
- Altarm des Rheins. © Eckbert Schneider / WWF
Der Rhein
Hochwasserschutz und Auenwiederbelebung
Der Rhein ist eine der am stärksten befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt: Mehr als eine Million Container werden jedes Jahr auf dem Fluss transportiert. Um 880 Kilometer befahrbar zu machen, wurde insgesamt 450 Dämme gebaut. Fast 130 Quadratkilometer wertvoller Auengebiete wurden durch diesen jahrzehntelangen Ausbau vom Fluss abgeschnitten. Diese Flächen konnten somit bei Hochwasser nicht mehr überflutet werden, was zu einer spürbaren Steigerung der Hochwassergefahr rheinabwärts führte.
Um dem entgegenzuwirken, verpflichteten sich Deutschland und Frankreich 1982 zur Wiederherstellung der Auenflächen als eine natürliche Hochwasserschutz-Maßnahme. Im Rahmen dieser Vereinbarung hat das Land Baden-Württemberg 1988 das Integrierte Rheinprogramm (IRP) ins Leben gerufen. Auf 13 ehemaligen Auenflächen des Bundeslandes sollen Hochwasser-Rückhalteräume (Polder) mit einem Rückhaltevolumen von insgesamt 167 Millionen Kubikmetern geschaffen werden. Drei dieser Flächen – das Kulturwehr Kehl/Straßburg, der Polder Altenheim sowie seit Ende 2005 der Polder Söllingen/Greffern – stehen bereits für den Hochwasserschutz zur Verfügung.
Der WWF konnte sich durch sein WWF-Auen-Institut an den Planungen zum Bau des Polders Söllingen/Greffern beteiligen. Das baden-württembergische Regierungspräsidium hatte diesem den Auftrag zur Erstellung der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) erteilt. Hierdurch war es möglich, Aspekte eines ökologischen und naturverträglichen Hochwasserschutzes am Oberrhein in die Planungen der Polder einzubringen.
Polder Söllingen/Greffern
Der 580 Hektar große Polder Söllingen/Greffern südlich der Staustufe Iffezheim ist auf ein maximales Rückhaltevolumen von zwölf Millionen Kubikmetern ausgelegt. Er ist größtenteils bewaldet oder dient der Kiesgewinnung. Eine Flutung des Polders erfolgt nur bei extremen Hochwasserereignissen, mit denen etwa alle 30 Jahre zu rechnen ist. Um jedoch die Wälder und Lebensgemeinschaften auf diesen Flächen auf ein solches Hochwasserereignis vorzubereiten und so die ökologischen Schäden möglichst gering zu halten, war es den Mitarbeitern des WWF ein besonderes Anliegen, so genannte „ökologische Flutungen“ für den Betrieb des Polders durchzusetzen. Hierbei werden die Gewässer im Polder an bis zu 190 Tagen im Jahr mit zusätzlichen Wassereinleitungen aus dem Rhein durchflutet. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Wasserstände auf der Fläche. An bis zu sechs Tagen im Jahr kann der Polder sogar völlig überflutet werden.
Mit der Einführung eines solchen Betriebssystems kann es gelingen, auf Flächen entlang des Rückstaubereiches des Rheins zumindest auenähnliche Verhältnisse wiederherzustellen. Erste ermutigende Erfahrungen konnten bereits in den ökologischen Begleituntersuchungen im Polder Altenheim nachgewiesen werden.
Bellenkopf/Rappenwört
Derzeit ist der WWF auch an den laufenden Planungen für den Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört beteiligt. Im Gegensatz zum Polder Söllingen/Greffern liegt dieser Rückhalteraum entlang der so genannten „freien Fließstrecke“ des Rheins. Hier konnten noch einige intakte Auenflächen erhalten werden.
Der geplante Polder liegt unmittelbar vor den Toren Karlsruhes zwischen den Rhein-Kilometern 354,5 und 359,5. Sein derzeit geplantes Rückhaltevolumen wird je nach Bauausführung bei über zehn Millionen Kubikmetern Wasser liegen.
Das überwiegend bewaldete Gebiet konnte bis zum Bau des Hochwasserschutzdammes 1934/35 noch regelmäßig vom Rhein überflutet werden. Da es sich um eine der wenigen Flächen am Rhein handelt, die sich für einen direkten Wiederanschluss an das Hochwasserregime eignen könnten, ließen sich durch eine reine Rückverlagerung des derzeitigen Hochwasserschutzdammes nahezu 1.000 Hektar Auen renaturieren.
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