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Ruinöse Hafenkonkurrenz auf Kosten der Natur

12. Juli 2006

Hafenstudie der Bundesregierung klammert zentrale Umweltfragen aus

 

Hamburg, 12.07.2006-Der WWF fordert die Bundesregierung dazu auf, den Naturschutz in der Seehafenpolitik ausreichend zu berücksichtigen. Die kürzlich vom Bundesumweltministerium (BMU) veröffentlichte Studie zur Nachhaltigkeit der zukünftigen Hafenpolitik klammere alle wichtigen Umweltfragen aus. 'Jedes Bundesland baggert und baut, ohne nach links und rechts zu schauen. Daran ändert auch der neue Report nichts. Dieser Wettbewerb um die größten Containerschiffe der Welt ist überflüssig, kostet Milliarden und schädigt Flüsse und Küsten der Nordseeregion', so WWF-Expertin Beatrice Claus. 'Der Bund muss im Interesse der Steuerzahler und der Natur sofort einlenken.'

 

 

 

Der WWF begrüßt die Bemühungen der Regierung um eine nationale Hafenstrategie, die seit Jahren von den Umweltverbänden gefordert wird. Die BMU-Untersuchung werde allerdings ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht, ökologische Aspekte ausreichend zu berücksichtigen. 'Dass ausgerechnet eine Studie im Auftrag des Umweltministers die drängenden Umweltprobleme auf die lange Bank schiebt, ist sehr enttäuschend', so WWF-Sprecherin Claus. Die Studie beschreibe zwar ein Zielszenario für die Seehäfen mit guten Ansätzen. So werde vorgeschlagen, Kapazitätsengpässe standortübergreifend auszugleichen und die Verantwortung für die Häfen zu bündeln. Es werde auch eingeräumt, dass die bisherige Hafenpolitik ökologische Aspekte vernachlässige - deren Lösung werde allerdings in die Zukunft verschoben. Zudem würden die aktuellen Planungen der Länder nicht berücksichtigt. Auf dieser Grundlage dürfe der Bund keine Investitionsentscheidungen treffen.

 

 

 

Drei Standorte an der Nordseeküste sollen für die weltweit größten Containerschiffe ausgebaut werden. Niedersachsen und Bremen wollen in Wilhelmshaven einen neuen Tiefwasserhafen installieren, Hamburg für seinen Hafen die Elbe vertiefen. Bremen plant eine weitere Vertiefung der Weser und baut den Containerterminals in Bremerhaven aus. Die langfristigen Kosten für alle vier Projekte belaufen sich laut WWF auf über drei Milliarden Euro.

 

 

 

Untersuchungen des WWF zeigen, dass schon die ökologischen Folgen der bisherigen Elbe- und Weservertiefungen größer sind, als angenommen. 'Weitere Ausbaggerungen sind nicht akzeptabel', so Claus. Zudem steige mit jeder weiteren Vertiefung die Hochwassergefahr. Von besonderem Wert sind laut WWF die Flussmündungen von Elbe, Ems und Weser, deren bereits erheblich eingeschränkte ökologische Qualität unmittelbar den Nationalpark Wattenmeer beeinflusse. Ein Hafenkonzept müsse die EU-Schutzstandards wie 'Natura 2000' und die Wasserrahmenrichtline berücksichtigen.

 

 

 

Der WWF stellt sich nicht grundsätzlich gegen jeden Hafenausbau. 'Deutschland braucht einen international konkurrenzfähigen Hafen. Aber wir brauchen keine teure und umweltschädliche Kleinstaaterei, sondern eine länderübergreifende Lösung. Bevor es kein nationales und nachhaltiges Hafenkonzept für die Nordsee gibt, müssen alle Ausbaupläne auf Eis gelegt werden', so Claus. Die jetzt vorgelegte Studie lasse befürchten, dass die kommende 'Ausbauspirale' nicht gestoppt werde.

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