
- © WWF / Christian Ziegler
Nationalparks an der Ostsee
Fünf Nationalparks sind zwischen 1985 und 1990 an Deutschlands Küsten entstanden. Sie wurden vom WWF mit angeregt, mit aufgebaut und begleitet.
Heute zieht der WWF eine positive Bilanz: Die ostdeutschen Nationalparks – das Tafelsilber der Deutschen Einheit – wurden gut gepflegt. Es gibt große Fortschritte im Naturschutz, eine hohe Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung, mehr Tourismus und ein gutes Image. Durch die Einrichtung der Nationalparks konnten viele ökologische Belastungen verringert oder beseitigt werden.
Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wurden militärische Siedlungen beseitigt, Feuchtgebiete renaturiert und somit auch wieder Überflutungsraum geschaffen. Die 2,8 Millionen Besucher jährlich werden durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit informiert. Neben Beobachtungsständen, Informationshäusern oder Bohlenwegen gibt es auch attraktive Tourismusangebote wie „die Woche des Kranichs“. Jedes Jahr im Herbst können Besucher Kraniche beobachten und an Veranstaltungen rund um den Kranich teilnehmen.
Doch es bleibt auch noch Einiges zu tun: Zwar sind die Ostsee-Nationalparks als Meeresschutzgebiete im Rahmen des Helsinki-Abkommens ausgewiesen, allerdings bemängelt der WWF noch die Umsetzung der Schutzregeln auf dem Wasser, das 80 Prozent der Parkfläche ausmacht. Hier fehlt es noch an Ausrüstung und Ausbildung des Personals. Nach wie vor ungelöst ist der Konflikt um Schließung und Ersatz für den Nothafen Darßer Ort. Überhöhte Wildbestände und die Art der Forstwirtschaft sind immer noch nicht nationalparkgerecht.
Im Nationalpark Jasmund wurde die Kernzone auf 86 Prozent des Parks vergrößert. Das genügt aber noch nicht: Die Waldnutzung in der Kernzone muss ebenso eingestellt werden wie die Bejagung von Fuchs, Marder und Marderhund. Die Hirschbestände haben sich in den letzten Jahren so erhöht, dass sich die wertvollen Orchideen Jasmunds (wie der Frauenschuh) nicht mehr nachweisen lassen.
Das 2004 eröffnete Nationalparkzentrum Königsstuhl, das der WWF initiiert und eingerichtet hat, ist die neue Touristenattraktion des Nationalparks Jasmund und informiert jährlich hunderttausende Besucher über Besonderheiten dieser einmaligen Naturlandschaft. Auch die Wiederansiedlung von Kegelrobben könnte hier bald möglich werden, wenn zumindest in den Wurfzeiten im Winter Teile der Kreideküsten-Strände für Besucher gesperrt blieben.
Im Biosphärenreservat Südost-Rügen, im touristisch begehrtesten Teil der Insel gelegen, hebt der WWF die Einführung einer nachhaltigen Forstwirtschaft hervor. Bislang ist es allerdings hier nicht gelungen, gemeinsam mit den Gemeinden einen Entwicklungsweg für das Reservat zu finden. Mängel gibt es – trotz hoher Gästezahlen – bei der Umweltbildung und in der Öffentlichkeitsarbeit.
Inzwischen haben sich die deutschen Nationalparks zu einer modernen „Naturschutz-Dachmarke“ entwickelt und gehen gemeinsam an die Besucher und die Öffentlichkeit unter dem Namen „Nationale Naturlandschaften“.
Natur Erlebnis Rügen - Ein Natur-Führer für Deutschlands größte Insel
