Sumatra: Eine erschreckende Entwicklung
Nur noch 30 Prozent der Insel sind bewaldet
Die aktuelle Analyse durch den WWF zeigt: Im Jahr 1985 war die Insel noch zu 57 Prozent mit Wald bedeckt. Seit 1985 verlor die Insel pro Jahr im Durchschnitt 550.000 Hektar Naturwald. Das bedeutet, dass in den letzten zwei Jahrzehnten in jeder einzelnen Stunde ein Wald von der Größe von 88 Fußballfeldern verschwunden ist.
Graphische Überarbeitung der Karten: WWF Deutschland
Ist der dramatische Waldverlust noch zu stoppen?
Mit einer Größe von 473.000 Quadratkilometern (47,3 Millionen Hektar) ist Sumatra die sechstgrößte Insel der Welt und rund 20 Prozent größer als Deutschland. Auf der Insel leben etwa 40 Millionen Menschen. Sumatra ist damit weitaus dichter bevölkert als Borneo. Sumatra ist in zehn Provinzen eingeteilt, unter denen Aceh als Sonderregion Vorrechte genießt.
Als Folge dieser Entwicklung verbleiben Sumatra heute 13 Millionen Hektar natürlichen Waldes, das entspricht einer Waldbedeckung von nur noch knapp 30 Prozent. Die Provinz, die absolut die meiste Waldfläche verloren hat, ist Riau (östliches Sumatra). Dort sind von 6,9 Millionen Hektar (1985) nur noch 2,3 Millionen Hektar natürlichen Waldes verblieben (das entspricht rund 62 Prozent, Stand 2007). Die Provinz Sumatra Selatan (südliches Sumatra) hat einen noch größeren Anteil ihrer Wälder eingebüßt (67 Prozent).
Der tropische Tieflandregenwald ist der am stärksten bedrohte Hauptwaldtyp der Insel. Nur noch 20 Prozent seiner ursprünglichen Fläche sind heute noch übrig. Sumatra ist außerdem ein globaler Hotspot für tropische Torfmoorwälder, die durch die enormen Mengen an Kohlenstoff, die sie einlagern, eine besondere Bedeutung für den Klimawandel haben. Selbst der weniger leicht zugängliche Hochlandwald ist zunehmend durch Abholzung und landwirtschaftliche Übergriffe bedroht. Wenn es so weiter geht, werden die beiden Hauptwaldtypen der Tieflagen bis zum Jahr 2020 verschwunden sein.
Die Ursachen für den dramatischen Waldverlust auf Sumatra sind exemplarisch für die Entwicklung, welche die Wälder in Südostasien in den letzten dreißig Jahren genommen haben. Der zunächst weit verbreitete Holzeinschlag, der in Form der selektiven Nutzung von einzelnen Wertholzbäumen in den Beständen begann, wurde zunehmend durch holzverbrauchende Industrien der Zellstofferzeugung und der Palmölwirtschaft abgelöst.Mit der zunehmenden Ausbeutung der Wälder durch die Holzindustrie, ging deren Wert zurück. Damit wurde die Pforte für die komplette Umwandlung in Plantagen geöffnet.
In der Provinz Riau hat der Ausbau des Feldanbaus zwischen 1982 und 2007 mehr als 50 Prozent zur Umnutzung natürlichen Waldlandes beigetragen. Während dieser Zeit wurden 29 Prozent des gerodeten Waldes durch Ölpalmenplantagen ersetzt, weitere 24 Prozent durch Akazienholzplantagen. Für letztere sind vor allem zwei globale Konzerne verantwortlich: Asia Pulp and Paper (APP) und Asia Pacific Resources International Holdings Limited (APRIL).

- Mangrovenwald. © TN Berbak / WWF Indonesien
Beeindruckende Artenvielfalt
Trotz ihres Rückganges beherbergen die Wälder Sumatras immer noch eine beeindruckende Artenvielfalt. Sie gehören zu den artenreichsten Regenwäldern der Welt. 10.000 Pflanzenspezies vermutet man hier: Eine Studie hat 497 unterschiedliche Baumarten auf einer Fläche von nur einem Hektar Größe identifiziert.
Die natürliche Vielfalt an Pflanzen spiegelt sich wider in der erstaunlichen Zahl von Tierspezies, die sich auf der Insel finden. Sumatra hat 582 Vogelarten; davon sind 465 heimisch und 14 endemisch. Die Insel ist besticht außerdem dadurch, dass die meisten großen Säuger Asiens hier in überlebensfähigen Populationen vorkommen. Dazu gehören, das vom Aussterben bedrohte Sumatra-Nashorn, der stark gefährdete Sumatra-Elefant, der Schabrackentapir, der vom Aussterben bedrohte Sumatra-Orang-Utan und Gibbons.
Weiterhin ist Sumatra Heimat einer großen Menge von Fleischfressern, einschließlich des asiatischen Wildhundes, des Malaienbärs sowie von acht Spezies von Raubkatzen. Insbesondere der vom Aussterben bedrohte Sumatra-Tiger ist hier zu hause. Die äußerst schnell voranschreitende Zerstörung ihrer Lebensräume hat dazu geführt, dass mehrere dieser Spezies anderswo in Indonesien bereits ausgerottet sind, wie zum Beispiel der Java-Tiger und der Bali-Tiger.
West-Papua (Neuguinea)
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Sind die Regenwälder Indonesiens noch zu retten?
Die Regenwälder Indonesiens werden so schnell vernichtet wie in keinem anderen Land der Welt. Deshalb hat der WWF dort erneut seine Anstrengungen verstärkt, um das Schlimmste zu verhindern.





