Die, die Leben sammeln

Die Imraguen - ein Volk aus der Frühzeit der Schöpfung

Die traditionellen Nutzungsrechte der Imraguen werden gesichert und vor fremden Fischern mit weniger naturschonenden Fangmethoden geschützt. © WWF / Mark Edwards
Die traditionellen Nutzungsrechte der Imraguen werden gesichert und vor fremden Fischern mit weniger naturschonenden Fangmethoden geschützt. © WWF / Mark Edwards

Das kleine Fischervolk der Imraguen bewohnt in sieben Dörfern mit etwa 800 Menschen die Atlantiküste am Rande der Wüste im Banc d'Arguin-Nationalpark der Islamischen Republik Mauretanien. "Die, die Leben sammeln" nennen sie sich selbst, und die Art und Weise, in der sie von altersher den Fischfang ausüben, ist ebenso erstaunlich wie einzigartig: in Arbeitsteilung mit Delfinen!

Wenn die dichten Schwärme der Meeräschen in einer bestimmten Bucht erscheinen, folgen ihnen die Großen Tümmler, schneiden ihnen den Rückweg ab und warten auf die Fischer. Im seichten Wasser werfen die Imraguen ihre einfachen, handgeknüpften Netze aus, und unter den fliehenden Fischen machen auch die Delfine reiche Beute.

Dieses natürliche Miteinander von Mensch und Tier ist beispielhaft und der Grund dafür, daß in dem 12.000 Quadratkilometer großen, vom WWF seit langem unterstützen Nationalpark die traditionellen Nutzungsrechte der Imraguen gesichert und vor fremden Fischern mit weniger naturschonenden Fangmethoden geschützt werden. So erhalten sie unter anderem Hilfe bei der Wartung ihrer alten und beim Bau besserer Segelboote, bei der Verarbeitung, Haltbarmachung und Vermarktung der Fische, bei der Wasserversorgung, Gesundheitsfürsorge und Erziehung.

Die Imraguen ernähren sich hauptsächlich von Meeräschen. Das Leben und die anspruchlose Kultur der Imraguen sind in einzigartiger Weise auf diesen Fisch ausgerichtet. Er dient ihnen als Hauptnahrung und, luftgetrocknet, als einziges Handelsgut.

Seit den 70er Jahren gibt es Anzeichen, dass der Bestand an Meeräschen zeitweilig abnimmt. Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Die Imraguen jedenfalls kommen dafür nicht in Frage. Mit ihrer geringen Bevölkerungszahl und ihrer altertümlichen Fangmethode sind sie in das Ökosystem gut eingepasst.

Noch erinnert diese Welt an Westafrikas Küste an ein Relikt aus frühen Tagen der Schöpfung. Doch seewärts ist bereits die grausame Gegenwart zu sehen: Hier beutet eine Flotte modernster Fangriesen aus aller Welt schonungslos die Fischbestände aus. Auch Verkehrserschließung und Lagerstättenerkundung werfen Schatten voraus, die das Leben der Banc d'Arguin und ihrer Menschen eines Tages bedrohlich verändern könnten.