Flüsse und Häfen

- Seehafen Fos-sur-Mer, Frankreich. © WWF-Canon / Michel Gunther
Die großen Flüsse Elbe, Weser und Ems wurden in den vergangenen Jahrzehnten häufig begradigt und vertieft, um sie für immer größere Schiffe befahrbar zu machen.
Die Außenweser wurde 1998 zum vierten Mal um weitere 2,5 Meter und die Elbe 1999 zum sechsten Mal um 1,8 Meter vertieft.
Die Weser
Die derzeit geplante Vertiefung der Weser zwischen Bremen und der Nordsee um rund einen Meter wird erheblichen ökologischen Schaden anrichten: Die Vernichtung von ökologisch wertvollen Flachwasserzonen und strömungsberuhigten Seitengewässern durch Verschlickung und Absinken der Wasserstände bei Ebbe werden fortgesetzt. Lebensraum, Nahrungs-, Aufwuchs- und Laichgebiet für Fische, wie zum Beispiel für die geschützte Finte, gehen verloren.
Die bereits durch die Ausbauten der Vergangenheit verursachten für die Flusstiere und -pflanzen lebensfeindlichen Strömungsverhältnisse und Wasserstandsänderungen werden weiter verschlechtert. Salzwasser wird als Folge der Ausbaumaßnahmen weiter in den Fluss eindringen und Süßwasserlebensräume vernichten. Durch erhöhte Überschwemmungshäufigkeiten der Vorlandbereiche werden Vogelbruten geschützter Arten verlorengehen.
Die Elbe
Die Vertiefungen der Unter- und Außenelbe hatten erhebliche negative Auswirkungen auf den Naturhaushalt: Der Tidenhub (Unterschied zwischen Ebbe und Flut) hat sich in Hamburg von 50 auf ca. 280 Zentimeter erhöht – mit der Folge, dass bei Ebbe die ehemaligen Flachwasserbereiche trocken fallen und Wasserpflanzen mit der daran gebundenen Lebensgemeinschaft in der Unterelbe bereits ausgestorben sind. Der Umfang an Flachwasserbereichen hat erheblich abgenommen, was zu einem Verlust von Laich-, Aufwuchs-, Ruhe- und Rückzugsplätzen von Fischen geführt hat. Auch Nebenarme der Elbe drohen durch die Veränderung der Strömungsverhältnisse zu verlanden. Außerdem kommt es häufig zu Sauerstoffproblemen in der Unterelbe.
Jede weitere Vertiefung führt nach Ansicht des WWF zu einem unkalkulierbaren Risiko für das ökologische Umfeld und die Hochwassersicherheit. Weder ist der Bedarf für die Vertiefungen vernünftig ermittelt, noch ist die Einschätzung der ökologischen Folgen seriös durchgeführt worden.
Die Ems
Selbst die Ems, deren Mündung lange Jahre noch als am wenigsten verbaut galt, wurde in mehreren Schritten extrem ausgebaut – mit der Folge, dass in den Sommermonaten eklatanter Sauerstoffmangel auf mindestens 15 Flusskilometern herrscht. Darüber hinaus wurde 2002 das Emssperrwerk in einem europäischen Vogelschutzgebiet errichtet, um die Überführung größerer Kreuzfahrtschiffe an die Nordsee zu ermöglichen.
Sinnlose Hafenkonkurrenz auf Kosten der Natur
Nun sollen drei Standorte an der Nordseeküste für die weltweit größten Containerschiffe ausgebaut werden. Ökologische Aspekte hat die bisherige Hafenpolitik dabei vernachlässigt.
Niedersachsen und Bremen wollen in Wilhelmshaven einen neuen Tiefwasserhafen installieren, Hamburg für seinen Hafen die Elbe vertiefen. Bremen plant eine weitere Vertiefung der Weser und baut das Containerterminal in Bremerhaven aus. Dieser Wettbewerb um die größten Containerschiffe der Welt ist überflüssig, kostet Milliarden und schädigt Flüsse und Küsten der Nordseeregion.
Der von Bremen und Niedersachsen geplante Tiefwasserhafen an der Jade würde zu bedeutenden ökologischen Verschlechterungen führen, die sich bis in den Nationalpark hinein auswirken. Erhöhte Schwebstoffgehalte durch veränderte Strömungsverhältnisse, die geplante Sandentnahme sowie die Freisetzung von Schadstoffen in der Jade würden Muschelbänke und Sandkorallenriffe sowie zahlreiche Kleinstlebewesen schädigen und den Sauerstoffhaushalt verschlechtern. Auch die zu erwartende Trübung des Wassers würde das Ökosystem stark belasten.
WWF fordert ein Gesamtkonzept für die norddeutschen Häfen
Drei Tiefwasserhäfen sind zuviel. Der WWF kritisiert, dass die Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Bremen ihren wirtschaftlichen Wettbewerb weiterhin auf Kosten der Natur weiterführen. Es fehlt ein nachhaltiges, natur- und sozialverträgliches Gesamtkonzept für die norddeutschen Häfen. Durch Hafenkooperationen und Aufgabenteilung könnten ökologische schädliche, aber auch ökonomisch sinnlose Infrastrukturmaßnahmen gestrichen und die bestehende Ausbausubstanz der Schifffahrtsstraßen überprüft werden.
Der WWF stellt sich nicht grundsätzlich gegen jeden Hafenausbau, schließlich braucht Deutschland eine international konkurrenzfähige Hafenentwicklung. Aber wir brauchen keine teure und umweltschädliche Kleinstaaterei, sondern eine länderübergreifende Lösung. Bevor es kein nationales und nachhaltiges Hafenkonzept für die Nordsee gibt, müssen deshalb nach Ansicht des WWF alle Ausbaupläne auf Eis gelegt werden. Ein Hafenkonzept muss die EU-Schutzstandards wie 'Natura 2000' und die Wasserrahmenrichtline berücksichtigen.
Nothafen Darßer Ort

- © WWF / Annika Magdorf
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