Jenseits der Wüste

Das Wattenmeer der Banc d'Arguin in Mauretanien

© WWF-Canon / John E. Newby
© WWF-Canon / John E. Newby

Fast unberührt erstreckt sich an Westafrikas Küste ein Flachwasser- und Wattengebiet: Die Banc d`Arguin an der mauretanischen Küste ist eine der vogelreichsten Regionen der Erde. Mehr noch: Dort lebt eine vielfältige aquatische Tier- und Pflanzenwelt.

Dank seiner Lage war das Flachwassergebiet bisher weitgehend vor zivilisatorischen Einflüssen geschützt. Vom Land her bildet die Sahara eine wirksame Barriere gegen die Expansion des Menschen. Von der See aus erschwert die geringe Wassertiefe den Zugriff auf die Bank.

Das Vogelleben konzentriert sich auf zwei Inselgruppen: eine kleine nördliche in der Baie d`Arguin und eine größere südliche um die Insel Tidra. Hier liegt auch das Wattengebiet, eine von Prielen durchzogene 500 Quadratkilometer große Fläche. Hier brüten mehrere einheimische Kormoran- und Reiherarten, Löffler, Pelikan, Flamingo, verschiedene Möwen und Seeschwalben.

Aber auch weit über Afrika hinaus ist die Bank für die Vogelwelt bedeutsam. Mehr als zwei Millionen überwinternde oder auf ihrem Zug zwischengelandete Vögel aus europäischen, sibirischen oder nordwestamerikanischen Brutgebieten wurden hier gezählt, darunter der Knutt und der Alpenstrandläufer.

Der mauretanische Staat weiß um die Kostbarkeit der Banc d`Arguin. Im Jahre 1976 erklärte er das Gebiet zum Nationalpark. Zahlreiche internationale Organisationen wie der WWF stehen der Parkbehörde unterstützend zur Seite.

Anders als die Nordseeküste

Dieses tropische Wattenmeer unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem unsrigen an der Nordseeküste. Das Wasser ist kristallklar, supersalzig und meist über 20 Grad warm. Auf den Watten sind zwei Hauptbiotope ausgebildet: Zum einen riesige Seegrasbestände, die auf weichem Schlick gut gedeihen und 80 Prozent der gesamten Fläche einnehmen. Zum anderen helle, stark mit Schill durchsetzte Sandwatten. Den Übergang zwischen Watt und Wüste bildet die Sebkha, nur unregelmäßig überflutete Strandbereiche, in denen Schicht auf Schicht Salz auskristallisiert und ablagert.

Im Gegensatz zu unserem Wattenmeer werden die 'Grundnahrungsmittel', die so genannte Primärproduktion dieses tropischen Gebietes, nicht von kleinsten Algen, sondern von den Seegräsern geleistet. Angesichts des ungeheuren Vogelreichtums hatte man zunächst angenommen, dass die Watten der Banc d`Arguin eine ähnlich hohe Produktion von Bodentieren aufweisen wie die der Nordsee. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dies jedoch nicht bestätigt. Die Frage, wovon sich dann die vielen Vögel ernähren, ist noch immer nicht abschließend geklärt.

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