Borneo: Schwindende Vielfalt

Entwaldungsraten geben keinen Anlass zur Entwarnung

In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts waren noch 95 Prozent der Landfläche Borneos mit Wäldern bedeckt. Innerhalb von nur zwei Generationen hat sich dieses Bild gewandelt und der stetige Verlust von Wäldern erreichte in den letzten zwanzig Jahren nie zuvor erreichte Ausmaße. Seit 1985 verlor Borneo pro Jahr im Schnitt 860.000 Hektar Wald. Heute sind nur noch knapp über 50 Prozent der Insel von Wald bedeckt.

Graphische Überarbeitung der Karten: WWF Deutschland

Der Wald wird weiter vernichtet!

Borneo ist mehr als zweimal so groß wie Deutschland und die drittgrößte Insel der Welt. Die Hoheit über die Landmasse von etwa 740.000 Quadratkilometer teilen sich drei Länder: das kleine Sultanat von Brunei Darussalam im Norden, Malaysia (durch seine Bundesstaaten Sabah und Sarawak) im Nordwesten und Indonesien mit der Region Kalimantan. Mehr als zwei Drittel der Insel gehören zu Kalimantan.

Basierend auf der Auswertung von MODIS-Satellitenaufnahmen der Jahre 2003 bis 2008 vollzieht sich die Entwaldung auf Borneo ungebrochen auf einem sehr hohen Niveau. Der jährliche Durchschnitt für diesen Zeitraum liegt bei 1.157.000 Hektar. Für das Jahr 2020 prognostiziert der WWF eine komplette Entwaldung der Tieflandregenwälder.

Erstmals wurden Entwaldungszahlen für den malaysischen Bundesstaat Sarawak erhoben. Im jährlichen Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2008 beträgt die Entwaldungsrate 268.562 Hektar. Damit zählt Sarawak zu den Gebieten mit der höchsten prozentualen Entwaldungsrate auf der Welt (ca. vier Prozent). Die Zahl ist auch in einem anderen Zusammenhang erschreckend. Die Regierung von Sarawak veröffentlicht seit Jahren Waldzahlen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Offiziell wird durch das Department of Forestry eine jährliche Entwaldung von 50.000 Hektar angegeben.

Ein Lichtblick ist das kleine Sultanat Brunei Darussalam. Auf einer Fläche von 5.570 Quadratkilometern betreibt das Land vorbildlichen Waldschutz. Rund 60 Prozent seiner Waldfläche wurden als Teil des "Heart of Borneo"-Schutzgebietes deklariert. Seine Wälder sind eine grüne Insel, die sich auf den Satellitenaufnahmen aus bereits entwaldeten Gebieten Sarawaks klar heraushebt.

Die größte Bedrohung für Borneos Wälder ist ihre Umwandlung in Plantagen aus Ölpalmen und schnell wachsenden Baumarten wie Akazie und Eukalyptus für die Zellstofferzeugung. Eine weitere ernstzunehmende Bedrohung für die Wälder sind die illegalen Holzeinschläge, die nicht nur in Kalimantan (dem indonesischen Teil Borneos), sondern in ganz Indonesien verbreitet sind.

Wie auch in Sumatra sind Waldbrände ein großer Faktor der Entwaldung in Kalimantan. Normalerweise sind tropische Regenwälder zu feucht für natürliche Waldbrände, aber von Menschen verursachte Brände in ungewöhnlich stark ausgeprägten Trockenperioden können weiträumig Regenwaldgebiete erfassen, wenn sie außer Kontrolle geraten.

In Sabah und Sarawak wurden in den letzten Jahren viele Wälder trotz gegenteiliger Vorschriften systematisch übernutzt und damit geschädigt. Sie werden dann ebenfalls zum Spekulationsobjekt der Palmöl- und Zellstoffindustrie, wenn nachfolgende Einschläge keine nennenswerten Erträge mehr erwarten lassen. Oder sie werden zum Opfer von wiederkehrenden Waldbränden, denn aufgrund der Auflichtung trocknen sie schneller aus als ungestörte Wälder.

Sumatra-Nashorn. © Gert Polet / WWF Indonesien
Sumatra-Nashorn. © Gert Polet / WWF Indonesien

Reichtum an Lebensformen

Borneos Regenwälder sind die ursprünglichsten und gehören zu den artenreichsten Wäldern unseres Planeten. Im Vergleich mit den Regenwäldern Afrikas oder des Amazonasbeckens konnten sie sich über weitaus längere Zeiträume ungestört entwickeln, da sie während der Eiszeiten nicht so stark von Trockenperioden beeinflusst wurden. Ein weiterer Grund für den unglaublichen Reichtum an Lebensformen ist zum Beispiel das gleichmäßige äquatoriale Klima – mit Wasser und Sonnenschein im Überfluss. Das ganze Jahr über ist die Luft im Wald mit Wasserdampf gesättigt. Zwei Monsune schütten Jahr für Jahr mindestens 3.000 Liter Regen pro Quadratmeter über der Insel aus. Zum Vergleich: In Berlin sind es jährlich nur 600 Liter.

Wunderbare Bedingungen für eine vielfältige Natur: 15.000 so genannte Gefäßpflanzen (das sind alle Pflanzen außer Blaualgen, Algen, Flechten und Moosen), 221 Säugetierarten, 622 Vogelarten, 400 Reptilien- und Amphibienarten haben ihre Heimat auf Borneo. Ein bedeutender Anteil ist nur hier zu finden, also "endemisch". Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr Orchideenarten als hier: über 750 (!) Spezies wachsen allein an den Hängen des Mount Kinabalu im malaysischen Bundesstaat Sabah. Dieser ist mit 4.100 Metern der höchste Berg Südostasiens.

Neben den Orang-Utans – den „Waldmenschen“, so die malaiische Bedeutung ihres Namens – gibt es auch Gibbons, die Akrobaten des Regenwaldes. Im Nordosten Borneos leben außerdem etwa maximal 1.500 Tiere einer eigenen Unterart des Asiatischen Elefanten, Borneo-Elefant genannt.

Noch seltener ist das extrem scheue und mit etwa 30 Tieren vom Aussterben bedrohte Sumatra-Nashorn. Der Nebelparder ist die größte Katze der Insel. Auch die kleinen Malaienbären sind typische Bewohner des Regenwaldes. Und nur auf Borneo kommt der Nasenaffe vor. Unter den 622 bekannten Vogelarten ragen die imposanten Nashornvögel hervor.

WWF-Projektgebiete auf Borneo

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Sind die Regenwälder Indonesiens noch zu retten?

Die Regenwälder Indonesiens werden so schnell vernichtet wie in keinem anderen Land der Welt. Deshalb hat der WWF dort erneut seine Anstrengungen verstärkt, um das Schlimmste zu verhindern.

Der WWF Rettungsplan für Indonesiens Regenwald >>