WWF Deutschland
Der nordostatlantische Schelf gehört zu den ökologisch wertvollsten Meeresregionen der Erde. Zugleich ist dieses Flachmeer mit Kontinentalabhang ein von Menschen besonders genutzter Ozean. Der englische Kanal gilt als die am meisten befahrene Schifffahrtsstraße der Welt. Entsprechend groß sind die Umweltprobleme, vor allem durch die Ausbeutung von Bodenschätzen und der Fischerei.
Oft sind die Gewässer vor den Küsten leer gefischt und moderne Fangflotten erschließen deshalb zunehmend auch die Tiefsee bis in 2.000 Meter. Seeberge, die vielen Tiefseefischen als Laich- und Nahrungsgebiet dienen, sind für die Fangflotten besonders attraktiv. Dabei werden allerdings viele Fischarten weggefischt, die nur langsam nachwachsen, wie beispielsweise der Grenadierfisch oder der Granatbarsch, der nur wenige Nachkommen hat und mehr als 100 Jahre alt werden kann, ein Methusalem unter den Fischen.
Doch nicht nur Seeberge sind durch die Fischerei bedroht, sondern auch Kaltwasserkorallen. Kaum jemand weiß, dass es sie auch im Nordostatlantik gibt – riesige Korallenriffe, Oasen des Artenreichtums. Kein Wunder, denn sie befinden sich in einer Tiefe zwischen 200 und 2.000 Metern unter dem Meeresspiegel. Sie stehen ihren tropischen Verwandten an Vielfalt, Schönheit und ökologischer Bedeutung in nichts nach. Doch Fischereiflotten verwüsten mit ihren Bodenschleppnetzen voller tonnenschwerer Ketten und Stahlplatten diese in Jahrtausenden gewachsenen Bauwerke unzähliger Kleinlebewesen.

Der WWF hat bereits seit vielen Jahren die Beschlüsse der politischen Gremien zum Schutz des Nordostatlantik beeinflusst – von der Internationalen Nordseeschutzkonferenz bis zum Abkommen über den Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR).
Mit dem Abkommen zum Schutz des Nordostatlantik (OSPAR) wurde Anfang der 90er Jahre erstmals ein verbindliches Protokoll von den Anrainerstaaten unterschrieben, das sich vor allem auf die Vermeidung von Schadstoffeinträgen in die Ozeane bezog. 1998 wurde das Abkommen erweitert um die Verpflichtung, Arten, Lebensräume und Ökosysteme im Meer zu schützen. Erst seit 1999 erfolgen die ersten konkreten Schritte zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten in den "Ausschließlichen Wirtschaftszonen" europäischer Staaten, viele davon auf Vorschlag des WWF. Darüber hinaus fordert der WWF zusammen mit anderen Umweltorganisationen von den Vereinten Nationen ein Moratorium für Bodenschleppnetze in internationalen Gewässern.
Beim Schutz von Tiefseelebensräumen hat der WWF inzwischen bahnbrechende Erfolge vorzuweisen: Im Juni 2002 erklärte die Regionalregierung der Azoren das 400 Quadratkilometer große Areal um die schwarzen Raucher „Lucky Strike“ und „Menez Gwen“ zum ersten Tiefseeschutzgebiet im Atlantik.
Unerlässlich für den Erfolg von Meeresschutzgebieten ist es, dass die Fischerei umweltverträglich gestaltet wird. Den Durchbruch brachte hierbei der Beschluss des EU-Ministerrats im März 2004, die in 1.000 Metern Tiefe gelegenen „Darwin Mounds“ vor Schottland mit ihren seltenen Korallenformationen dauerhaft für Bodenfischerei zu sperren.
Typische Tiere der Nordsee:
Titel: Nordsee / Nordostatlantik
Link: http://www.wwf.de/regionen/nordsee-nordostatlantik/