© Jörg Hartmann / WWF
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Ganga: Fluss und Göttin

WWF-Engagement zur Rettung von Indiens blauer Lebensader

Von seiner Quelle im Himalaja-Gebirge bis zur Mündung in den Indischen Ozean legt der Ganges über 2500 Kilometer zurück. Er versorgt einen großen Teil Indiens und Bangladeschs mit Wasser und ist ein wichtiger Lebensraum für 140 Fischarten. Das ganze Jahr über wird der Ganges von Schmelzwasser eines tibetischen Hochland-Gletschers gespeist; von Juli bis Oktober kommt heftiger Monsunregen dazu. Im Sundarbans-Delta, dem riesigen Mündungsbereich des Flusses, wachsen Mangrovenwälder, in denen auch die Indischen Tiger zu Hause sind.

Der „Ganga“, so der indische Name des Ganges, ist Fluss und lebendige Göttin zugleich. Nach dem Glauben der Hindu reinigt das Wasser Körper und Geist. Es wird auch als Weihwasser und Medikament verwendet. Jeder Hindu möchte daher einmal im Leben in das heilige Wasser des Ganges eintauchen, um seine Sünden abzuwaschen. Das reinigende Wasser ist jedoch alles andere als sauber: Pestizide, Bakterien und giftige Chemikalien verseuchen den Ganges schon seit Jahrzehnten.

Starke Verschmutzung

© Michele Depraz / WWF-Canon
© Michele Depraz / WWF-Canon

Mit mehr als 400 Millionen Anwohnern bildet der Ganges das am dichtesten besiedelte Flusseinzugsgebiet auf der Erde. Ein Zwölftel der Weltbevölkerung lebt hier. Vom Kleinbauern über den Fischer bis hin zum Arbeiter in der Großindustrie hängen sie alle direkt vom Fluss ab. Der Ganges ist die wichtigste Lebensgrundlage der Menschen und doch tragen sie zugleich zur starken Verschmutzung des einmaligen Ökosystems bei. Täglich leiten Fabriken mehr als eine Milliarde Liter giftige Abwasser ein, angereichert mit hochgiftigen Chemikalien - von Arsen bis Quecksilber.Und da außerdem Haushaltsabwässer vor allem aus Millionenstädten wie Neu Delhi und Kalkutta weitgehend ungeklärt ein geleitet und traditionell Leichen im Ganges bestattet werden, wimmelt es in dem Fluss nur so von Kolibakterien.

Trotzdem birgt der Ganges noch so manches biologische Wunder und ist auf weiten Strecken bis heute ein faszinierendes, artenreiches Ökosystem geblieben. Bedrohte Tiere wie der Indische Otter, mehrere Arten von Süßwasserschildkröten und der blinde Ganges-Flussdelfin leben hier. Und in den einzigartigen Sundarbans-Delta findet sich die weltweit letzte Population von Tigern, die Mangrovenwälder bewohnen.

Schutz und Renaturierung

© Chris Hails / WWF-Canon
© Chris Hails / WWF-Canon

Dem Ganges wird viel mehr Wasser entnommen, als nachfließen kann. Allein im Bundesstaat Uttarakhand haben 220 Wasserkraftprojekte den natürlichen Abfluss zerstört. Nur noch fünf Prozent der einstigen Wassermenge erreichen heute das Mündungsgebiet in Bangladesch. Der WWF ist in den Bundesstaaten Uttar Pradesh und Uttarakhand  aktiv, um eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen anzustoßen. Zugleich soll die Qualität der Gewässer verbessert und die natürlichen Lebensräume renaturiert werden.

Vor etwa 150 Jahren begann im Flusseinzugsgebiet des Ganges die Landwirtschaft, dabei gingen mehr als 80 Prozent der ehemaligen Waldflächen verloren. Heute werden fast drei Viertel des Flusseinzugsgebietes zum Ackerbau genutzt- vor allem für Baumwolle. Bei Anbau und Verarbeitung werden oft Pestizide und Chemikalien eingesetzt und besonders viel Wasser verbraucht. Der WWF engagiert sich seit 2007 mit seiner „Better Cotton Initiative“ gemeinsam mit Produzenten, Händlern, und anderen Nichtregierungsorganisationen, um einen umweltverträglicheren Anbau zu gewährleisten und einen Zertifizierungsstandard zu entwickeln.