Grillkohle im Umwelt-Check Große Grillkohle-Analyse: Markt wird besser, aber noch immer glimmt Tropenholz auf deutschen Bratrosten Berlin, 04.09.2026: Während die Grillsaison in ihre letzten Wochen geht, ziehen der WWF Deutschland, Thünen-Institut und die Earthworm Foundation Bilanz und legen die bislang größte Grillkohle-Marktanalyse für Deutschland vor. 57 Produkte, von klassischer Holzkohle über Briketts bis zu Alternativen aus Kokosnussschalen, wurden auf ihre Holzart untersucht. Gekauft wurden sie in Supermärkten, Discountern, Baumärkten, Getränkemärkten und an Tankstellen. Anschließend wurden sie im Labor auf die enthaltenen Holzarten untersucht und mit den Angaben auf der Verpackung abgeglichen. Das zentrale Ergebnis: Der Markt hat sich spürbar bewegt. Erstmals ist der Anteil verdächtiger Produkte aus womöglich illegalem Holzeinschlag am deutschen Markt rückläufig. „Zum ersten Mal sehen wir eine Trendwende am Markt“, sagt Johannes Zahnen, Senior Advisor Forest Policy beim WWF Deutschland, der jahrelang immer wieder die Herkunft von Holzkohleprodukten im deutschen Handel hat analysieren lassen. „Der Druck der vergangenen Jahre zeigt Wirkung: Viele Händler haben ihr Sortiment aufgeräumt, fragwürdige Ware verschwindet zunehmend aus den Regalen. Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Noch immer landet Holz aus mutmaßlichem Raubbau im deutschen Einkaufswagen, teilweise sogar mit Öko-Siegel.“ Die Ergebnisse im Überblick: 32 der 57 Produkte (56 Prozent) enthielten tropische oder subtropische Holzarten. Davon gab es bei 9 Produkten (16 Prozent) Unstimmigkeiten bei den deklarierten Holzarten oder nicht eindeutige Angaben zu den deklarierten Holzherkünften. Nur etwa die Hälfte der Produkte informierte die Verbraucher:innen angemessen: 25 Produkte (44 Prozent) deklarierten die Holzarten gut, 35 Produkte (61 Prozent) machten nachvollziehbare Angaben zur Holzherkunft. 42 Produkte (74 Prozent) trugen ein freiwilliges Siegel (FSC, PEFC oder Naturland). Doch auch hier gab es Schwächen: 11 zertifizierte Produkte machten keine oder keine nachvollziehbaren Herkunftsangaben, 10 hatten unzureichende oder falsche Angaben zu den Holzarten. 5 FSC-zertifizierte Produkte enthielten subtropische oder tropische Hölzer bei gleichzeitigen Abweichungen von der FSC-Datenbank oder Zweifeln an der deklarierten Herkunft. Neben wiederkehrenden Marktanalysen schreibt der WWF auch der anstehenden EU-Waldschutzverordnung (EUDR) eine Rolle in der positiven Entwicklung zu. Grillkohle war in der Vergangenheit gesetzlich praktisch ungeregelt. Das ändert sich mit der EU-Waldschutzverordnung, die nach zweimaliger Verschiebung Ende 2026 in Kraft treten soll und erstmals auch Grillkohle erfasst. Wer Grillkohle in der EU auf den Markt bringt, muss dann Holzart und Herkunft kennen und nachweisen, dass die Ware nicht von Flächen stammt, auf denen Wälder umgewandelt, illegal geschlagen oder geschädigt wurden. „Einige der Falschangaben, die wir gefunden haben, wären ein Verstoß gegen die EUDR gewesen, wenn sie nicht Ende 2025 erneut verschoben worden wäre. Die Verordnung muss jetzt ohne Abstriche und ohne weitere Verzögerung kommen“, fordert Zahnen. Verbraucherinnen und Verbrauchern empfiehlt der WWF, zu Produkten zu greifen, auf deren Verpackung Holzarten und Holzherkunftsländer konkret deklariert sind. Glaubwürdige Siegel wie FSC oder Naturland können