Der Kamtschatka-Braunbär

Steckbrief

Kamtschatka-Braunbären. © WWF / Peter Prokosch
Kamtschatka-Braunbären. © WWF / Peter Prokosch

Größe, Gewicht: Der Kamtschatka-Bär (Ursus arctos piscator = Ursus arctos beringianus) ist die größte Bärenunterart Russlands und vergleichbar mit dem Ostsibirischen Braunbär und dem Ussuri-Braunbär. Er ist fast so groß wie der Kodiak-Bär, der größte Bär der Welt: Der ausgewachsene männliche Kamtschatkabär wird etwa 2,5 Meter groß und wiegt bis zu 600 Kilogramm, Weibchen sind etwa 20 bis 30 Prozent leichter.

Nahrung: Das Nahrungsangebot an Pflanzen- und Eiweißkost ist ausgesprochen reichhaltig. Im Frühling liegt noch meterhoch der Schnee, aber für die aus dem Winterschlaf erwachenden Braunbären gibt es bereits Gräser und Pflanzen um die heißen Thermalfelder, außerdem aufgetaute Kiefernzapfen und reichlich Meeresgaben wie Fische, Wirbellose oder verendete Meeressäuger. Später kommen Insekten, Larven, Beeren, Wurzeln, Nüsse, Waldfrüchte, Fleisch und Aas dazu.

Vom Hochsommer bis zum Spätherbst genießt der Kamtschatka-Braunbär dann das 'Schlemmerparadies' der Wildnis mit sechs pazifischen Lachsarten, die alle die Flüsse zum Laichen hochwandern. Die Bären warten schon auf sie und wandern mehrmals am Tag zu den Flüssen, um zu schauen, ob die Lachse schon da sind. Am Anfang verzehren die Tiere noch ganze Lachse. Später suchen sie sich nur noch die "Filetstücke" wie den Fischkopf oder ein Rückenteil raus. Im Sommer und Herbst legt der Kamtschatka-Braunbär eine lebenswichtige Fettschicht für die Winterruhe an und nimmt jeden Tag bis zu einem Pfund zu.

Merkmale: Braunbären sind nicht immer braun, sondern variieren von schwarz nach dunkelbraun bis gelbbraun oder grau. Auch beim Kamtschatka-Braunbären variiert die Farbe individuell. Nach dem Haarwechsel im September erreicht das neue Fell dann während der Winterruhe im Dezember seine volle Farbe und Dichte. Das dichte Winterfell schützt den Braunbären optimal vor Kälte. Es ist deswegen im Frühling als Jagdtrophäe sehr begehrt. Vor allem in der dunkelbraunen Variante. Das hat zur Folge, dass sich die Zahl nicht nur der größten, sondern auch der dunkelbraunen Exemplare auf Kamtschatka deutlich reduzierte, weil dieses Aussehen wohl am meisten den Vorstellungen der Jäger entspricht.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum: Der Kamtschatka-Braunbär lebt ausschließlich auf der namensgebenden Halbinsel im fernen Osten Russlands. Der Lebensraum des Kamtschatka-Braunbären ist gekennzeichnet durch den Einfluss der Vulkaneruptionen, der geothermalen Phänomene und der Pazifiknähe.

Drei Schlüsselfaktoren bestimmen sein Umfeld: Schutz und Ruhe, Zugänglichkeit und Verfügbarkeit des Nahrungsangebotes und das Vorhandensein von Höhlenplätzen für die Winterruhe. Wichtige Lebensräume sind die Berghänge mit undurchdringbaren Kiefern- und Erlenbeständen (Pinus pumila, Alnus kamtschatica). Beide Arten nehmen etwa fast die Hälfte der Waldfläche ein. Dort liegen auch die meisten Höhlenplätze der Braunbären.

Auch die lichten Birkenwälder (Betula ermannii, Betula kamtschatica) mit hohem Gras und Unterholz bestimmen den Lebensraum der Kamtschatka-Braunbären. Sie wechseln mosaikartig mit der großflächigen und baumlosen Beeren-Tundra oder mit einer Strauch,- Gras- und Blüten-Tundra ab.

Ebenso spielen alle weitere Naturzonen für die Bären eine wichtige Rolle. So führen ihre Fährten von den Küstenwiesen durch den Wald in die Gebirgstundra bis zu den Berggipfeln der Vulkane und wieder zurück ins Flusstal mit Auwäldern und vielen Nehrungen in den Mündungsbereichen der Lachsflüsse.

Paarung, Winterruhe und Aufzucht: Männchen und Weibchen treffen sich im Sommer etwa drei Monate lang (Mai bis Juli) nur zur Paarung. In der übrigen Zeit ist der Kamtschatka-Braunbär ein Einzelgänger. Sein Leben ist in etwa zwei gleiche Phasen geteilt - in die passive Zeit in der Winterhöhle und die aktive Zeit nach dem Verlassen der Höhle. Vor der Winterruhe sinken die Temperaturen von minus fünf Grad Celsius auf minus 25 Grad Celsius, die Schneedecke wächst auf 50 Zentimeter bis zu einem Meter hoch.

Bei trächtigen Weibchen beginnt die Winterruhe bereits etwa Ende Oktober, sieben bis acht Monate dauert die Tragzeit und zum Frühling kommen in der Höhle ein bis drei noch blinde Bärenjungen zur Welt (Gewicht 400 bis 500 Gramm; Körperlänge 20 bis 25 Zentimeter). Erst nach circa 30 Tagen können die Bärenjungen sehen.

Im Frühling verlässt die Mutter mit den Bärenjungen die Höhle, die Jungen bleiben noch zwei bis drei Jahre bei der Mutter, erlernen die Suche nach Nahrung und das Verhalten bei Gefahr. Das Verlassen der Winterhöhlen beginnt etwa Mitte April.