Aleuten-Zwergkanadagänse (Branta canadensis leucopareia). © WWF
Aleuten-Zwergkanadagänse (Branta canadensis leucopareia). © WWF

Der Flug in die Freiheit

Eine Insel für wilde Gänse

Mit Unterstützung des WWF wurden am 8. September 2006 rund 50 seltene Aleuten-Zwergkanadagänse  (Branta canadensis leucopareia) auf der Kurileninsel Ekarma in die Freiheit entlassen. Sie waren per Hubschrauber aus der ornithologischen Auswilderungsstation auf Kamtschatka auf das Eiland hinübergeflogen worden.

Bereits in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts waren Aleuten-Zwergkanadagänse fast vollständig verschwunden – vor allem durch Fleischfresser wie Füchse, Polarfüchse und Nerzem die sich durch menschliche Ansiedlungen vermehrten. Ein leidenschaftliches Ornithologenpaar, Nikolai und Alla Gerasimov, gründeten deshalb vor 15 Jahren eine Auswilderungsstation unweit der Stadt Yelizovo. Ihr erstes Gänsepaar erhielten sie damals aus Amerika: Der Eiserne Vorhang war durchlässig geworden.

Bis heute haben bereits 400 Aleutengänse aus der Auswilderungsstation den Weg in die Freiheit gefunden. „Die Gänse werden die Insel erforschen, sie werden sie Richtung Süden verlassen und hierher wieder zurückkommen. Das Zuhause der Vögel ist dort, wo sie das erste Mal flügge geworden sind“, so Nikolai Gerasimov.

Die Gänse werden zu den Überwinterungsplätzen in Japan und Korea fliegen, zu denen bereits ihre Vorfahren flogen.

Die Gänseflüsterer

Die Insel Ekarma ist ein idealer Ort für die Gänsepopulation. Es gibt dort keine menschliche Siedlungen und keine Raubtiere. Die historischen Überwinterungsplätze der Vögel liegen in Japan und Korea und auf den Kurileninseln.

Während meines Aufenthaltes auf Kamtschatka besuchte ich das Ehepaar Gerasimov und die Auswilderungstation. Natürlich gab es köstliches Fischessen und Wodka, politisch brisante Witze über das Putin-Russland und mutige Geschichten über die Erfolge und  das Scheitern der Naturschützer auf Kamtschatka.  Ich bewundere diese bescheidenen, betagten und doch sehr vitalen Menschen für ihr unermüdliches Engagement. Hier wird deutlich, nicht Organisationen machen Naturschutz, sondern Menschen.

Wir bräuchten noch ein paar mehr solcher Menschen, denen der Schutz der uns anvertrauten Natur wirklich am Herzen liegt.

Helene Kolb, WWF