20 Jahre WWF-Projekt Dzanga-Sangha
Naturschutz mit und für Menschen

- © Florian / weitclick / WWF
Hier schlägt das Herz Afrikas: Nirgendwo sonst in Afrika bevölkern so viele Großtiere wie Waldelefanten, Gorillas, Schimpansen und Bongo-Antilopen den üppigen Regenwald. Und nirgendwo sonst kann man sie so hautnah erleben wie in Dzanga-Sangha im Süden der Zentralafrikanischen Republik.
Vor genau 20 Jahren wurde dieses 4.700 Quadratkilometer große ökologische Juwel unter Schutz gestellt – auf Initiative des WWF, der seitdem dafür sorgt, dass der Schutz nicht nur auf dem Papier besteht. Dabei wurden von Anfang an die Bevölkerung und ihre Interessen berücksichtigt. Denn die Menschen der Region leben unter sehr schwierigen Bedingungen. Es gibt kaum Arbeitsplätze sowie kaum Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung. Besonders schwer haben es die hier heimischen BaAka-Pygmäen: Sie werden von der Mehrheitsbevölkerung der Bantu oft als rückständig angesehen und benachteiligt.
Dabei ist ihr unerschöpfliches Wissen über den Wald besonders wertvoll. Das beweist das Dzanga-Sangha-Projekt des WWF eindringlich. Nur mit Hilfe der BaAka waren und sind die Erforschung und der Schutz des Regenwaldes sowie der erfolgreiche Aufbau des Ökotourismus überhaupt möglich.
Heute profitieren nicht nur die BaAka, sondern alle Menschen der Region von den Erfolgen des Naturschutzes in Dzanga-Sangha. Ein Drittel der gesamten Bevölkerung des Gebietes erzielt ein Einkommen aus dem Ökotourismus und anderen Projektaktivitäten. Dadurch hat die Akzeptanz für den Naturschutz beträchtlich zugenommen.
Trotzdem ist angesichts des Ausmaßes der Armut und des daraus folgenden Drucks auf den Regenwald noch viel zu tun. Daher hat der WWF mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union 2008 ein umfassendes Programm zur nachhaltigen Entwicklung in Dzanga-Sangha gestartet. Einheimische Berater werden ausgebildet, um mit den Menschen vor Ort die Erträge aus der Landwirtschaft durch verbesserte Methoden deutlich zu erhöhen. Das kommt sofort auch dem Wald zugute, da weniger für neue Felder gerodet wird.
Der WWF setzt sich außerdem dafür ein, dass die Einnahmen etwa aus Eintrittsgeldern für den Nationalpark auch wirklich bei den Kommunen ankommen und von diesen nachweislich zum Beispiel für Schulen oder die Wasserversorgung verwendet werden.
In den so genannten Pufferzonen um den streng geschützten Nationalpark kann die lokale Bevölkerung den Wald nachhaltig nutzen. Nach Regeln, die kooperativ mit ihnen entwickelt wurden und für alle gelten. So wird sichergestellt, dass die begrenzten Naturgüter möglichst gerecht verteilt und soziale Spannungen vermindert werden.
Sicher können viele Probleme nicht von heute auf morgen vollständig gelöst werden. Doch im Vergleich zu ähnlichen Regionen haben wir in Dzanga-Sangha bereits einiges erreicht: Eine Gesundheitsstation und mobile Helfer sichern eine medizinische Grundversorgung. Öffentliche Wasserstellen sorgen für sauberes Trinkwasser. Schulen werden gebaut und unterstützt.
Doch selbst solche Erfolge können Schwierigkeiten schaffen, weil sie zu viele Menschen aus der weiteren Umgebung anziehen. Deshalb bekämpft der WWF mit seinen Partnern die strukturellen Probleme nicht nur regional, sondern auch landesweit und in einer trinationalen Kooperation. Zudem plant der WWF für die Zukunft in Dzanga-Sangha eine Vielzahl weiterer Maßnahmen, um die Bedürfnisse von Mensch und Natur in Einklang zu bringen. Denn Naturschutz geht nur mit den Menschen, nicht gegen sie – heute wie vor 20 Jahren.

