Content Section

Sandklau im Nationalpark

06. November 2009

WWF kritisiert Baggerung am Nothafen Darßer Ort

 

Hamburg / Stralsund - Der WWF Deutschland kritisiert die heute beginnende Ausbaggerung an der Zufahrt zum gesperrten Nothafen Darßer Ort in ihrer derzeitigen Form als überdimensioniert. Die geplanten Maßnahmen gehen nach Einschätzung der Umweltstiftung über das Ziel der Seenotrettung weit hinaus. Die Umweltverbände werden Rechtsmittel gegen die Verbringung des Sandes außerhalb des Nationalparks einlegen.  

 

Die Baggerarbeiten an der ehemaligen Zufahrt zum gesperrten Nothafen haben heute begonnen und sollen etwa 2-3 Monate dauern. „Damit werden zum 20. Jubiläumsjahr des Nationalparks erneut Wunden in eine der sensibelsten Zonen des Parks geschlagen und eine Million Euro buchstäblich in den Sand gesetzt“ sagte Jochen Lamp, Ostseeexperte des WWF. Die 50.000 m³ Sand werden von einer dänischen Firma in die 10 km weit entfernte Klappstelle außerhalb des Nationalparks in der Ostsee verfrachtet. Verkehrs- und Wirtschaftsministerien des Landes werden hierfür ca. 630.000 Euro aufwenden. Mehr als 400.000 Euro hatte bereits die Landesregierung der Gemeinde Prerow für eine Planung eines Ersatzhafens spendiert, der in der Gemeinde umstritten ist.  „Die Entscheidung des Ministers zur Baggerung ist ein Rückschlag für den Naturschutz und der Todesstoß für den Ersatzhafen in Prerow. Es droht erneut eine jahrelange und fruchtlose Diskussion um  den Nothafen“ so Lamp weiter. Ohne ein Zeichen, dass die Schließung des Hafens ernst gemeint ist, sei auch der umstrittene Buchtenhafen in Prerow, für den das Ministerium jetzt das Raumordnungsverfahren eröffnet hat, schon tot, bevor es begonnen habe.  

 

WWF und BUND hatten mit Verkehrsminister Volker Schlotmann eine Lösung erörtert, die nach offizieller Prüfung durch die  Ministerien und Fachbehörden „technisch durchsetzbar, kostenneutral und ohne Nachteile für die Seenotrettung“ ist.  Dabei sollte der Sand aus der Zufahrtsbaggerung zur Renaturierung der Teile des Hafenbeckens verwendet werden, die der Rettungskreuzer der DGZRS nicht benötigt.  So würde signalisiert, dass die Beschlüsse der letzten drei Landesregierungen umgesetzt werden, den Nothafen zu schließen und einen Ersatzhafen zu bauen. Es wäre gleichzeitig ein erster Schritt, um den ehemaligen Strandsee wieder entstehen zu lassen, der einst zum Hafen ausgebaut worden war.  

 

Der WWF fordert den Minister auf, seine Fehlentscheidung zu revidieren und zumindest die Verwendung des Sandes aus der Baggerung so zu ändern, dass sie zur Wiederherstellung eines Teils des ehemaligen Strandsees im jetzigen Hafenbecken genutzt wird. „Die jetzige Art der Baggerung ist schlichtweg Sandklau“ sagte WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp. „Die 50.000 m³ Sand werden endgültig der Entwicklung des Nationalparks fehlen, wenn sie in die Tiefe der Ostsee verklappt werden.“ Sinnvoll wäre die vorgeschlagene Einspülung, und die ernsthafte Planung einer anderen Hafenvariante vor Zingst – als Inselhafen mit der willigen Gemeinde.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken