
- Alt-Rhein. © Eckbert Schneider / WWF
Schutzgebiete-Kategorien in Deutschland
Was Nationalpark, Biosphärenreservat und Naturpark bedeuten
Wildnis erleben in Deutschland? Das geht durchaus. Allerdings ist die allermeiste Natur bei uns schon lange nicht mehr ursprünglich. Um so wichtiger sind Schutzgebiete: In Deutschland gibt es 14 Nationalparks, 17 Biosphärenreservate und über 90 Naturparks. Sie gewährleisten Natur "pur" bis Natur "light".
Alle deutschen Naturschutzgebiete zusammen sind laut Bundesamt für Naturschutz rund 1,2 Millionen Hektar groß. Das entspricht 3,5 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands oder der rund vierfachen Größe des Saarlandes.
Nationalpark
gilt als die höchste Schutzkategorie. Nationalparks sollen laut Bundesnaturschutzgesetz "vornehmlich der Erhaltung eines möglichst artenreichen heimischen Tier- und Pflanzenbestandes dienen". Sie sollen ferner möglichst großräumig und von besonderer Eigenart sein und sich in einem vom Menschen weitgehend unbeeinflussten Zustand befinden. Gerade die letzte Bedingung erfüllt bis heute kaum einer der 14 deutschen Nationalparks.
In Nationalparks soll prinzipiell Wildnis dauerhaft geschützt werden und jede wirtschaftliche Nutzung durch Jagd, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau untersagt sein. Der Mensch ist nur als Beobachter zugelassen.
Der erste Nationalpark wurde 1872 in Yellowstone/USA geschaffen. Heute gibt es Nationalparks in mehr als 130 Ländern. Einige wurden von der Unesco aufgrund ihrer Einzigartigkeit zum Erbe der Menschheit in Rahmen der gleichnamigen Konvention erklärt: Neben Yellowstone auch Galapagos in Ekuador oder Bialowieza in Polen.
Nationalparks und Biosphärenreservate sind meist in verschiedene Zonen eingeteilt. In der streng geschützten Kernzone hat der Schutz natürlicher Abläufe höchste Priorität. In der Puffer- oder Trägerzone sind nur Forschung, Umweltbildung, gelenkter Tourismus und ökologische Landwirtschaft zugelassen.
Biosphärenreservat
Biosphärenreservate bilden ein von der Unesco initiiertes weltweites Netz großflächiger, region-typischer Schutzgebiete, die von Menschen traditionell bearbeitete Kulturlandschaften umfassen – wie zum Beispiel in der hohen Rhön.
Als Biosphärenreservate ausgewiesen werden vorrangig artenreiche Kulturlandschaften. Biosphärenreservate gelten als Modellregionen für die nachhaltige Entwicklung, wo Naturschutz in Einklang gebracht wird mit Land- und Forstwirtschaft.
Im Biosphärenreservat ist neben der Kernzone ohne Nutzung vor allem die Zone für nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung ein Entwicklungsschwerpunkt.
Naturpark
Naturparks sind einmalige, großflächige Kulturlandschaften, die oft erst durch menschliche Bearbeitung oder durch schieren Raubbau entstanden sind – wie zum Beispiel die Lüneburger Heide oder die ungarische Puszta. Würden diese Landschaften nicht mehr traditionell bewirtschaftet werden, wäre ihr typisches Landschaftsbild binnen kurzem verschwunden. In Deutschland dient diese Kategorie laut Bundesnaturschutzgesetz vor allem der "Steuerung und Entwicklung von Erholungslandschaften".
Naturschutzgebiet
Naturschutzgebiete schützen Lebensräume oder bestimmte Arten aus wissenschaftlichen oder naturgeschichtlichen Gründen, wegen ihrer Seltenheit oder besonderen Eigenart. Soweit es der Schutzzweck erlaubt, sind sie für die Allgemeinheit zugänglich und Land- und Forstwirtschaft sind mit Einschränkungen erlaubt.
Um Naturschutzgebiete herum sind idealerweise Landschaftsschutzgebiete als Pufferzonen ausgewiesen. In diesen wiederum sind wirtschaftliche Nutzungen weitgehend unbeschränkt erlaubt. Sind schützenswerte Lebensräume kleiner als fünf Hektar, werden sie in der Regel als Naturdenkmale ausgewiesen.

