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Rotgrüner Todesstoß für die Weser?

31. Mai 2007

WWF und BUND fordern von der neuen Bremer Koalition eine nachhaltige Hafenpolitik

 

Bremen/Hamburg - WWF und BUND fordern die designierten Bremer Regierungspartner SPD und Bündnis 90/Die Grünen dazu auf, die Unter- und Außenweser nicht weiter zu vertiefen und die 45 Millionen Euro teuren Ausbaupläne ad acta zu legen. Die Weser ist in weiten Teilen europäisches Naturschutzgebiet, weitere ökologische Schäden müssten vermieden werden. Die Verbände fordern stattdessen eine wirtschaftliche und naturverträgliche Hafenpolitik und ein nationales Hafenkonzept.  

 

„Die Grenzen der Belastbarkeit sind längst überschritten. Die Weser verträgt keine weitere Vertiefung mehr“, warnt Martin Rode vom BUND. Bremen profitiere schon vom Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven. Durch eine kluge Hafenpolitik würden deshalb dem Hafenstandort Bremen auch bei einem Ausbauverzicht keine Nachteile entstehen. Die Grünen hatten sich im Wahlkampf gegen die Vertiefung ausgesprochen. Auch die SPD wisse, so WWF und BUND, dass die Weservertiefung ökonomisch unsinnig sei, die Steuerzahler schröpfe und die Natur zerstöre. Trotzdem wolle der große Koalitionspartner dem Druck der Hafenlobbyisten nachgeben. „Jetzt ist Rückgrat gefragt, um die Weser noch zu retten“, so WWF-Expertin Beatrice Claus.  

 

Mit dem Ausbau der Außenweser für die neue Generation von Containerschiffen zwischen Bremerhaven und der Nordsee würde die ohnehin absehbare Auslastung des Bremerhavener Containerterminals nur um wenige Jahre beschleunigt. „Letztlich geht es um vergleichsweise geringe betriebswirtschaftliche Vorteile, die wir Steuerzahler den Reedereien auch noch bezahlen sollen“, kritisiert Rode.  

 

Der Ausbau der Unterweser zwischen Bremen und Bremerhaven diene dagegen vor allem den Interessen der Futtermittelimporteurs Müller in Brake und der Stahlwerke Bremen. Beide Unternehmen blieben nach Einschätzung der Verbände auch ohne Flussvertiefung konkurrenzfähig.   

 

Die geplante Vertiefung der Weser um rund einen Meter würde erhebliche Umweltschäden verursachen, warnen die WWF und BUND. Auf die öffentliche Hand kämen zudem erhebliche Folgekosten für die Unterhaltungsbaggerei und den Hochwasserschutz zu. Schon jetzt müsse die Weser renaturiert werden, um Lebensräume für Fischarten wie die Finte zu erhalten. „Wenn nichts geschieht, verkommt die Unterweser zum Kanal. Die ökologisch wertvollen Gebiete verschlicken und verlanden. Eine erneute Vertiefung würde diesen Prozess beschleunigen“, befürchtet Claus. Nach einer Ausbaggerung würde das Meerwasser noch weiter in die Unterweser eindringen als bisher. Das Salz schädigt Lebensräume wie Süßwasserwatt und Auwälder. Durch häufigere Überschwemmungen geht die Brut geschützter Vogelarten verloren.

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