Kongo: Holzunternehmen wird „grün“
Vom Saulus zum Paulus: Ein Holzunternehmen in Zentralafrika stellte vom Raubbau auf naturverträgliche Forstwirtschaft um – mit ökonomischem Erfolg. Eine Reportage unserer dänischen WWF-Kollegin Constanze Hegner

- © Martin Harvey / WWF-Canon
Eine Sirene ertönt über Pokola im Nordteil der Republik Kongo. Sie warnt Heerscharen von Passanten, sofort Platz zu machen für ein rasch landendes Flugzeug.
Wenn sie nicht zur Start oder Landung von Maschinen genutzt wird, ist Pokolas Rollfeld in der Mitte des Dorfes ein wichtiger Treffpunkt und eine bedeutende Durchgangsstation. Ursprünglich lag die Landebahn außerhalb der Stadt inmitten des dichten Regenwaldes. Doch die Siedlung ist rasch gewachsen: Aus einem kleinen Holzfällercamp zu einer wuselnden Kleinstadt mit über 13.000 Einwohnern. Rings um die Landebahn wuchsen Häuser und Märkte.
Heute boomt das Business in Pokola – besonders die Waldwirtschaft, welche die reichen Ressourcen Kongos ausbeutet. Viele wundern sich, wie lange das Wirtschaftswachstum wohl noch anhalten wird. „Holzunternehmen sind nicht immer darauf aus, alle Bäume aus dem Regenwald zu holen“ sagt Jacob Sterling, Naturschutz-Direktor des WWF Dänemark. „Trotz all der Probleme gibt es Unternehmen, die daran arbeiten, sicherzustellen, dass die Industrie nachhaltig ist und dass die lokale Gemeinschaft von ihr profitiert und zur Entwicklung der nationalen Wirtschaft beiträgt.“
In Menschen investieren
Eines dieser Unternehmen ist CIB (Congolaise Industrielle des Bois), mit mehr als 1.700 Angestellten größter Arbeitgeber der Stadt. Die Firma, im Besitz des dänischen Holzgiganten Dalhoff, Larsen & Horneman A/S (DLH), verfügt über riesige Konzessionen im nördlichen Kongo (1,3 Millionen Hektar) und sorgt mit ihren zahllosen Holzeinschlägen und Sägewerken für die größte Wirtschaftsaktivität in der Region.
Wie so oft kann der Bau eines Sägewerks in der Mitte eines Waldes – weit weg von jeder Regierungskontrolle und staatlicher Aufsicht – das Startsignal zur kompletten Entwaldung sein. Doch so ist es in Pokola eben nicht. Hier ist nachhaltige Waldbewirtschaftung die Norm – und das in einer Region, die geplagt wird von illegalem Holzeinschlag und Waldumwandlung.
„Begleitet von nachhaltiger Managementmaßnahmen investieren wir langfristig in dieses Gebiet, um die Waldressourcen zu erhalten“ sagt Lucas van der Walt, CIB-Umweltkoordinator. „Das kommt nicht nur dem Wald zugute, sondern den lokalen Kommunen, die von diesen Wäldern abhängig sind.“
Viele der Kinder Pokolas werden eines Tages im nahe gelegenen Sägewerk arbeiten. CIB hat schon heute Interesse an zukünftigen Arbeitskräften und investiert daher in die örtlichen Schulen. Das Forstunternehmen hat außerdem ein Krankenhaus gegründet, wo es eine erschwingliche Medikamentenversorgung für die Angestellten und ihre Familien gibt. „Es gehört zur sozialen Verantwortung des Unternehmens, in die künftigen Generationen zu investieren,“ sagt van der Walt.
Nachhaltig wirtschaften ist machbar
Dieses ökologische und soziale Bewusstsein war jedoch nicht immer das Kennzeichen von CIB. In den neunziger Jahren wurde das Unternehmen wiederholt von verschiedenen Umweltorganisationen, darunter dem WWF, für ihre schlechte Behandlung der indigenen Pygmäen-Bevölkerung kritisiert und dafür, dass es nicht fähig war, in seinen Waldkonzessionsgebieten die Wilderei solch bedrohter Arten wie Gorillas und Schimpansen zu kontrollieren. Auch einige der damaligen Waldwirtschaftspraktiken wurden in Frage gestellt, weil sie erhebliche Auswirkungen auf den Regenwald hatten.
Schließlich begann CIB Ende der neunziger Jahre, die Bedenken der Umweltverbände zu beachten und sich in Richtung nachhaltiger Waldwirtschaft zu entwickeln. Sie entwarfen einen Waldmanagementplan auf der Grundlage eines nachhaltigen Holzeinschlags und führten eine umfassende Katalogisierung der Baumarten und der Tierarten durch. Es dauerte drei Jahre und bedurfte Hunderte von Arbeitern, um allein die Waldkonzessionsgebiete im Nordkongo zu kartieren.
„Dieses so gewonnene Wissen erlaubte uns, die gezielte Entnahme bestimmter Bäume sorgfältig zu planen und die dabei anfallende Zerstörung von Waldfläche auf ein Minimum zu beschränken. Außerdem vermeiden wir seitdem Gebiete von kultureller Bedeutung und andere empfindliche Lebensräume“ sagt van der Walt.
Heute erntet das Unternehmen im Durchschnitt einen Baum pro Hektar über einen Zeitraum von 30 Jahren. Dabei geht CBI sehr vorsichtig vor und lässt den Wald sich regenerieren, nachdem die Kettensägen verstummt sind.
Das alles ist auch Eigennutz: Wenn zu viele Bäume abgesägt werden, degeneriert nicht nur der Wald. Es würde das Ende des Holzgeschäftes für CBI bedeuten. Und zugleich das Ende all der sozialen Errungenschaften in der Gemeinde.
Der Managementplan sieht auch vor, mit den vielen Pygmäengruppen des Waldes zusammenzuarbeiten. Um etwa zu vermeiden, dass Bäume in Gebieten gefällt werden, die für sie wichtig sind, wurden die Pygmäen gebeten, ihre Lebensräume ebenso zu markieren wie ihre Grabstätten sowie ihre Jagd- und Fischgründe. Diese wurden dann in ein GPS-Satellitenkoordinatensystem gespeichert.
Meilenstein in der Entwicklung einer nachhaltigen Forstwirtschaft war die FSC-Zertifizierung des 296.000 Hektar großen Kabo-Konzessionsgebietes als Beweis für dessen nachhaltiges Waldmanagement. Jetzt ist es das Ziel von CBI, dass bald alle Konzessionsgebiete des Unternehmens im Kongo FSC-zertifiziert werden. „Noch vor zwei, drei Jahren waren es nur wenige, die daran glaubten, wir würden das schaffen: eine FSC-Zertifizierung für tropischen Regenwald in Zentralafrika“ sagt Sterling. „Man kann nur hoffen, dass andere Holzunternehmen dem Beispiel CBI folgen werden.“

