Das größte Projekt des WWF
Gemeinsam mit Bund und Land sichert die Umweltstiftung die Auenwälder der Elbe

- © WWF Georg Rast
Im Jahr 2001 begann der WWF an der Mittleren Elbe sein größtes Projekt in Deutschland. Bis 2018 soll zwischen Mulde- und Saalemündung ein durchgehender Verbund überflutbarer Auenwälder geschaffen und gesichert werden. Damit werden zugleich alle auentypischen Tier- und Pflanzenarten und ihre Gemeinschaften nachhaltig geschützt.
Der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin beauftragte am 2. November 2001 den WWF mit dem größten Naturschutzvorhaben seiner Geschichte. In dem 9.050 Hektar großen Projektgebiet in Sachsen-Anhalt sichert und renaturiert die Umweltstiftung seitdem einer der größten zusammenhängenden Auenwaldkomplexe Deutschlands. Zahlreiche Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung von Auwäldern an der Mittleren Elbe wurden vom WWF bereits umgesetzt.
Nach einer Aufstockung der Mittel im November 2009 stehen nun bis zum Ende der Projektlaufzeit 2018 insgesamt 23,4 Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt zur Verfügung. Davon steuert der Bund über das Bundesamt für Naturschutz 75 Prozent bei. 15 Prozent der Kosten übernimmt das Land Sachsen-Anhalt, zehn Prozent der WWF Deutschland. Die Fördermittel wurden und werden für den Flächenankauf (insgesamt sind etwa 1.000 Hektar geplant), für die Pflege- und Entwicklungsplanung und deren Umsetzung, die Deichrückverlegung im Lödderitzer Forst sowie für Personal- und Sachkosten verwendet.
Entwickelt wurde das Projekt von Mitarbeitern des WWF zusammen mit Experten vor Ort. Zwei Mitarbeiterinnen des WWF sind im Projektbüro in Dessau für die Koordination und das Projektmanagement verantwortlich.
Zurück zur Natur
Das Vorhaben im Einzelnen: Im Bereich des Biosphärenreservates soll zwischen Mulde- und Saalemündung ein durchgehender überflutbarer, etwa 2.500 Hektar großer Auenwaldverbund geschaffen werden. Unter der Leitung des WWF wird entlang von etwa 33,5 Flusskilometern mit Auenwiesen und -wäldern ein Lebensraum für seltene Arten wie Elbebiber, Schwarzstorch, Mittelspecht und dem Eichenbock gesichert und – wo nötig – renaturiert. Dazu kauft der WWF artenreiche Überschwemmungswiesen und -wälder an. Das Auengrünland wird von den Bauern nachhaltig und naturschutzorientiert genutzt. Zudem wurden Auenwälder umgestaltet (zum Beispiel durch Entfernung standortfremder Gehölze wie der Hybridpappel) und neu begründet. Zur Reaktivierung von natürlichen Flutrinnensystemen wurden des Weiteren Querdämme in den Boden geschlitzt – zum Beispiel durch Tieferlegung von Waldwegen – oder Entwässerungsgräben zugeschüttet.
Die wesentliche Maßnahme des Projektes ist der Rückbau des Deiches. Im Bereich der Ortschaft Lödderitz bei Dessau soll einige hundert Meter hinter dem derzeitigen Hochwasserschutzdeich auf sieben Kilometer Länge ein neuer Deich gebaut werden. Anschließend wird der alte Damm durchlässig gemacht. Danach werden die Hochwasser der Elbe die Auenwälder des Lödderitzer Forstes wieder ganz natürlich überfluten können – auf dieser etwa 600 Hektar großen Rückverlegungsfläche befinden sich unter anderem Eichen- und Ulmenbestände, die rund 250 Jahre alt sind. Außerdem wird auf zwölf Hektar ein neues Stück Hartholzauenwald gepflanzt.
Die Waldflächen werden weitgehend der natürlichen Entwicklung überlassen. Das bedeutet: keine forstliche Nutzung und Betreten nur auf ausgewiesenen Wegen.
Natürlicher Hochwasserschutz
Durch diese Vergrößerung der natürlichen Überflutungsfläche wird flussabwärts die Hochwassergefahr reduziert. Die Gefahr von Deichbrüchen kann so gemindert werden. Dieser Weg zurück zur Natur ist damit zugleich naturnaher Hochwasserschutz. „Gerade vor dem Hintergrund der Hochwasserkatastrophe von 2002 leistet der Naturschutz damit einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung der gesamten Region“, sagte Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, bei der Übergabe des Förderbescheids am 5. November 2009.
Die Renaturierung des Lödderitzer Forstes ist zugleich ein Modellprojekt in Deutschland für den ökologischen Hochwasserschutz. Die Deichrückverlegung ist Teil der Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt und wird maßgeblich vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft unterstützt. Mit den vorbereitenden Arbeiten für die Deichrückverlegung konnte im vierten Quartal 2009 begonnen werden.
Naturschatz Elbe
