
- Löffler verbringen ihren Sommer in Nordafrika. © WWF
Westafrikanische Meeresregion
Seit 2004 engagiert sich der WWF Deutschland in dieser Ökoregion jenseits der Wüste
Wo an Westafrikas Küste heiße Wüstenwinde auf kalte, nährstoffreiche Ströme aus der Tiefsee treffen, liegt eines der ökologisch wertvollsten Meeresgebiete der Erde. Weil es Fischkutter aus Europa und Asien plündern, kämpft der WWF dort am Äquator für eine nachhaltige Fischerei – mit wachsendem Erfolg.
Ndeye Diop verbringt viel Zeit am Strand. Gleich neben dem Fischereihafen von Hann in der senegalesischen Hauptstadt Dakar verkauft sie Fisch. Auch den, den ihr Mann täglich fängt. Seit über zwölf Jahren steht Ndeye Diop auf dem Fischmarkt. "Vor einigen Jahren noch wurde hier reichlich Fisch gefangen", klagt die 36-jährige. "Aber heute kommen die Boote häufig leer oder mit zu kleinen Fischen zurück. Wegen der großen industriellen Fangflotten, die vor unserer Küste fischen. Und weil es mittlerweile zu viele kleine Fischerboote und keinerlei Kontrollen gibt. Früher fuhr mein Mann morgens aufs Meer und kam am Nachmittag zurück. Heute bleibt er manchmal zwei Nächte auf See, weil er mittlerweile sehr weit rausfahren muss, um einen guten Fang nach Hause zu bringen."
Seit Jahrhunderten hat das Meer seine Schätze vor Westafrika reichlich und küstennah bereitgestellt. Doch mittlerweile sind in den senegalesischen Gewässern die Bestände überfischt. Bitter für die rund 600.000 Fischerfamilien, deren Leben allein im Senegal direkt oder indirekt von der traditionellen Fischerei abhängt.
Fairer fischen ist das Ziel
Es sind hoch subventionierte europäische Fabrikschiffe, die – zusammen mit Fangflotten aus Russland und Asien – bereits seit 1980 in westafrikanischen Hoheitsgewässern ihre Schleppnetze auswerfen. Denn die meisten Fischbestände in europäischen Gewässern sind längst überfischt. Die EU zahlt dafür zwar einen Preis an die betroffenen Länder. Doch der kann die Folgen der Überfischung nicht annähernd decken. In den letzten 20 Jahren sind die Fischbestände in den Gewässern Westafrikas um 50 Prozent zurückgegangen. Das ökologische Gleichgewicht der Ökoregion ist bereits empfindlich gestört. Die Küstenbewohner von Guinea bis Mauretanien fürchten nun um eine ihrer wichtigsten Lebensgrundlagen. Deshalb gehörten die Fischereiabkommen mit den Staaten des Nordens von Anfang an zu den Schwerpunkten des WWF-Engagements an der westafrikanischen Küste.
Intensive Lobbyarbeit in Brüssel und den europäischen Mitgliedsstaaten führte dazu, dass die Europäische Union ihre Prinzipien für Fischereiabkommen inzwischen überdacht hat und nun endlich auf Nachhaltigkeit achten will – also nicht mehr Fische fangen zu lassen als natürlicherweise wieder nachwachsen können. Ob diese Vorsätze auch in die Praxis umgesetzt werden, wird der WWF genau verfolgen.
Gleichzeitig hat die Umweltstiftung in der westafrikanischen Küstenregion gemeinsam mit den dortigen Fischereibehörden Minimumstandards für Fischereiabkommen erarbeitet und berät die dortigen Staaten, wenn neue Verhandlungen anstehen.
Projektarbeit nur mit den Menschen
Auch die kleinen Fischer arbeiten nicht immer nachhaltig. Die Mitarbeiter des WWF-Büros haben daher enge Verbindungen zu lokalen Fischern und ihren örtlichen Wirtschaftsverbänden aufgebaut. Zum Beispiel in Kayar, einem Dorf 60 Kilometer nördlich von Dakar. Die dortigen Fischer haben sich freiwillig Fangbegrenzungen auferlegt. Der WWF unterstützt sie in ihrem Bemühen, ihre Fischbestände nachhaltig zu nutzen und nicht auszubeuten. Dazu haben Fischer und WWF-Mitarbeiter gemeinsam einen Meeresbereich vor der Küste Kayars als besonders schutzwürdig identifiziert, der im November letzten Jahres von der senegalesischen Regierung offiziell ausgewiesen wurde. Was den Fischern gleich mehrere Vorteile bringt: Die Jungfische können nun ungestört groß werden und werden nicht mehr von Fischern anderer Regionen oder der EU-Flotten weggefangen.
Das war nicht der einzige Erfolg: Vier neue Schutzgebiete sind mittlerweile an der senegalesischen Küste entstanden – insgesamt 960 Quadratkilometer geschützte Meeresfläche.
Der WWF fördert außerdem den Austausch mit anderen Fischern in der westafrikanischen Küstenregion wie den Imraguen, einem indigenen Volk in Mauretanien. Und er half in Kayar eine Art Sparkasse einzurichten, um traditionelle Fischer auch wirtschaftlich mit Kleinkrediten zu unterstützen und ihre Familien abzusichern.
Weitere Schutzgebiete
An der Küste zwischen Mauretanien und Guinea-Bissau gibt es schon länger bedeutende Schutzgebiete, um die sich auch der WWF kümmert – etwa das tropische Wattenmeer der Banc d´Arguin in Mauretanien, das Delta du Saloum in Senegal oder den Bijagos-Archipel in Guinea-Bissau. Der WWF setzt sich dafür ein, dass die bestehenden Schutzgebiete international finanziell unterstützt und um weitere Flächen ergänzt werden, um langfristig ein repräsentatives Schutzgebietsnetz für die gesamte Region verwirklichen zu können.
Nutznießer wären besonders gefährdete Tierarten entlang der Küste wie die Meeresschildkröten. Für die hat der WWF gerade mit Partnern in der Region ein spezielles Hilfsprogramm gestartet. Demnächst erstellt die Umweltstiftung auch für die Buckeldelfine und andere Wale der Küstengewässer ein eigenes Schutzprogramm.
Bohrtürme und Touristen kommen
Dies ist auch deshalb dringend nötig, weil der Küste bereits neue Gefahren drohen. In einem ersten Bohrfeld vor Mauretanien ist mit der Förderung von Erdöl begonnen worden.
Und auch für Touristen wird die afrikanische Festlandsküste zunehmend attraktiv, mit allen positiven wie negativen Folgen für die Region und ihre Natur. So wächst der Druck auf die Küste Westafrikas und ihre Ressourcen kontinuierlich an. Das erfordert gute, nachhaltige Nutzungskonzepte. Solche, die die Menschen in der Region mittragen wollen und können.
"Als wir die WWF-Mitarbeiter gefragt haben, was sie von uns wollen", erzählt ein Fischer in Kayar, "hatten sie uns verblüfft. Denn ihre Antwort war: Was wollt ihr denn gemeinsam mit uns erreichen?" Vielleicht ist es genau diese Philosophie, weshalb der WWF an der westafrikanischen Küste bereits nach knapp fünf Jahren so viel erreichen konnte.
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