Im Dschungelfieber: Leben ohne Jahreszeiten
Was unterscheidet einen Regenwald vom Rest der Welt?

- Dzanga Sangha in Zentralafrika. © Ralf Bäcker / WWF
Zur Zeit bedecken noch etwa vier Millionen Quadratkilometer Tieflandregenwald die Erde. Sie bilden den Kern des Tropenwaldgürtels entlang des Äquators. Das WWF-Projektgebiet Dzanga-Sanga in Zentralafrika liegt in einem der größten noch verbliebenen Regenwaldgebiete.
Regen und Wärme bis in die Berge
Regenwälder sind immergrün: Ihre großblättrigen Bäume bilden ein dichtes Kronendach. Experten unterscheiden Tieflandregenwälder bis in 800 Meter Höhe, Bergregenwälder bis 2.100 Meter sowie Bergnebelwälder und Wolkenwälder bis 3.200 Meter über Meeresspiegel. Im Durchschnitt fallen bis über 2.000 Millimeter Regen fast regelmäßig über das Jahr verteilt – das ist viermal so viel wie in Deutschland.
Selten ist es für längere Zeit trocken. Auch die Temperatur ist das ganze Jahr über mehr oder weniger gleich: Im Tieflandregenwald liegt sie zwischen 23 und 28 Grad Celsius im Tagesdurchschnitt. Zum Vergleich: Selbst die mittleren Tagestemperaturen im Juli in der heißesten Region Deutschlands, dem Oberrheingraben von Mainz bis Freiburg, steigen nicht höher als 20 Grad Celsius.
Es gibt keine Jahreszeiten: Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist in Zentralafrika mit bis zu neun Grad Celsius größer als der zwischen den Monaten Januar und August mit nur einem Grad Celsius.
Etagenwohnung Regenwald
Der Tiefland-Regenwald kann bis zu vier verschiedene Wachstums-Stockwerke entwickeln. Die Baumriesen des Obergeschosses ragen mit bis zu 60 Metern hoch über das geschlossene Kronendach hinaus. Dieser grüne Baldachin wiederum erreicht eine Höhe von 35 Metern. Darunter bildet sich, je nach Lichteinfall, eine dritte, oft auch eine vierte Etage.
Kräuter und Sträucher am Boden hingegen, wie wir sie aus unseren Wäldern kennen, wachsen in der Regel nur spärlich. Gräser fehlen meist völlig.
Die Bewohner der Etagen
Jede Ebene vom Boden ab bis in die Wipfel hat ihre eigenen Nahrungsspezialisten ausgebildet. Erstaunlich dabei ist: Alles fressende Vögel zum Beispiel besiedeln vor allem die Kronenregion. Auf bestimmte Nahrung spezialisierte Arten hingegen leben mehr im Unterholz. Weshalb?
Die Kronen der Wipfelregion sind groß, und einzelne Arten stehen weit auseinander. Spezielle Baumarten oder gar bestimmte Früchte oder Samenkapseln aufzusuchen, würde für Pflanzen fressende Tiere einen zu hohen Energieaufwand erfordern – zumal einige Bäume nur zu bestimmten Zeiten ihren Nektar oder Samen produzieren. Ein Vogel etwa, der nur bestimmte Früchte verspeist, müsste täglich große Strecken zurücklegen, um satt zu werden. Ein weniger wählerischer Allesfresser hingegen kann sich schon nach kurzer Strecke verköstigen.
Im Unterholz hingegen sind Allesfresser im Nachteil. Die einzelnen Pflanzen dort sind, da es weniger Licht gibt, viel kleiner ausgebildet. Dafür gibt es wesentlich mehr Individuen als in der Kronenregion. Hier wächst sozusagen das Frühbeet der Tropenwälder.
Die Pflanzen hier wachsen außerdem langsamer. Das bedeutet: Früchte oder Nektar sind damit an einer bestimmten Stelle über längere Zeit vorhanden.
Hier ist es also von Vorteil, besonders effektiv zu ernten, um die höchsten Erträge zu sichern – ein klarer Fall für Spezialisten.

