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Russische Tiger-Population stabil

01. Oktober 2010

Seit drei Jahren konstante Bestandszahlen beim Amur-Tiger. / WWF: Forstreform und „gelähmte Behörden“ werden zur Gefahr

 

Nach den Ergebnissen eines von der Umweltschutzorganisation WWF mit durchgeführten Monitoring verharren die Bestandszahlen des Amur-Tigers (auch Sibirischer Tiger genannt) seit 2007 auf konstantem Niveau. Allerdings befürchtet der WWF langfristig einen negativen Trend. „Die misslungene Forstreform der russischen Regierung hat dazu geführt, dass die zuständigen Behörden wie gelähmt sind. Der Kampf gegen illegalen Holzeinschlag und Wilderei sowie die Waldbrand-Prävention sind so gut wie zum erliegen gekommen“, kritisiert WWF-Experte Frank Mörschel. Durch die komplizierten politischen Rahmenbedingungen werde auch die erfolgreiche WWF-Arbeit vor Ort behindert. Insgesamt streifen nach Schätzung des WWF nur noch rund 450 Tiger durch die Wälder des Russischen Fernen Ostens.

 

„Was der Tiger braucht sind effizientere Strukturen im Forstmanagement und härtere Strafen gegen Wilderer“, sagt Frank Mörschel. Mit Sorge blickt der WWF auf die anstehende Waldbrandsaison in der Region rund um Vladivostok. Im Oktober und November fällt dort wenig Niederschlag und regelmäßig werden landwirtschaftliche Felder angesteckt, deren Feuer auf angrenzende Wälder übergreifen. „Eine Feuersbrunst wie wir sie in diesem Jahr im europäischen Teil Russlands hatten, wäre eine unkalkulierbare Gefahr für die verbliebenen Tigerbestände“, so Mörschel.

 

Im Zug des jährlichen Monitoring werden in sechzehn Referenzgebieten über mehrere Wochen hinweg Fährten und Kratzspuren der Tiger gezählt. Insgesamt konnten die Ranger in den untersuchten Regionen achtzig verschiedene Tiger identifizieren. Aus dieser Zahl lassen sich dann vorsichtige Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation ziehen. Ein kompletter Tiger-Zensus, in dessen Rahmen das gesamte Tiger-Habitat von über 350.000 Quadratkilometern untersucht wird, findet alle zehn Jahre statt. Die nächste umfassende Zählung ist für 2014/15 geplant.

 

Hoffnungen setzt der Experte auf den anstehenden, internationalen Tigergipfel in St. Petersburg. Dort treffen sich Ende November auf Einladung Vladimir Putins die Staats- und Regierungschef der dreizehn Tigerstaaten um über einen internationalen Rettungsplan für die letzten 3200 Exemplare der seltenen Großkatze zu beraten. „ Am Ende des Gipfels müssen konkrete und vor allem finanziell abgesicherte Maßnahmen stehen“, sagt Frank Mörschel.

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