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Serengeti auf dem Trockenen

15. September 2009

Dürre in Ost-Afrika: Mara-Fluss wird zum Rinnsaal / Große Tierwanderung in Gefahr.

 

Der WWF warnt vor einem „Austrocknen“ des Nord-Ostens der Serengeti in Tansania und des kenianischen Schutzgebietes Massai Mara. Die Lebensader der Region, der Mara-Fluss habe besorgniserregend niedrige Pegelstände, obwohl die Trockenzeit gerade erst begonnen habe. In den vergangenen Monaten hat es kaum geregnet, was Missernten und schlechte Weiden zur Folge hat. Die Regierungen von Kenia und Tansania haben bereits mit Hilfslieferungen für die betroffenen Menschen vor Ort reagiert. „Vom Mara-Fluss trinkt die gesamte Serengeti während der Trockenzeit. Wenn diese Quelle verloren geht, steht die Tierwanderungen von 1,3 Millionen Huftieren wie Gnus und Antilopen und das gesamte Ökosystem vor dem Kollaps“, warnt Martin Geiger, Wasser-Experte beim WWF. Seit 1970 ist der Abfluss im Mara bereits um durchschnittlich 60 Prozent zurückgegangen, vor allem durch massive Abholzungen im Quellgebiet, Bewässerung von Weizen- und Bohnenfeldern und einen enorm steigenden Wasserbedarf für Vieh und Menschen in Kenia. Hinzu kommen klimatische Veränderungen in Folge des Klimawandels.  

 

Getrieben von der Trockenheit und der Umwandlung ihrer traditionellen Weiden in Weizenfelder, sind die Masai gezwungen ihre Viehherden, trotz eines Verbotes der Behörden, in das Naturschutzgebiet zu treiben. Dies hat dramatische Folgen für die Wildtierbestände, führt aber auch zu gefährlichen Situationen und Konflikten. Die aktuelle Wasser-Krise ist nach Einschätzung des WWF nur ein vorläufiger Höhepunkt. Sollten die Pegelstände des Mara in den kommenden Jahren weiter sinken, könnte es zu einem Massensterben der Wildtiere kommen. Die riesigen Herden sind darauf angewiesen, dass sie im Einzugsgebiet des Mara im September noch genügend Nahrung und Wasser finden, um sich in die nächste Regenzeit zu retten. „Wir brauchen dringend ein grenzüberschreitendes Wassermanagement und eine nachhaltige Nutzung des Mara-Flusses“, fordert Martin Geiger. Die WWF-Programmbüros in Kenia und Tansania arbeiten seit mehreren Jahren verstärkt in der Region. Ziel ist es, die Verschlechterung der Wasserqualität und die Verringerung der Wassermenge zu stoppen. Nur wenn in solchen Trockenzeiten die Wasserentnahme aus dem Fluss für die Landwirtschaft drastisch beschränkt oder ganz eingestellt wird, bleibt noch Wasser für Tier und Mensch übrig.  

 

In einer Studie hatte der WWF im April 2009 auf die rückläufigen Bestandszahlen hingewiesen. Seit 1989 seien demnach Rückgänge von 95 Prozent bei Giraffen, 80 Prozent bei Warzenschweinen und 76 Prozent bei Kuhantilopen zu verzeichnen. Ähnlich schlecht stehe es um die Gnus, Zebras und Gazellen. Ein Verschwinden dieser Pflanzenfresser würde sich mittelfristig auch auf die Bestände der großen Beutegreifer, wie Löwen und Geparden auswirken. Auch die Savannen-Landschaft, die nur durch grasende Tierherden bestehen kann, würde sich komplett wandeln.

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