Über Märkte in fremden Ländern schlendern, in türkisblaues Meer springen, die Museen großer Städte besuchen – Reisen bildet nicht nur, es bringt uns mit anderen Menschen zusammen und verändert unsere Sicht auf die Welt. Doch das Reisefieber hat auch Nachteile. Dabei müssen Reisen und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein.

Ob im Supermarkt, beim Kauf von Kleidung, Möbeln, Fahrrädern oder Werkzeugen: Nachhaltiger Konsum gewinnt in vielen Lebensbereichen an Bedeutung. Immer mehr Menschen fragen sich: Was kann ich benutzen, was es schon gibt? Sie werden sich zunehmend über die Folgen ihres Kaufverhaltens bewusst und stellen es infrage. Auch beim Reisen.

Was ist nachhaltiger Tourismus?

Tourist in Asien © GettyImages
Tourist in Asien © GettyImages

Weltweit werden Hotelanlagen an Stränden gebaut, historische Städte von Overtourism bedroht, Ökosysteme beschädigt oder zerstört. Nachhaltiger Tourismus bedeutet, genau das zu vermeiden und die Umwelt vor Ort zu schützen. Nachhaltiger Tourismus bedeutet auch, dass die Menschen vor Ort von ihm profitieren, anstatt mit den Reisenden im Wettstreit um ihre Ressourcen zu stehen. Nachhaltiger Tourismus beruht auf einem Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem, wobei alle drei Dimensionen gleichwertig sind.

Wie aber geht nachhaltiges Reisen?

Vor der Reise: nachhaltig planen

Sanfter Tourismus beginnt bei der Reiseplanung. Es gibt inzwischen viele Reiseportale mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, die vor Ort etwa auf faire Löhne der Hotelangestellten und einen sparsamen Umgang mit Wasser achten. Angebote, die vor allem auf günstige Preise setzen, können Nachhaltigkeit oft nicht garantieren.

Gleise im Tiger-Territorium © Tim Cronin / WWF Australien
Wer im Urlaub Zug fährt, sieht mehr © Tim Cronin / WWF Australien

Danach stellt sich die Frage: Wo möchte ich hin? Wäre es nicht schön, einfach mit dem Fahrrad Richtung Norden loszufahren? Campen, im See baden, dann weiterfahren? Und wenn es mir wichtig ist, Urlaub im Ausland zu machen: Kann ich dann mit dem Zug fahren oder dem Bus? Oder lässt sich das Urlaubsziel nur mit dem Flugzeug erreichen? Eine Flugreise auf die Kanarischen Inseln und zurück verursacht pro Person im Schnitt 1,2 bis 1,6 Tonnen Treibhausgase. Und das System hinter der CO2-Kompensation, das den Ausgleich der Emissionen durch Klimaschutzprojekte verspricht, hat viele Schwächen und erreicht häufig nicht die erhoffte Wirkung.

Besonders umweltschädlich sind Kreuzfahrten. Denn oft beginnt die Reise mit einem Flug zum Ablegehafen. Und selbst die Schiffe, die damit beworben werden, mit „Green Fuel“, etwa dem Flüssigerdgas LNG zu fahren, verbrennen Gas – einen fossilen Brennstoff. Grüne Alternativen gibt es im Regelbetrieb derzeit nicht.

Im Urlaub: lieber ins Landesinnere

Massentourismus in der Türkei © Michel Gunther / WWF
Massentourismus in der Türkei © Michel Gunther / WWF

Soll die Reise ins Ausland gehen, ist Vorab-Recherche wichtig. Folgende Fragen sollten Sie sich stellen: Kann ich die Hochsaison vermeiden? Schadet Tourismus meinem Reiseziel? Ist die Region von Overtourism betroffen? Werden die Einwohner:innen zum Beispiel von ihren Stränden verdrängt? Gerät die lokale Fischerei unter Druck, weil Hotels und Restaurants entlang der Küsten gebaut werden – für die Badegäste?

Und wie wichtig ist es überhaupt, 200 Meter vom Strand zu wohnen? Nicht weit von den Stränden, im Landesinneren, trifft man oft auf das, was das Land ausmacht: Menschen, die hier leben und arbeiten, ihre Gaststätten und Märkte abseits des Massentourismus, der oft zu Wasserknappheit und Müll führt. Das ist an der Amalfiküste ganz ähnlich wie auf Usedom.

Natur vor Ort schützen

Lodge in Kaza © Gareth Bentley / WWF US
Lodge in Kaza © Gareth Bentley / WWF US

Im Urlaub dann möchten viele in die Natur. In unberührte Natur. Daher sind Nationalparks und Schutzgebiete wichtig. Sie bilden eine zentrale Basis für sanften Tourismus, wie unsere Erfahrungen in vielen WWF-Projektregionen zeigen. Wer Schutzgebiete besucht, eröffnet der lokalen Bevölkerung wirtschaftliche Perspektiven.

So entstehen etwa Eco-Lodges, also Unterkünfte, die nach ökologischen und ressourcenschonenden Prinzipien betrieben werden. Und: Die Menschen vor Ort können ihre Produkte an Reisende verkaufen – etwa Honig in WWF-Projektregionen – oder Touren anbieten, wie geführte Wanderungen in Naturschutzgebieten oder umweltverträgliche Bootsfahrten.

Kommen Reisende außerdem gezielt, um Natur und die dort lebenden Wildtiere zu erleben, entsteht vor Ort ein zusätzlicher Anreiz, sie zu schützen. Sanfter Tourismus kann so den Naturschutz, die Entwicklung der Region und die Lebenssituation der Einwohner:innen stärken.

Nachhaltig sind Gruppenreisen

Ein besseres Abfallmanagement sorgt für ein gesundes Korallenriff in Honduras
Ein besseres Abfallmanagement sorgt für ein gesundes Korallenriff in Honduras © Antonio Busiello/WWF US

Als nachhaltig gelten übrigens nicht unbedingt Individualurlaube, sondern Gruppenreisen – gerade in Nationalparks. Bei fachkundig geführten Gruppentouren wird vermittelt, dass man in den Nationalparks zu Gast ist und Tiere niemals stören oder anfassen sollte. Und auch, dass man sich von Unterhaltungsshows mit Affen, Tigern oder Schlangen fernhalten sollte. Oft handelt es sich bei ihnen um Wildtiere, die illegal gefangen werden.

Ähnliches gilt für die Unterwasserwelt an der Küste: Wer gern taucht oder schnorchelt, sollte auf Korallen und Meerestiere achten. Wichtig ist auch die Wahl der richtigen Sonnencreme, denn der chemische UV-Filter Octocrylen schädigt Korallen, beeinträchtigt bei Fischen die Entwicklung von Gehirn und Leber und reichert sich in Muscheln und Austern an. In deutschen Sonnencremes kommt er oft vor. Umweltfreundlich ist korallenfreundliche Sonnencreme ohne Mikroplastik.

Umweltverträglich verreisen – mit wem?

Aber woran erkennt man überhaupt, welche Reiseveranstalter:innen nachhaltig sind? Das Forum Anders Reisen beispielsweise ist ein Verband kleiner und mittelständischer Reiseveranstalter:innen für nachhaltigen Tourismus. Der Tourismuslabel-Guide gibt außerdem einen Überblick über ausgewählte Gütesiegel, die Urlaubsangebote auszeichnen, „die Menschenrechte respektieren, natürliche Ressourcen und das Klima schonen und der Bevölkerung in den Destinationen einen Nutzen bringen“.

Wir wünschen Ihnen eine gute Reise!

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