
- Fließender Übergang von Wasser zu Land: Die Oder mit ihren Auen. © WWF
Die Oder
Die grüne Grenze, die verbindet
Altarme, Feuchtwiesen und Auenwälder sind wichtige Landschaftselemente der über 850 Kilometer langen Oder, die auf mehr als 160 Kilometern die Grenze zwischen Deutschland und Polen bildet. Mit Unterstützung der Bundesstiftung Umwelt (DBU) konnte der WWF bereits 80.000 Hektar dieser Naturräume unter Schutz stellen – seit 1993 im polnischen Landschaftsschutzpark „Unteres Odertal“ sowie in dem seit 1995 auf deutscher Seite existierenden Nationalpark „Unteres Odertal“.
Gezähmter Fluss
Bereits seit über 150 Jahren wurde durch Begradigung und Vertiefung der Oder versucht, die Anwohner vor Hochwasser zu schützen. Dadurch verkürzte sich der Lauf des Flusses um 190 Kilometer. Etwa 73 Prozent der ursprünglich vorhandenen Auenflächen fielen diesen Maßnahmen zum Opfer. Heute kann die Oder nur noch an zwei Abschnitten natürlich fließen – im Landschaftsschutzpark Poohrí und im Bereich der Oder-Grenzmäander an der polnisch-tschechischen Grenze.
Nachdem ein Oder-Mäander während des großen Hochwassers 1997 brach, entwickelten sowohl die polnische als auch die tschechische Seite Pläne zur Regulierung dieser Mäander. Eine vom WWF erarbeitet Studie belegte jedoch nicht nur den Artenreichtum dieses Oder-Abschnittes, sondern zeigte auch, dass dessen Erhalt keine negativen Auswirkungen auf den Hochwasserschutz der nahe gelegenen Stadt Bohumín hätte. Beide Seiten erklärten daraufhin im Oktober 2003 ihren Verzicht auf einen Rückbau der Mäander.
Modellprojekt zum ökologischen Hochwasserschutz
Bis jetzt setzt die polnische Regierung vor allem auf den technischen Hochwasserschutz durch Deicherhöhung oder den Bau von Rückhaltebecken. Daran hat auch das verheerende Oder-Hochwasser von 1997 mit Milliarden-Schäden nichts geändert. Mit Hilfe eines Modellprojektes im Gebiet Domaszkow-Tarchalice versucht der WWF daher, das Konzept des ökologischen Hochwasserschutzes in Polen bekannter zu machen. Durch eine Deichrückverlegung auf einer Länge von 7,5 Kilometern sollen dort 670 Hektar neue Überflutungsflächen geschaffen werden. Dieser Flussabschnitt der Oder ist dafür gut geeignet, da dort noch naturnahe und zusammenhängende Auengebiete vorhanden sind.
Der Oder-Auen-Atlas des WWF
Im Dezember 2000 präsentierte der WWF den dreisprachigen Oder-Auen-Atlas. Auf über 50 Karten sind darin die Oder mit ihren Biotoptypen, ausgewählten Tier- und Pflanzenindikatoren sowie geographischen und wasserbaulichen Daten dargestellt. Damit liegt erstmalig eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für Naturschutzarbeit und Raumentwicklung in diesem Gebiet vor.
Naturschätze an der Oder 
