Kaltwasserkorallen Teil 2: Rettung in letzter Minute?

- Kaltwasserkorallen mit einem Seestern namens Gorgonenhaupt.
Kaltwasserkorallen siedeln sich nicht überall an. Sie bevorzugen gerne absterbendes Material als Fundament. Was dabei für sie wichtig ist, weiß man noch nicht genau. Ein zerstörtes Riff dürfte jedenfalls wegen der veränderten Strömungsbedingungen nicht so schnell in Frage kommen.
Zusätzlich zur Fischerei gefährden auch Öl- und Gasbohrungen sowie der Bau und Unterhalt von Rohren und Kabeln die sensiblen Lebewesen. Denn der durch solche Aktivitäten verursachte erhöhte Schwebstoffgehalt im Wasser beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit der Korallen und kann sogar tödlich sein. Verschmutzungen durch Ölplattformen konnten noch in sechs Kilometer Entfernung von ihrem Ursprung nachgewiesen werden - das zeigt, dass es zum großflächigen Schutz dieser Lebensräume keine Alternative gibt.
Der WWF sieht in den Kaltwasserkorallenriffen ein Beispiel für einen äußerst empfindlichen Lebensraum, der durch menschliche Aktivitäten in seinem Bestand und seiner Funktion innerhalb des gesamten Meeresökosystems stark gefährdet ist. Ähnlich wie Schwammfelder, Muschelbänke und andere "biologisch strukturierte" Lebensräume erhöhen Kaltwasserkorallenriffe die biologische Vielfalt und die Produktion unserer Meere. Deshalb hat es sich der WWF zur Aufgabe gemacht, diese Schätze der Tiefsee zu bewahren.
Der Schutz der norwegischen Riffe, für den sich das Nordost-Atlantik-Programm des WWF stark gemacht hatte, war ein großer Erfolg. Aber dabei darf es nicht bleiben. Um so erfreulicher ist es, dass inzwischen auch ein anderes Gebiet mit Kaltwasserkorallen unter Schutz gestellt wurde. Rund um die so genannten Darwin Mounds 185 Kilometer nordwestlich von Schottland ist nun nach Beschluss der Europäischen Kommission das Fischen mit Grundschleppnetzen verboten.
Charles Darwin hätte sie noch ungestört gesehen
Die Darwin Mounds bestehen aus mehreren Riffen und stellen einen ganz besonderen Lebensraum der Kaltwasserkorallen dar. Sie beherbergen außerdem bis zu 20 Zentimeter (!) große Einzeller, die so genannten Xenophyophoren. Tiefseefische wie der Grenadierfisch leben hier. Schwämme, Schlangen- und Seesterne nutzen die Korallen als Anker und Schutzraum.
Nach ihrer Entdeckung 1998 wurde durch Sonar-Aufnahmen schnell klar, dass dieses Ökosystem bereits von den Verwüstungen der Grundschleppnetze Narben trägt. Um der Zerstörung dieser prächtigen Korallengärten Einhalt zu gebieten, forderte der WWF über sein Nordost-Atlantik-Programm im Juni 2001 von der Europäischen Kommission den sofortigen Stopp der Grundschleppnetzfischerei auf den Darwin Mounds. Mit Erfolg: Im August 2003 erließ die Europäische Kommission eine sechsmonatige Not-Verordnung mit dem Verbot dieser Fischereimethode. Inzwischen ist dort ein zusätzliches, permanentes Fischereiverbot Kraft.
Die Arbeit des WWF trägt also Früchte, ist aber auch auf diesem Feld noch lange nicht beendet. Weitere Kaltwasserkorallenriffe des Nordostatlantiks sind noch immer ungeschützt. Auch deshalb ist die Einbeziehung mariner Schutzzonen in die gemeinsame europäische Fischereipolitik ein Kernpunkt der Bemühungen zum Schutz wichtiger Lebensräume.
2008: Das 2. Internationale Jahr des Riffes
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