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„Schwarzbuch WWF“ - Das musste geändert werden

Der WWF erklärt die korrigierten und gestrichenen Passagen

Die Auseinandersetzung um falsche Aussagen des „Schwarzbuch WWF“ zwischen dem Verlag Random House und dem WWF Deutschland ist beendet. In einem außergerichtlichen Vergleich verständigten sich der Verlag, der Autor des Buches Wilfried Huismann und die Naturschützer auf die Überarbeitung bzw. Streichung von 21 kritisierten Stellen. Die Naturschutzorganisation hatte belegen können, dass mehrere Kernaussagen des Autors unzutreffend waren.

WWF steht für Waldschutz

Der WWF hat weltweit große Erfolge im Waldschutz errungen und ist nicht mitverantwortlich für den Kahlschlag durch einzelne Unternehmen. So ergänzt der Autor in der neuen Auflage: Der WWF „hat sich in einer Studie dafür stark gemacht, dass 49% des restlichen Chaco als „besonders wertvolle“ Lebensräume unter strengen Schutz gestellt werden müssen.“ Er streicht außerdem die Behauptung, der WWF „ist bereit, große Waldflächen zu opfern, solange ein Rest von 10 Prozent der Erdoberfläche als geschützte Naturräume erhalten bleiben – in Form von Nationalparks“. Jetzt heißt es: Der WWF „sieht sich selbst in einem Dilemma: Er kann den Vormarsch der Plantagenwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht aufhalten, fordert aber, dass mindestens 20% der Erdoberfläche als streng geschützte Naturräume erhalten bleiben.“

Auch die vom Autor an anderer Stelle genannte vermeintliche „WWF-Faustregel“, wonach der WWF „nur noch 10% der Wälder am Leben“ lasse, wird in der neuen Fassung nicht aufrecht erhalten.

Außerdem fügt er an anderer Stelle das Zitat der WWF-Mitarbeiterin Amalia Prameswari hinzu, dass in Zentralkalimantan „dank des Einsatzes des WWF (…) 12.000 Hektar vor der Vernichtung gerettet worden“ seien, „immerhin 9,86% der bislang bebauten Konzession“. In der neuen Fassung zitiert er weiter aus vom WWF zur Verfügung gestellten Quellen: „Eine Satellitenauswertung des WWF sowie die Empfehlungen des Beraterunternehmens MEC weisen dagegen eine geschützte Fläche von 13.000 Hektar aus.“

WWF steht für Artenschutz

Vollständig gestrichen wird folgender Satz: „Die beiden Menschenaffen vor uns sind Überlebende eines Tiermassakers an den Orang-Utans, der im Namen des wirtschaftlichen Fortschritts geschieht – und im Namen der „regenerativen“ Energie.“

WWF ringt mit Unternehmen um Standards

Weitere Änderungen machen deutlich, dass der WWF keine Kooperation mit dem Palmölproduzenten Wilmar hat und auch kein Geld von diesem Unternehmen bekommt. Der Autor streicht folgende Passagen: „Sie bestätigt, dass es einen Vertrag über die Zusammenarbeit (mit Wilmar, d.Verf.) gibt“. Auch das Ringen des WWF an sog. „Runden Tischen“ mit allen Akteuren des Soja- oder Palmölsektors um soziale und ökologische Standards wird nicht weiter als Zusammenarbeit oder Kooperation mit einzelnen Unternehmen beschrieben.

Mit dem Gentechnikriesen Monsanto gibt es keine Kooperation. Der Autor streicht z.B. die Formulierungen „von dem Soja-Deal zwischen Monsanto und dem WWF“ und „Während seiner Amtszeit machte er den WWF sozusagen zum Juniorpartner von Monsanto“. Er wird ebenso wenig weiter in dem Buch ausführen, „dass der WWF die beiden größten Gentechnik-Konzerne der Welt in den Runden Tisch für Verantwortungsvolles Soja aufgenommen hat“. Denn: Der RTRS ist ein unabhängiger Zusammenschluss von derzeit 150 Vertretern aus Wirtschaft, Industrie, Handel, Soja-Produktion und mehreren Nichtregierungsorganisationen. Über die Aufnahme von neuen Mitgliedern kann der WWF nicht entscheiden. „Runde Tische“ sind nach Ansicht des WWF ein Ansatz, die Produktion von Agrarrohstoffen zu verbessern, aber sie sind kein Allheilmittel. An Runden Tischen werden Mindeststandards entwickelt, die über die gesetzlichen Regelungen hinaus gehen. Sie werden kontinuierlich weiterentwickelt, um weitere Umweltzerstörung zu verhindern.

Richtig ist weiterhin: Der WWF arbeitet unter engen Voraussetzungen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen zusammen, sei es als Sponsoring-Partner für die Finanzierung von Naturschutz- und Umweltschutzprojekten oder mit dem Ziel, den ökologischen Fußabdruck von Unternehmen zu reduzieren. Unternehmen, die erkennbar und vorsätzlich Menschenrechte verletzen und humanitäre, ökologische oder soziale Mindeststandards fortwährend missachten, kommen für den WWF als Partner nicht infrage.

WWF ist der Partner für indigene Völker

Ein weiterer Teil der vereinbarten Änderungen umfasst den Komplex der Zusammenarbeit mit indigenen Völkern. Der WWF arbeitet seit vielen Jahren mit indigenen Völkern vertrauensvoll zusammen und setzt sich in zahlreichen Naturschutzprojekten weltweit für ihre Lebensgrundlage und Rechte ein. Dies wird im konkreten Fall der Zusammenarbeit mit den Kanume deutlich. Hier räumt der Autor ein, dass er als Quelle ein altes Interview einer Kollegin mit Häuptling Kasimirus aus dem Jahr 2007 verwendet. Nun streicht er zahlreiche Passagen wie „Die Worte der WWF-Gesandten klangen wohlgesetzt, aber Kasimirus Sanggara fühlt sich von ihnen „betrogen“, „Die (die WWF-Gesandten, d. Verf.) dürfen mein Dorf nicht betreten“, „Auf dem vom WWF veröffentlichten Video wirkt Kasimirus Sanggara sehr bedrückt – als stünde er unter großem Druck“, „Der WWF macht sich nicht die Finger schmutzig“, „Am Ende seines »Dialogs« mit dem WWF und der Staatsmacht steht der Stamm der Kanume mit leeren Händen da“ und „Er kann nicht glauben, dass seine Zeit abgelaufen ist“.

Weitere Aussagen, die der Autor nicht mehr verbreitet

Beim Thema Atomenergie räumt der Autor ein, dass sich der WWF International seit 2002 eindeutig von dieser Energieform distanziert und den Befürwortern eines schrittweisen Ausstiegs angeschlossen hat. Außerdem streicht er, dass der internationale WWF-Bioenergie-Koordinator Lazlo Mathé angeblich dafür warb, einen irrsinnigen Plan des Agrobusiness nicht gleich zu verwerfen. Der sah vor, für die Anpflanzung von Ölpalmen Emissionsgutschriften zu kassieren.  

Bereits zuvor hatten sich der WWF, die Verlagsgruppe Random House und der Autor auf einen Vergleich bzgl. der Persönlichkeitsrechte einer WWF-Mitarbeiterin geeinigt. Ihre Persönlichkeitsrechte werden in der ersten Auflage grob verletzt. Aus dem beanstandeten Buch muss ihr Interview gestrichen werden. Die WWF-Mitarbeiterin darf nicht mehr zitiert, ihr Bild darf nicht mehr verwendet werden und ihr Name wird nicht mehr genannt. Hier wird der Autor mehrere Seiten komplett streichen.

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