel von Hochwasser und Trockenheit geprägt ist, haben sich viele spezialisierte und daher oft bedrohte Arten angesiedelt. Alleine im Biosphärenreservat wachsen über 1.000 verschiedene Pflanzenarten – darunter Wassernuss, Sibirische Schwertlilie und viele Orchideen-Arten. Unter den 40 Säugetierarten findet sich auch der vom Aussterben bedrohte Elbebiber. Die vielseitige Landschaft bietet den 135 regelmäßig brütenden Vogelarten wie Graureiher, Schwarzstorch oder Rotmilan reichhaltige Brut- und Nahrungsgebiete.  

Hochwasserschutz contra Natur

Saisonale Hochwasser, verursacht durch starke Niederschläge im Einzugsgebiet oder die Schneeschmelze im Riesengebirge, sind Teil der natürlichen Abläufe an der Elbe. In den letzten 150 Jahren wurden jedoch entlang des Stromes fast 80 Prozent der Überflutungsflächen zerstört. Dadurch gingen nicht nur wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren. Zugleich stieg das Hochwasserrisiko entlang des Flusses drastisch an – und wird durch weitere Flussbegradigungen und die Aufstockung von Schutzdeichen weiter erhöht. Bereits mit zehn Prozent der Gelder, die zur Beseitigung von Hochwasserschäden aufgebracht werden müssen, könnte man nach Schätzung des WWF durch Flächenkauf und Renaturierungsmaßnahmen wertvolle Überflutungsflächen zurückgewinnen.  

Ehrgeiziges WWF-Projekt

Der WWF bemüht sich in seinem seit 2001 laufenden Naturschutzgroßprojekt „Mittlere Elbe“ um den Erhalt und – wo nötig – die Wiederanbindung dieser wertvollen Auen-Flächen an das natürliche Wasserregime der Elbe. Das Projektgebiet südlich Magdeburg hat eine Gesamtfläche von 9.050 Hektar – das entspricht 21 Prozent des Biosphärenreservates „Flusslandschaft Mittlere Elbe“. Etwa 5.700 Hektar davon nimmt das Projektkerngebiet mit den ökologisch besonders wertvollen Flächen ein. 905 Hektar sind bereits im Besitz des WWF, weitere Flächen sollen aufgekauft werden. Durch geeignete Bewirtschaftungs- und Pflegeformen wie extensive Landwirtschaft, naturnahen Waldbau oder ökologischen Tourismus soll bis 2018 eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung dieser Flächen erreicht werden.  

Ein weiteres wichtiges Ziel des Großprojektes ist eine Deichrückverlegung auf sieben Kilometern Länge, wodurch weitere 600 Hektar wertvoller Überflutungsflächen entstehen würden.

Weitere Informationen

Elbe-Renaturierung:

Das größte WWF-Projekt >>

Downloads

Studie: Fünf Jahre nach der Elbeflut 2002

 Kurzfassung

 Langfassung

 Hintergrund: Hochwasser in Deutschland und Europa

Kontakt

Projektbüro "Mittlere Elbe"

Dr. Astrid Eichhorn

Unruhstraße 1
06844 Dessau
Tel.: 0340 2168710
Fax: 0340 2168729

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