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Rettung für Schweinswale in Sicht?

18. September 2006

Internationale Walschutztagung muss Sofortmaßnahmen beschließen

 

Hamburg, 18.09.2006 - Konkrete Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Kleinwale fordert der WWF anlässlich der heute beginnenden Walschutz-Tagung für die Nord- und Ostsee (ASCOBANS)  im niederländischen Egmond aan Zee. In einer neuen Studie über die Erfolge und Defizite des ASCOBANS-Abkommens zeigt WWF, dass die Vertragsstaaten darunter auch Deutschland, auf die EU Druck ausüben müssen, damit diese den Beifang in der Fischerei stoppt, die Hauptbedrohung für Kleinwale wie der Schweinswal. Gleichzeitig muss ASCOBANS eine Untersuchung über die Auswirkung der Stellnetzfischerei einleiten, um deren Auswirkungen auf die Wale und die Meeresumwelt in Nord- und Ostsee zu ermitteln.  

 

„Wenn nicht schnell gehandelt wird, so gibt es in der zentralen Ostsee bald keinen Schweinswal mehr!“ warnt WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. „In der zentralen Ostsee leben noch knapp 100 Tiere. Ein Beifang von 2-3 Tieren pro Jahr kann hier das Aus für die Population bedeuten.“  

 

In der zentralen und südlichen Nordsee verenden jährlich tausende von Schweinswalen als Beifang in Fischernetzen, das sind bis zu 4,3 Prozent der Population. Laut ASCOBANS darf die jährliche Sterberate durch Beifang ein Prozent der Schweinswalpopulation nicht übersteigen, wenn ihr langfristiges Überleben nicht gefährdet werden soll. In der Ostsee bilden insbesondere die bis zu 21 km langen Treibnetze, in denen die kleinen Schweinswale als ungewollter Beifang enden, eine große Gefahr. Insgesamt gibt es in der Ostsee nur noch einige hundert Schweinswale, trotzdem sind diese Netze in der Ostsee bis zum Jahr 2008 erlaubt, während ihr Gebrauch im Atlantik und im Mittelmeer bereits 2002 endgültig abgeschafft wurde.  

 

Bei der letzten ASCOBANS-Vertragsstaatenkonferenz 2003 wurde ein Schutzplan für Schweinswale in der Ostsee beschlossen, der aber nur teilweise umgesetzt wurde. Gleichzeitig sollte ein Erholungsplan für die Bestände der Schweinswale in der Nordsee bis zum Jahr 2005 aufgestellt werden. Doch die größte Bedrohung der Schweinswale – der hohe Beifang in der Fischerei – kann dauerhaft nur durch eine Änderung der EU-Fischereipolitik gelöst werden.  

 

1994 wurde das Abkommen zum Schutz der Kleinwale in Nord- und Ostsee (ASCOBANS) im Rahmen der Bonn-Konvention ratifiziert und in Kraft gesetzt. Alle drei Jahre finden Vertragsstaatenkonferenzen statt wo Resolutionen zum Schutz der Wale verabschiedet werden. Zu den Mitgliedsländern gehören: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Litauen, Polen und Schweden. Die Länder verpflichten sich zu den im Abkommen getroffenen Resolutionen. Das Abkommen ist zwar völkerrechtlich bindend, aber es gibt keine juristische Handhabe bei Verstößen.

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