WWF Deutschland
In den letzten Wäldern Madagaskars leben einzigartige Erben unserer Erdgeschichte: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es – neben Australien – so viele einzigartige Lebewesen. Unter Naturwissenschaftlern gilt die Madagaskar südöstlich Afrikas deshalb als achter Kontinent.
Hier feiert die Natur Rekorde. Seit der Abspaltung vom afrikanischen Festland vor etwa 150 Millionen Jahren konnten sich in Madagaskar auf 587.000 Quadratkilometern (das entspricht mehr als der anderthalbfachen Fläche Deutschlands) viele altertümliche Tier- und Pflanzenformen ungestört erhalten und zu Arten entwickeln, die sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Von den etwa 12.000 Arten von Blütenpflanzen und den 109 Säugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 250 Vogelarten rund die Hälfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch.
Doch die Tage vieler dieser Tiere und Pflanzen sind gezählt, denn ihre Lebensräume schrumpfen in einem rasanten Tempo und werden bald ganz verschwunden sein, wenn der Zerstörung nicht Einhalt geboten wird.
Von den ursprünglichen tropischen Wäldern der Insel sind heute nur noch zehn Prozent übrig. Denn die Inselbevölkerung ist so arm, dass sie ihren Wald rodet, um neues Ackerland und Feuerholz zu gewinnen. Madagaskar steht damit im Brennpunkt des weltweiten Naturschutzes. Der WWF ist dort bereits seit seiner Gründung im Jahr 1963 aktiv, denn hier entscheidet sich beispielhaft das Schicksal der Artenvielfalt der Erde – und zwar nicht erst in ferner Zukunft, sondern bereits heute. Noch haben wir es in der Hand, die Weichen richtig zu stellen und die einzigartigen Lebensräume Madagaskars zu retten, wenn alle Partner an einem Strang ziehen.
Als 'Geschenk an die Erde' würdigte der WWF die Ankündigung des madagassischen Präsidenten Marc Ravalomanana, die Schutzgebiete des Landes um fünf Millionen Hektar auf nunmehr die dreifache Fläche zu vergrößern. So stehen nun zwei Drittel der verbliebenen Waldfläche des Landes formal unter Schutz. Damit verbessern sich auch die Überlebenschancen der bedrohten Lemuren, den Halbaffen, von den Einheimischen ehrfürchtig 'Waldgeister' genannt.
Doch wen kümmern schon schwindende Wälder und Arten, wenn er nicht weiß, ob er morgen noch genug zu essen hat? Darum legt der WWF den Schwerpunkt seiner Arbeit nicht nur auf Wiederaufforstung und den Schutz und die langfristige Finanzierung der Nationalparks. Gemeinsam mit dem Kultusministerium und der finanziellen Unterstützung der KfW-Entwicklungsbank entwickelte der WWF das regelmäßig erscheinende Umweltmagazin 'Ny Voary' ('Natur'). Mittlerweile steht es fast jedem der drei Millionen Schulkinder Madagaskars zur Verfügung.
Den Gemeinden werden außerdem die Nutzungsrechte an Wäldern übereignet. Im Gegenzug verpflichten sie sich, das Land nachhaltig zu bewirtschaften und vor Rodung zu schützen. Sehr erfolgreich läuft landesweit die Einführung von Brennstoff sparenden Öfen, um die kostbare Ressource Holz zu schonen.
Um die langfristige Finanzierung der insgesamt 46 madagassischen Naturschutzgebiete sicher zu stellen, hat der WWF 2003 zusammen mit der Weltbank, der KfW und anderen Partnern einen so genannten Umweltfonds eingerichtet. Aus diesem Geldtopf werden die laufenden Betriebs- und Unterhaltungskosten der Schutzgebiete bezahlt.
Madagaskar: Seit über 40 Jahren Einsatz des WWF
Der „achte“ Kontinent: Länderinformation
Lemuren: Die Waldgeister Madagaskars
Titel: Madagaskar
Link: http://www.wwf.de/regionen/madagaskar/