zusätzliche Sicherheit bieten. Alternativen wie Briketts aus Kokosnussschalen kommen ganz ohne gefällte Bäume aus. Wer klima- und umweltfreundlicher grillen will, sollte zudem auf Elektro- oder Gasgrills ausweichen. Das gilt umso mehr, als je nach Herkunftsland ein hohes Risiko für illegalen Holzeinschlag bestehen kann, auch wenn die Laboranalyse keine Auffälligkeiten zeigt. Dass auch glaubwürdige Siegel keine absolute Sicherheit geben, zeigt ein Produkt, das in der aktuellen Marktanalyse besonders negativ aufgefallen ist: die „Best of BBQ Holzkohle-Briketts“, verkauft bei Netto Marken-Discount, produziert von der IB Holzkohle Vertriebsgesellschaft mbH in Lüneburg. Das Produkt trägt das FSC-100%-Siegel und das WWF-Logo. Deklariert sind Akazien-Arten aus Namibia. Die Laboranalyse ergab jedoch: Von 30 untersuchten Brikett-Stücken bestanden 18 aus Quebracho-Holz aus Südamerika – wahrscheinlich aus dem Gran Chaco, dem nach Amazonien zweitgrößten Waldökosystem Südamerikas, in dem illegale Einschläge für die Grillkohleproduktion auf bis zu 80 Prozent geschätzt werden. Der Hersteller aus Lüneburg fiel nicht nur mit diesem einen Produkt negativ auf: Auch die „Echten Grillbriketts“, verkauft an Aral-Tankstellen, enthielten Quebracho-Holz. Dieses Produkt trägt weder ein Siegel noch das WWF-Logo. Auf der Verpackung fehlen zudem jegliche Angaben zu Holzart und Herkunft, sodass für Kundinnen und Kunden nicht erkennbar war, was sie kauften. „Nach unserem jetzigen Kenntnisstand wurden Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso getäuscht wie die Händler, der FSC und der WWF. Deshalb leiten wir nun rechtliche Schritte gegen den Produzenten ein“, so Zahnen. Da der WWF selbst nicht klageberechtigt ist, tun sich die Umweltschützer:innen mit dem Verband sozialer Wettbewerb e. V. (VsW) zusammen, der unlauteren Wettbewerb und Wirtschaftskriminalität bekämpft. Der Verband prüft, ob das Abfüllen von Grillkohle anderer Art und Herkunft als deklariert, eine Verbrauchertäuschung darstellt, die gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstößt. Der FSC hat bereits zugesagt, mögliche Verstöße gegen seine Regularien zu prüfen. Darüber hinaus erwartet der WWF vom FSC schärfere Audits mit forensischen Stichproben, längere Sperrungen von Unternehmen bei Verstößen und eine bessere Kontrolle der Zertifizierungsstellen. In einer ersten Stellungnahme erklärte Netto, zu dem Produzenten bestehe seit 2025 keine Lieferantenbeziehung mehr. Es handele sich um ein älteres Produkt, das nur noch vereinzelt im Handel erhältlich war, so Netto. Der Einzelhändler hat zugesichert, den Fall umfassend zu untersuchen und den Lieferanten aufgefordert, detaillierte Nachweise zur Herkunft und Rückverfolgbarkeit der eingesetzten Rohstoffe vorzulegen. Hinweis zum Projekt Die Grillkohle-Marktanalyse für Deutschland wurde von WWF Deutschland, Thünen-Institut und Earthworm Foundation durchgeführt. Sie wird über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert. Zusammenfassung Grillkohle-Marktanalyse 2026 Zusammenfassung Grillkohle-Marktanalyse 2026 PDF - 9,59 MB Kontakt Immo Fischer Pressesprecher Lateinamerika, Wald & Holz, menschenrechtliche Sorgfaltspflicht / Berlin www.wwf.de immo.fischer@wwf.de 030 311777427 Bedrohte Arten Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz Teilen Sie die News Teilen auf Facebook Teilen auf Bluesky Teilen auf Whatsapp