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Schlupflöcher für Artenschmuggel

14. Dezember 2006

WWF und TRAFFIC warnen: Neue EU-Beitrittsländer öffnen dem Artenschmuggel die Tür nach Europa

 

Zwei Wochen vor dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens zur EU warnt der WWF davor, dass in diesen Ländern bei der Kontrolle des Artenhandels noch große Lücken im Strafvollzug und zu wenig effektive Kontrollen an den Grenzen stattfinden. „Dem Schmuggel mit seltenen Tier und Pflanzenarten sind die Türen nach Europa weit geöffnet, denn die neue EU-Grenze im Osten ist noch voller Schlupflöcher“, warnt WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Der WWF fordert eine schärfere Gesetzgebung, mehr und gut ausgebildete Zöllner und eine bessere Zusammenarbeit der Artenschutzbehörden auf EU-Ebene.  

 

In einer neuen Studie hat TRAFFIC, das Artenschutzprogramm des WWF und der Weltnaturschutzunion, 15 zentral- und osteuropäische Staaten auf den illegalen und legalen Handel mit Tier- und Pflanzenarten untersucht. Zentral- und Osteuropa ist die Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten, die in Westeuropa selten geworden oder bereits ausgestorben sind. Dazu zählen Braunbär, Wolf, verschiedene Falkenarten, Störe und viele Orchideenarten. Viele dieser Länder sind traditionell wichtige „Transitländer“ für wildlebende Arten und Produkte daraus. Bulgarien, Rumänien aber auch Polen und die Türkei zählen zum Beispiel zu den wichtigsten Ausfuhrländern für Kaviar – oft um die hohe Nachfrage in Westeuropa zu decken. Mit Deutschland und Frankreich als Spitzenabnehmer geht fast die Hälfte des weltweit verkauften Kaviars nach Europa – zu häufig auch illegal, denn der Handel mit dem kostbaren Rogen des vom Aussterben bedrohten Störs ist gesetzlich streng geregelt.  

 

In der Studie konnte speziell nachgewiesen werden, dass die Länder Rumänien und Bulgarien keine oder nur wenige Beschlagnahmen von geschützten Arten oder deren Produkten hatten, während andere Länder dagegen hohe Zahlen illegalen Handels nachweisen konnten. Das deutet jedoch nicht auf geringeren Schmuggel sondern auf mangelnde Effektivität bei den Kontrollen hin. Landschildkröten, exotische Vogelarten, Reptilien und Kaviar gehören dabei zu den Arten, die in Osteuropa am häufigsten illegal gehandelt werden. „Die Kontrollen des Artenhandels in die EU sind nur so stark wie die an ihren schwächsten Grenzpunkten und diese Schwachstellen werden schnell von den Schmugglern ausgenutzt“, befürchtet Homes. Deshalb fordert der WWF von der EU sicherzustellen, dass ab Januar alle 27 Mitgliedsstaaten die Möglichkeiten haben, um illegalen Artenhandel einzudämmen.

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