
- Nicht Kanada: Es ist der Schaalsee, aus der Luft betrachtet. © Thomas Neumann / WWF
Die Schaalsee-Landschaft
Kleinod aus Seen und Buchenwäldern
Einst verlief die deutsch-deutsche Grenze durch die Hügel- und Seenlandschaft zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und zerschnitt sie auf unnatürliche Weise. Die Natur blieb andererseits vor der Zerstörung durch Infrastrukturmaßnahmen verschont. Eine Vielzahl bedrohter Arten hatte sich in diesen ehemaligen innerdeutschen Grenzraum zurückgezogen. Der WWF setzt sich deshalb auf schleswig-holsteinischer Seite bereits seit 1972 und seit der Grenzöffnung 1989 auch auf mecklenburgischer Seite mit einem Bündel von Maßnahmen für den Schutz und die Renaturierung dieser gut 335 Quadratkilometer großen Landschaft ein.
Eingebettet in ein eiszeitlich geformtes Hügelland, bilden 24 Seen die einzigartige Schaalsee-Landschaft. Zusammen mit Mooren, urwüchsigen Buchenwäldern und alter Kulturlandschaft begünstigen sie das Vorkommen einer reichen Tier- und Pflanzenwelt. In der Seenlandschaft tummeln sich Fischotter, brüten Kraniche und Seeadler. Jedes Jahr ab dem Spätsommer rasten mehr als 25.000 Enten und Gänse auf den Wasserflächen. Herz der Region ist der Schaalsee. Er ist 2300 Hektar groß und mit 72 Metern der tiefste See Norddeutschlands. Sein Markenzeichen sind die vielen Buchten, Halbinseln (Werder) und Inseln. Es gibt daher keine Stelle am Ufer, von der aus man den gesamten See überblicken kann. Die Vielgestaltigkeit der Uferlinie wird geprägt durch ausgedehnte Röhrichte, Erlenbruchwälder und Steilhänge mit altem Buchenbestand. Diese Lebensräume beherbergen eine Vielzahl an Pflanzen– und Tierarten. Seine Größe und die eingerichteten Ruhezonen machen den Schaalsee zu einem Refugium für verschiedene störungsempfindliche Wasservogelarten während der Mauser-, Rast und Überwinterungszeit. Der Schaalsee und die umgebende Landschaft sind deshalb als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
Der WWF schützt große Flächen
Mit der Grenzöffnung entwickelten sich natürlich auch zahlreiche wirtschaftliche Nutzungsansprüche, die nicht immer naturverträglich sind. Und nicht jeder Tourist weiß oder berücksichtigt, dass Naturentwicklungszonen, zumindest zu sensiblen Jahreszeiten wie zum Beispiel zur Brutzeit, gesperrt sind. Damit die Schaalsee-Landschaft auch in Zukunft Heimat für bedrohte Tiere und Pflanzen bleibt, hat der WWF bereits 1990 ein 335 qkm großes, länderübergreifendes Schutzprojekt mit auf den Weg gebracht. Seit 1991 ist die gesamtstaatliche Bedeutung anerkannt und das Naturschutzgroßprojekt vom Bund und den beiden Ländern finanziell unterstützt. Mit den Landkreisen Herzogtum Lauenburg, Nordwestmecklenburg und Ludwigslust hat der WWF als Projektträger einen Naturschutzzweckverband gegründet. Seine Aufgabe: gemeinsam mit dem Bund und den beiden Ländern die heimische Biotop- und Artenvielfalt im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze sichern und entwickeln. Naturschutz erfolgt hier mit den Menschen: Die Satzung basiert auf dem Kommunalrecht und sichert eine „Naturschutzdemokratie im Kleinen“, denn in der Verbandsversammlung entscheiden Kreistagsdelegierte und der WWF. Die Umsetzung der Inhalte erfolgt ausschließlich auf freiwilliger Basis.
Vorrangiges Ziel ist es, Flächen zu erwerben, damit Seen, Wälder und Moore sich ungestört entwickeln können. Das Kerngebiet von 14.700 Hektar soll über Schutzgebiete dauerhaft gesichert werden. Im Besitz des Zweckverbandes „Schaalsee-Landschaft“ befinden sich bereits rund 4.500 Hektar. Ein bedeutender Teil der Eigentumsflächen, darunter große Laubwaldkomplexe, sind bereits aus der Nutzung genommen, hier darf sich die Natur nach eigenen Gesetzen entwickeln. Von dieser neuen Wildnis profitieren nicht nur Tierarten, die z.B. auf alte, totholzreiche Wälder angewiesen sind, sondern auch der Mensch, dem sich ein besonderes Naturerlebnis bietet.
Erfreulich: Aufgrund der Schutzmaßnahmen stieg die z.B. Zahl der in den Wäldern brütenden Seeadler auf 6 Paare an. Durch die Einrichtung von ungenutzten Kernzonen auf verschiedenen Seen bleiben die Rast- und Brut-Bestände aller Wasservogelarten stabil oder nehmen sogar deutlich zu.
In der Nachbarschaft der vom Zweckverband erworbenen Kernzonen wird eine naturverträgliche Nutzung von Wiesen und Äckern angestrebt. Das Interesse und Verständnis der Erholungssuchenden allerdings ist für die nachhaltige Nutzung der gesamten Region eine wesentliche Vorraussetzung und wird deshalb durch gezielte Besucherinformation und Umweltbildung gefördert.
Die Schaalsee-Landschaft ist heute auf mecklenburgischer Seite ein UNESCO-Biosphärenreservat, auf schleswig-holsteinischer Seite ein Naturpark.
Weitere Informationen
Zweckverband Schaalsee-Landschaft
Am Markt 10
23909 Ratzeburg
Tel. 04541 888399
Fax 04541 888407
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Kontakt
WWF-Fachbereich Naturschutz-
Flächenmanagement
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